Dienstag, 28. Juni 2016

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Zwei Angebote für Sportwagen-Legende Chinesischer Investor entfacht Wettbieten um Wiesmann

Sportwagen in Kleinserie: Das harte Los deutscher Auto-Manufakturen
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DPA

Lange schien es, die Geschichte der Sportwagen-Marke Wiesmann sei beendet. 2014 steuerte die Dülmener Auto-Manufaktur nach einem jahrelangen Niedergang in die Pleite. Der Insolvenzverwalter fand zwar einen Investor, doch der zahlte nicht. Und die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung gegen einen ehemaligen Geschäftsführer.

Doch plötzlich ist Wiesmann wieder begehrt. Nach einem britischen Investor bietet jetzt auch ein chinesisches Unternehmen für die Marke aus dem Münsterland. Die in Honkong ansässige Sinfonia Global Investment Management schrieb den Gläubigern heute, sie habe dem Insolvenzverwalter Norbert Küpper am 23. November ein Angebot über 8 Millionen Euro netto "für das gesamte Aktivvermögen der Wiesmann GmbH" vorgelegt. Die britischen Brüder Sahir und Roheen Berry wollen nach Information von manager magazin online 5,77 Millionen Euro bezahlen.

Die Briten haben bereits Anfang November Kaufverträge unterschrieben. Insolvenzverwalter Norbert Küpper hat daraufhin für den 2. Dezember eine Gläubigerversammlung einberufen. Die chinesische Sinfonia-Gruppe hätte nur dann eine Chance, wenn die Wiesmann-Gläubiger das Gebot der Berry-Brüder ablehnen.

Sinfonia: Wiesmann braucht mindestens 25 Millionen Euro Investitionen

Die in der Software-Branche aktiven Briten haben sich mit den Unternehmensgründern Martin und Friedhelm Wiesmann auf ein Konzept verständigt, die Marke neu zu beleben. Die mit BMW-Motoren angetriebenen Sportwagen sollen künftig wieder in der durch ihre an das Wiesmann-Logo angelehnte Gecko-Form bekannte Fabrik in Dülmen gebaut werden. Seit Gründung des Unternehmens wurden knapp über 1600 der Luxus-Autos verkauft.

Der Chinese Freeman Shen leitete einige Jahre lang den Aufbau der Marke Volvo in China
Bloomberg via Getty Images
Der Chinese Freeman Shen leitete einige Jahre lang den Aufbau der Marke Volvo in China
Auch Sinfonia Investment hatte über seinen deutschen Vertreter Andreas Rennet wiederholt Insolvenzverwalter Küpper kontaktiert. Ein konkretes Angebot hatten die Chinesen bislang jedoch offenbar nicht abgegeben. Geleitet wird Sinfonia von dem Chinesen Freeman Shen, der früher bei dem chinesischen Autohersteller Geely für den Aufbau der Marke Volvo in China zuständig war. Geely kaufte die schwedische Automarke im Jahr 2010 von Ford für 1,3 Milliarden Euro.

Hinter Sinfonia stünden chinesische Investoren aus der Autobranche, sagte Rennet manager magazin online. Der in Deutschland für ein mögliches Wiesmann-Projekt zuständige Rennet ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Turnkey Innovations. Man müsse wahrscheinlich mindestens 25 bis 30 Millionen Euro investieren, um wettbewerbsfähige Wiesmann-Autos an den Start zu bringen, erläuterte Rennet. Shen und Sinfonia seien dazu bereit und auch in der Lage.

Vor allem der Antrieb der Autos müsse modernisiert werden. Exterior und Interior sollten zumindest vom Design her nicht allzu sehr verändert werden: "Das Produkt und die Qualität müssen stimmen", sagte Rennet. "Aber vor allem muss die DNA auch nach einem Facelift sichtbar sein."

In dem Schreiben an die Gläubiger werben die Chinesen damit, sie seien "Autovisionäre mit einer Leidenschaft für Sportwagen". Wiesmann habe das Potenzial, einer der "großen und erfolgreichen Sportwagenmarken der Welt" werden; und Sinfonia verfüge über ein "fertiges, innovatives Sportwagenkonzept im klassischen Wiesmann-Design mit modernen Antrieben".

Elektro-Hybridprototyp Project N des chinesischen Telematik-Spezialisten Pateo: Keine Vorlage für die Wiesmann-Zukunft
Sinfonia-Chef Shen hat auf der Shanghai Motor Show im September den Prototypen Pateo Project N vorgestellt: ein Elektroauto mit zusätzlichem Benzinmotor, angeblich fast 900 PS stark, geplanter Verkaufsstart 2018. Das Project N habe jedoch zunächst einmal nichts mit Shens Vorstellungen vom Wiesmann der Zukunft zu tun, sagte Rennet.


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