Samstag, 15. Dezember 2018

Reaktion auf Trumps Handelskrieg mit China Volvo verlagert SUV-Produktion von China nach Europa

Volvo XC 60: Für USA geplante Modelle laufen künftig in Europa vom Band - nicht mehr in China

Der schwedisch-chinesische Autohersteller Volvo reagiert im Eiltempo auf den Handelsstreit zwischen den USA und China: Laut Volvo-Chef Hakan Samuelsson wird Volvos SUV XC60 für den US-Markt künftig nicht mehr in China produziert - sondern in Europa. So will Volvo Washingtons neue Strafzölle für Importe aus China umgehen, erklärte Volvo.

Aktuell wird der Kompakt-SUV XC60, das bestverkaufte Volvo-Modell, an zwei Standorten produziert: Im schwedischen Stammwerk Torslanda laufen seit gut einem Jahr die jüngste Generation des XC60 für europäische Kunden vom Band. Im chinesischen Werk in Chengdu produziert Volvo bislang die SUVs für den chinesischen und nordamerikanischen Markt.

Nun sollen die XC60-Modelle für die USA ebenfalls in Europa vom Band laufen, während in Chengdu die Autos für China und andere Märkte produziert werden. Laut Samuelsson hat die Verlagerung aus China nach Europa bereits begonnen. Wie weit das wirklich hilft, muss sich noch weisen. Denn US-Präsident Donald Trump legt sich auch mit der EU an und drohte erst vergangene Woche mit Zöllen auf Autos.

Für US-Importe aus China sind die Zollbarrieren aktuell aber besonders hoch: In diesem Monat verhängten die USA 25-prozentige Zölle auf Importe aus China im Wert von 34 Milliarden Dollar. Darunter fällt auch Volvos XC60 - und die Limousine S90, die Volvo ausschließlich in China herstellt. Peking hat darauf mit Strafzöllen für US-Importe reagiert.

Erst vor kurzem hat Volvo seine erste US-Fabrik in der Nähe von Charleston in South Carolina eröffnet. Die Massenproduktion der Volvo-Limousine S90 soll dort im kommenden Monat starten.

Volvo trotz internationalem Handelsstreit auf Rekordkurs

In das Werk hat Volvo 1,1 Milliarden Dollar investiert. Es bietet dem Autohersteller zwar ein wenig Schutz gegen steigende Einfurhzölle. Doch Volvo bleibt in den USA, seinem schnellstwachsenden Markt, dennoch von Importen abhängig. Im ersten Halbjahr hat Volvo seine Verkäufe in den USA um 40 Prozent gesteigert. Die Zahl der in die USA importierten XC60-Modelle stieg dabei um 64 Prozent auf 14.790 Autos, berichtet Reuters.

Eigentlich, so merkte Samuelsson an, wäre ihm eine komplette Beseitigung von Einfuhrzöllen am liebsten. "Das Beste für die Autoindustrie in China, Europa und den USA wäre es, keine Zollhürden zu haben - und so zu gleichen Bedingungen zu konkurrieren", sagte Samuelsson gegenüber Bloomberg.

Aktuell ist das Gegenteil der Fall: US-Präsident Donald Trump empfängt in der kommenden Woche EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Washington. Dabei soll es vor allem um Zölle gehen. Juncker will die Spannungen abbauen - zugleich wappnet sich die EU aber für Vergeltungsschritte, sollten die USA höhere Zölle auf Autos aus der EU verhängen.

Die Tochter des chinesischen Geely-Konzerns ist derweil trotz des internationalen Handelsstreits auf Kurs für das fünfte Rekordjahr in Folge. Volvo Cars steuert demnach auch 2018 auf eine Absatz-Bestmarke zu. Im zweiten Quartal stieg der operative Gewinn um 29 Prozent auf umgerechnet 407,1 Millionen Euro. Der Umsatz legte um mehr als ein Viertel 6,4 Milliarden Euro zu.

mit Material von Reuters

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