Mittwoch, 12. Dezember 2018

Wasserstoff gegen Elektro Toyota oder Volkswagen - wer siegt im Duell um das Auto der Zukunft?

Toyota setzt auf Wasserstoff, Volkswagen auf Strom: Dieses Duell um den Autoantrieb der Zukunft hat inzwischen das Zeug zu einem epischen Kampf der Systeme - in dem der Sieger alles und der Verlierer nichts bekommt. Welche Technik setzt sich durch? Oder gibt es einen lachenden Dritten?

Toyota FCV (links), Volkswagens E-Golf (rechts): Zwei Konzerne, zwei Philosophien
AFP; Volkswagen
Toyota FCV (links), Volkswagens E-Golf (rechts): Zwei Konzerne, zwei Philosophien
Hamburg - Es ist relativ einfach, einem eingefleischten Wasserstoffauto-Skeptiker ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. "Wasserstoff ist der Antrieb der Zukunft", lautet der einschlägige Kalauer, "und wird es immer bleiben".

Seit allerdings Toyota den Serienstart des ersten halbwegs bezahlbaren Wasserstoffautos für 2015 angekündigt hat, dürfte das Grinsen eine säuerliche Note bekommen. Immer wieder hatten Autohersteller, darunter Daimler, den Start von Brennstoffzellen-Autos mit Wasserstoff als Energiequelle verschoben, nun macht der nach Absatz weltgrößte Autokonzern tatsächlich ernst.

Ab April 2015 wollen die Japaner die Limousine FCV (Fuel Cell Vehicle) in Japan auf den Markt bringen, zum Preis von etwa 50.000 Euro. Wenige Monate später soll er auch in Europa erhältlich sein. Das 136-PS-Auto kommt mit einer Ladung Wasserstoff etwa 500 Kilometer weit und lässt sich in wenigen Minuten betanken.

Hat Toyota im Kampf um den Antrieb der Zukunft also die Nase vorn? Die Japaner werden nicht müde zu betonen, wie überlegen die Brennstoffzelle dem Elektroauto mit großer Fahrbatterie ist, und führen vor allem die Reichweite an. Zuletzt hatte Toyota eine Zusammenarbeit mit dem US-Elektroautohersteller Tesla beendet, der die Batteriesysteme für Toyotas kalifornisches Quoten-Elektroauto RAV4 bereitstellt. Vom anbrechenden Zeitalter einer Wasserstoffwirtschaft redet Toyotas Vize-Strategie-Chef Chris Hostetter.

Damit gibt er den Planern des Erzrivalen Volkswagen Kontra. Die Wolfsburger geben sich öffentlich zwar gern elektroautokritisch. Und doch setzen sie seit einer Weile (neben Erdgas) voll auf Batteriefahrzeuge - in reiner Form als auch als Plug-in-Hybrid, bei dem ein Verbrennungsmotor die Reichweite steigert. Auf den Straßen sind schon E-Up, E-Golf und Porsches Panamera E-Hybrid. Zahlreiche weitere Modelle folgen in den kommenden Monaten, darunter Audis A3 e-tron. Die Brennstoffzellentechnik hält Volkswagen dagegen für unwirtschaftlich.

Zwar handelt es sich sowohl beim Brennstoffzellenfahrzeug als auch bei Batteriewagen um Elektroautos, denn ersteres erzeugt aus Wasserstoff Strom, der den Motor antreibt. Und doch sind Philosophien grundverschieden. Eine Wasserstoffinfrastruktur würde in weiten Teilen dem heutigen Tankstellensystem ähneln, nur dass die Autofahrer nicht mehr Benzin und Diesel zapfen. Batterieautos dagegen könnten faktisch überall aufgeladen werden, wo es Strom gibt - also in jedem Winkel der Zivilisation.

Volkswagen und Toyota pokern hoch

Dass sich langfristig zwei oder mehr völlig verschiedene Antriebe durchsetzen werden, ist nur unter besonderen Umständen denkbar. "Parallele Infrastrukturen sind beispielsweise dann denkbar, wenn einzelne Staaten unterschiedliche Technologien massiv fördern", sagt Autoexperte Eric Heymann von DB Research.

Konzerne wie Volkswagen und Toyota, aber auch Renault-Nissan (Batterie-Elektroautos), die stark auf eine Technik setzen, pokern hoch mit ihren Strategien. Von der globalen Technologieführerschaft bis hin zum Image völliger Rückständigkeit ist alles drin in diesem Spiel. Wer aufs falsche Pferd setzt, muss vermutlich Milliarden investieren, um den Rückstand aufzuholen.

manager magazin zeigt, wie die Chancen einzelner Zukunftsantriebe derzeit stehen - und welche Techniken außer Wasserstoff und Elektro noch im Rennen sind.

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