Mittwoch, 31. August 2016

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Fall Wiedeking: Das Hornberger Schießen Wie übereifrige Staatsanwälte Karrieren beenden

Wiedeking (rechts), Härter: "An den Vorwürfen ist nichts dran"

Sieben Jahre lang hingen die Vorwürfe der Marktmanipulation bei der versuchten Übernahme von Volkswagen im Raum, nach fünf Monaten Verfahren kam nun der Freispruch für den angeklagten ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Ex-Finanzchef Holger Härter.

"An den Vorwürfen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist nichts dran, nichts - weder vorne, noch hinten, noch in der Mitte", urteilte der Vorsitzende Richter Frank Maurer. Harte Worte in einem Prozess, in dem die Staatsanwaltschaft eigentlich für beide Manager mehr als zwei Jahre Haft gefordert hatte. Das Ganze ist ausgegangen wie das Hornberger Schießen - viel Lärm um nichts. Die Beweislage reichte nicht einmal für ein Bußgeld für die Porsche-Dachgesellschaft PSE.

Auf der Strecke geblieben sind allerdings die Karrieren der beiden Männer, ihre Nerven, ihre Zeit und das Geld, das sie hätten verdienen können, wenn man sie in Ruhe hätte arbeiten lassen.

Wiedekings Worte, dass die vergangenen sieben Jahre mit immer neuen, wechselnden Vorwürfen der Staatsanwaltschaft für ihn und seine Familie "eine erhebliche Belastung" waren, darf wohl als Untertreibung des Monats verzeichnet werden.

Freisprüche dürfen vermutlich auch in München erwartet werden, wo in der Causa Kirch seit zehn Monaten wegen Prozessbetrug gegen Jürgen Fitschen, den Co-Chef der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, und seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer verhandelt wird. Auch da läuft die Staatsanwaltschaft unbeirrt Sturm, obwohl der zuständige Richter Peter Noll schon mehrfach Zweifel an der Argumentation der Ankläger angemeldet hat. Er habe sich bei der Verlesung eines neuen Beweisantrags der Staatsanwaltschaft beherrschen müssen, seine Gesichtsmuskulatur unter Kontrolle zu behalten, so der Richter.

Er ist nicht der einzige, der um Beherrschung ringt. "Mich hat überrascht, mit welcher Leichtigkeit die Staatsanwaltschaft über die vergangenen fast sieben Jahre immer wieder neue Behauptungen und Vorwürfe aufgebracht hat. Anschuldigungen, für die im gesamten Prozess kein einziger Beweis und kein einziger Zeuge vorgebracht werden konnten", sagte Wiedeking nach dem Ende der Quälerei.

Heiner Thorborg
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    Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder International gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co KGaA (Frankfurt), die Heiner Thorborg & Co. (Zürich), die Initiative "Generation CEO", "The Female Factor" sowie thorborg&virzí mit den Standorten Frankfurt und Zürich.
Auch in München reiht sich Peinlichkeit an Peinlichkeit. "Die Zeugen haben die unter Beweis gestellten Tatsachen überwiegend nicht bestätigt", erklärte Richter Noll im Fall Fitschen & Co. Manch ein von der Anklage bestellter mutmaßlicher Belastungszeuge gab sogar deutlich Entlastendes von sich. Nichtsdestotrotz versucht die Staatsanwaltschaft mit immer neuen Beweisanträgen Stimmung gegen die Angeklagten zu machen. Zuletzt beschäftigte das Gericht ihre Vermutung, Jürgen Fitschen habe sein Einkommen klein gerechnet. Die Ankläger regten an, Geschäftsberichte der Deutschen Bank vor Gericht verlesen zu lassen, aus denen die Bezüge der Vorstände hervorgehen. Was das zur Wahrheitsfindung im Fall Kirch betragen könnte, erschließt sich nur den Staatsanwälten.

Dem Publikum bleibt nichts anderes übrig, als verstört zur Kenntnis zu nehmen, welche Schäden deutsche Staatsanwälte unter Führungskräften anrichten. Die Unschuldsvermutung scheint aufgehoben, wenn nur der Job des Verdächtigen herausgehoben genug ist. Tatsächlich hat sich die Beweislast umgekehrt: Kommen Zweifel auf, muss eine Führungskraft beweisen, dass sie richtig gehandelt hat und nicht der Staatsanwalt nachweisen, dass ein Versagen vorliegt.

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