Samstag, 30. Mai 2015

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US-Elektroauto-Hersteller Warum Tesla in Deutschland keine Chance hätte

Teslas Model S auf der IAA: Während die deutschen Hersteller es in Frankfurt krachen lassen, begnügen sich die Kalifornier mit einem Mini-Stand an der Rolltreppe
Jürgen Pander
Teslas Model S auf der IAA: Während die deutschen Hersteller es in Frankfurt krachen lassen, begnügen sich die Kalifornier mit einem Mini-Stand an der Rolltreppe

Als deutsches Unternehmen wäre Elektroauto-Hersteller Tesla bereits im Dax vertreten. Doch Elon Musk baute die Firma in Kalifornien auf. Ausgerechnet in der Autonation Deutschland wäre er wohl gescheitert.

Hamburg - Wenn Autoexperte Tom Turrentine an seine Studentenzeit in Los Angeles denkt, hat er vor allem Staub und Dreck vor Augen. "Als ich Fußball spielte, waberte schmutzige Luft zwischen den Toren", erinnert sich Turrentine, Forscher an der University of California, an die 70er-Jahre. Schuld waren Autoabgase, die in den dichten Tälern kaum abzogen. "Deshalb gab es später Gesetze, die Herstellern von Elektroautos helfen sollten."

Jetzt tragen die Gesetze Früchte. Tesla Motors Börsen-Chart zeigen, ein zehn Jahre altes Start-up aus Palo Alto im Silicon Valley, wirbelt in den USA den Automarkt mit seinen Premium-Elektroautos durcheinander. Etwa 2000 Limousinen des Typs Model S rollen Monat für Monat vom Band.

Die Jahresproduktion für 2013 ist längst ausverkauft. Firmenchef Elon Musk versucht krampfhaft, die Kapazität zu erweitern, um weltweit zu expandieren. Schon schnappt Tesla etablierten Herstellern wie BMW Börsen-Chart zeigen, Mercedes, Audi Börsen-Chart zeigen, Cadillac und Lexus in Amerika erhebliche Marktanteile im Luxussegment weg. Tesla wird als neue nationale Industrie-Ikone gefeiert, an der Börse ist das Unternehmen etwa 20 Milliarden Dollar wert - kaum zu glauben angesichts eines Mini-Standes an der Rolltreppe auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt.

In Deutschland hätte ein derart kometenhafter Aufstieg Tesla bereits einen Platz im Dax Börsen-Chart zeigen beschert. Das Unternehmen ist mehr wert als RWE Börsen-Chart zeigen, Henkel Börsen-Chart zeigen oder die Lufthansa Börsen-Chart zeigen.

Wagniskapital, hungrige Mitarbeiter, politische Unterstützung

Doch warum ist Tesla eigentlich ein amerikanisches und kein deutsches Unternehmen? Dann hätte Deutschland einen neuen Wachstumsstar in der Branche, mit guten Aussichten für weltweite Expansion. Immerhin ist doch die Bundesrepublik die Autonation schlechthin - zumal, wenn es um Premiumautos geht.

Doch ein Unternehmen wie Tesla hätte hierzulande wohl niemals Erfolg gehabt. Das hat mit den Erinnerungen von Tom Turrentine an die schlechte Luft und die Gesetze dagegen zu tun. Es hat auch damit zu tun, wie Unternehmer in Kalifornien Neues angehen und angehen können - mit Wagniskapital, hungrigen Mitarbeitern aus aller Welt und politischer Unterstützung.

Das alles gibt es in Deutschland auch, allerdings bei weitem nicht in ausreichender Menge. Nicht zuletzt gibt es in Deutschland eine bestehende, mächtige Autoindustrie. An deren Bedürfnissen orientiert sich die Politik - und macht keinen Hehl daraus.

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