Montag, 22. Januar 2018

Luxusauto-Hersteller Wie Wiesmann in die Pleite fuhr

Sportwagen in Kleinserie: Das harte Los deutscher Auto-Manufakturen
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Wiesmann

3. Teil: "Kurzfristige Liquiditätsprobleme"

Die Organisation war desaströs, das fiel Weber schnell auf. Zeitweise schickte Wiesmann fast täglich einen Fahrdienst auf die knapp 200 Autobahnkilometer nach Aachen; und das häufig nur, um ein paar Teile abzuholen zu lassen. Das Verhalten war typisch für Wiesmann. Das Unternehmen ließ havarierte Fahrzeuge schon mal aus Italien abholen - und lieferte sie anschließend wieder beim Kunden ab. Manche Reparatur war halt nur in Dülmen möglich. Und auch, dass Martin und Friedhelm Wiesmann, immerhin die Gründer des Unternehmens, inzwischen nicht mehr an Bord waren, schien merkwürdig.

Doch Wiesmann zahlte ja, allen Schwächen zum Trotz. Weber musste schon mal mahnen, aber am Ende landete das Geld auf dem Racing-Dynamics-Konten. Der Aachener Unternehmer blieb ruhig - und lieferte weiter.

Erst recht, als Wiesmann Weber tatsächlich einen Großauftrag offerierte. Die Manufaktur benötigte dringend einen Prototypen für den Genfer Autosalon im März 2013. Man plane den Wiesmann GT MF4-CS, eine "Clubsport"-Edition, mehr Rennwagen als Roadster. Ob Racing Dynamics helfen könne. Racing Dynamics konnte, das Auto wurde rechtzeitig fertig und glänzte in knallrot auf dem kleinen Messestand der Dülmener.

Das Problem: Webers Firma investierte eine sechsstellige Summe, allein die Transportkosten addierten sich auf fast 30.000 Euro. Doch Wiesmann zahlte nicht.

Warten auf das Geld

Weber mahnte einmal, er mahnte zweimal, er mahnte dreimal. Nichts passierte. Bei Wiesmann bekam er die Geschäftsführer nicht mehr ans Telefon. Webers Anwälte schalteten sich ein; und plötzlich meldete sich nicht Wiesmann, sondern eine Firma namens Guo - Strategisches Management aus Rahden.

Die Botschaft: Wiesmann habe kurzfristige Liquiditätsprobleme. Diese würden aber schon bald von einem Investor gelöst. Also einigte man sich auf Ratenzahlung; bis zum 30. Mai sollte das Geld komplett auf dem Konto von Racing Dynamics sein.

Prompt meldete sich Wiesmann-Finanzchef Christoph Hansmann in Aachen. Es gelte neue Projekte zu besprechen. In den nächsten Tagen werde die Geschäftsführung in die Schweiz fliegen und mit dem neuen Investor alles regeln.

Am 20. Juni schließlich saßen Hansmann und Weber tatsächlich zusammen, drei Wochen nach dem vereinbarten Zahlungstermin für die letzte Rate. Auf den Konten von Racing Dynamics indes war kein Geld eingegangen; nicht einmal die erste Rate. Entsprechend gering war Webers Motivation zur weiteren Zusammenarbeit.

Hansmann indes schlug ein "Gentleman's Agreement" vor: Er verspreche die Zahlung, sobald das Geld des Investors eintreffe. Racing Dynamics könne loslegen. Doch Weber verlangte eine - wenn auch kleine - Anzahlung.

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