Montag, 20. August 2018

Daimler-Großaktionär Geely drängt auf Kooperation Li Shufu hat schlechte Karten für neue Daimler-Allianzen

Li Shufu, Gründer und Chef des chinesischen Autokonzern Geely

Neue Partnerschaften schmieden, digitale Plattformen aufbauen: Revolutionär sind die Wünsche nicht, die der neue Daimler-Großaktionär Li Shufu in Richtung der Stuttgarter äußert. Ungewöhnlich ist jedoch die Form, in der sich der Gründer und Chef des chinesischen Autoherstellers Geely an die Stuttgarter wendet - per Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Dabei hätte Li auch Daimlers Hauptversammlung vor zehn Tagen für einen großen Auftritt nützen können. Schließlich hält Li seit Ende Februar 9,7 Prozent der Daimler-Stammaktien und ist damit größter Einzelaktionär. Dem Daimler-Aktionärstreffen in Berlin blieb Shufu jedoch fern. Stattdessen macht er nun schriftlich Druck.

Man müsse "aktiv die Möglichkeit umfangreicher Allianzen ausloten", statt sich der Realität zu entziehen, meint Li. Es müsse möglich sein, Skaleneffekte zu nutzen und dabei die Unabhängigkeit der Marken und des Managements zu wahren. Solange dies rechtlich einwandfrei sei, "kann und sollte jede bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit von beiderseitigem Nutzen diskutiert werden." Besonders interessiert, so hieß es zuvor in Berichten, soll Geely an einer Zusammenarbeit bei Elektroautos und dem autonomen Fahren sein.

Doch genau dabei könnte es für den Geely-Chef schwierig werden. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat auf der Hauptversammlung zwar von sehr positiven ersten Gesprächen mit Li berichtet. Gleichzeitig erklärte Zetsche aber auch: "Wir sind in China offen für alles, was im Einklang mit den Interessen unseres langjährigen Partners BAIC steht".

BAIC dürfte nur wenig Interesse an Öffnung Richtung Geely haben

Die Beijing Automotive Industry Holding, wie BAIC mit vollem Namen heißt, ist auf mehreren Ebenen mit Daimler verbunden. Ihre Pkw-Tochter BAIC Motor betreibt mit Daimler gemeinsam ein Jointventure, das Mercedes-Modelle in China fertigt. Vor fünf Jahren hat Daimler 12 Prozent an BAIC Motor übernommen. Kurz nach Geelys Einstieg bei Daimler haben die Stuttgarter zudem erklärt, gemeinsam mit BAIC 1,9 Milliarden Euro in ein neues Werk zu investieren. Auch im Lkw-Bereich arbeiten Daimler und BAIC zusammen: In einem gemeinsamen Jointventure fertigen Foton und Daimler Lkws für den chinesischen Markt, die unter der Marke Auman verkauft werden.

Kürzlich hat Daimler zudem einen Anteil von 3,9 Prozent an der BAIC-Tochter Beijing Electric Vehicle erworben. Berichten zufolge hat sich Daimler mit BAIC auf eine weitreichende Zusammenarbeit bei der Elektroauto-Marke EQ geeinigt, mit der die Stuttgarter im kommenden Jahr starten wollen.

Starthilfe benötigt BAIC bei Elektromobilen in seinem Heimatland aber nicht unbedingt. Denn die rein elektrisch angetriebenen Kleinwagen von BAICs EC-Serie waren zuletzt Chinas meistverkauftes Elektroauto-Modell. Im chinesischen Elektroauto-Markt ist BAIC aktuell die Nummer zwei mit 18,8 Prozent Marktanteil. Allzu groß dürfte das Interesse von BAIC an einer Kooperation mit dem direkten - und bei Elektroautos deutlich kleineren - Konkurrenten Geely also nicht sein.

Zumal noch ein weiterer Unterschied hinzukommt: BAIC gehört der Stadtverwaltung Peking und ist somit ein staatlich gelenkter Autokonzern. Geely ist ein Privatunternehmen, das von Li Shufu aufgebaut wurde. Zwar dürfte der chinesische Staat bei Geelys Auslandsexpansion wohl zumindest wohlwollend begleitet haben. Doch Chinas Staatsunternehmen schauen oft eher verächtlich auf ihre privaten Konkurrenten - und umgekehrt.

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