Montag, 27. Juni 2016

Daihatsu-Komplettübernahme Warum Toyota bei billigen Kleinwagen nachtankt

Kleinwagen von Daihatsu: Mit solchen Modellen hofft Toyota in Schwellenländer bald auf gute Geschäfte

Mazda, Subaru, Suzuki - in Japan tummeln sich eine ganze Menge kleinerer Autohersteller. Langfristig können diese kaum alleine überleben, monieren Branchenkenner schon länger. Nun kommt Bewegung in die bislang so feste Hackordnung der japanischen Autobranche - und zwar von Seiten des Branchenprimus Toyota Börsen-Chart zeigen .

Denn der weltgrößte Autohersteller will den japanischen Kleinwagen-Spezialisten Daihatsu nun komplett übernehmen. Seit 1998 ist Toyota Daihatsus Mehrheitseigentümer, nun will der Auto-Riese den vollständigen Durchgriff bei seiner Tochter. Mit der Übernahme will Toyota sein Geschäft in Schwellenländern ausbauen. Denn dort sind die kleinen und günstigen Daihatsu-Wägelchen durchaus gefragt.

Dafür stockt Toyota seinen Daihatsu-Anteil nun von 51 auf 100 Prozent auf, wie die beiden Autobauer erklärten. Rund drei Milliarden Euro gibt der VW-Rivale dafür aus - und zwar in Form eigener Aktien. Am 1. August soll die Komplettübernahme abgeschlossen sein.

Einen unmittelbaren Geldregen darf sich Toyota von seiner Aufstockung nicht erwarten. Daihatsu verkauft jährlich ungefähr eine Million überwiegend kleine Autos in der Klasse etwa des Ford Ka oder des Renault Twingo. Einige Modelle sind auch in Nordamerika und Europa erhältlich. Doch zuletzt fuhr die Marke mit angezogenen Bremsen. Im vergangenen Jahr sackte der Absatz des Kleinwagen-Spezialisten um 13,3 Prozent ab - und damit so stark wie bei keiner anderen Toyota-Beteiligung.

Wird Daihatsu nun Toyotas Billigmarke?

Daihatsu ist vor allem in Schwellenländern wie Indien oder Malaysia aktiv. Richtig zu schaffen machte dem Kleinwagen-Hersteller aber das maue Geschäft in Japan. In Japan hat sich Daihatsu auf sogenannte Minicars mit 0,6-Liter-Motoren spezialisiert und liefert sich dabei einen harten Konkurrenzkampf mit Suzuki. Doch dieses Geschäft schrumpft: Zum einen altert die japanische Gesellschaft stark. Zudem zeigen junge Leute auch in Japan nur wenig Interesse, sich ein eigenes Auto zu kaufen. Damit ist das Kleinstwagen-Geschäft gleich von zwei Seiten unter Druck.

Im Zuge der Komplettübernahme wird Daihatsu von der Börse genommen. Die Aktionäre der Kleinwagen-Marke bekommen je Anteilsschein 0,26 Toyota-Papiere.

Nach dem Willen der beiden Unternehmen soll Daihatsu international expandieren und sich als günstige Einstiegsmarke im Toyota-Reich positionieren. Das macht durchaus Sinn. Denn Billigautos gelten weltweit als Wachstumsbereich. Und so richtig vom Fleck kam Toyota mit Günstig-Mobilen wie dem Etios bisher nicht.

Überlappungen zwischen Daihatsu und anderen Toyota-Marken sind dabei nicht zu befürchten. Denn anders als beim Volkswagen-Konzern ist die Markenvielfalt bei Toyota eher begrenzt: Neben dem Nobelableger Lexus gehört noch der Lastwagenhersteller Hino zum Toyota-Konzern - und eben Daihatsu.

Vor wenigen Tagen gab es Berichte, dass Toyota mit Suzuki über eine Partnerschaft verhandle. Beide Unternehmen dementierten, dass es Gespräche gibt. Doch die Meldungen deuten zumindest an, dass es bei Japans mittelgroßen Autoherstellern in absehbarer Zeit zu Übernahmen kommen könnte. Wer die wahrscheinlichsten Übernahmekandidaten sind, zeigt unsere Bildergalerie.


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mit Material von Reuters und dpa

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