Montag, 29. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Autohersteller Warum GM einen eigenen Posten für Cybersicherheit schafft

GM-Zentrale in Detroit: Künftig logiert hier auch ein "chief product cybersecurity officer"

General Motors prescht beim Thema Datensicherheit voran: Der Konzern ernennt einen Verantwortlichen für die IT-Sicherheit seiner Fahrzeuge. Deutsche Automanager sprechen die heikle Thematik nur sehr vorsichtig an.

Hamburg - Über frisches Design, neue Motoren oder das jüngste Assistenzsystem reden Auto-Topmanager jederzeit gerne und viel. Doch wenn es um das Thema IT-Sicherheit ihrer Fahrzeuge ging, wurden viele Gesprächspartner bislang schnell schmallippig. Man arbeite mit höchsten Sicherheitsstandards, um Manipulationen an Fahrzeugen von vorne herein auszuschließen, hieß es dabei gerne etwas nebulös. Alles werde gründlich getestet. Fragen nach einem Extra-Sicherheitsbeauftragten für die IT im Auto mündeten bei vielen deutschen Autoherstellern aber bisher in kunstvolle verbale Ausweichmanöver.

General Motors Börsen-Chart zeigen wählt hier nun einen, öffentlicheren anderen Weg: Der größte US-Autohersteller hat nun einen eigenen Posten für IT-Sicherheit von Fahrzeugen geschaffen. Jeffrey Massimilla ist seit 2. September der Chief Product Cybersecurity Officer von General Motors - so heißt seine Stelle offiziell. Bekannt wurde seine Berufung jedoch erst vorgestern.

Es ist die personelle Antwort des Autoherstellers auf eine der großen Herausforderungen der Branche: Um ihre Zukunftsvisionen von besonders sicheren und teils selbst fahrenden Autos schnell zu verwirklichen, vernetzten die Autohersteller ihre Fahrzeuge stärker mit anderen Verkehrsteilnehmern und via Internet. Dadurch steigt die technische Komplexität und auch die Verwundbarkeit für Angriffe von außen. Autohersteller müssen also künftig nicht nur verlässliche, sondern auch sichere und besonders geschützte Technologien anbieten.

Massimillas Ernennung zum Cybersecurity-Beauftragten folgte nach einer Überprüfung der internen Produktentwicklungs-Prozeduren, erklärte GM-Vizepräsident Mark Reuss laut einem Bericht des Wall Street Journal. Diesen internen Prozesse-Check nimmt der Konzern wohl nicht ganz freiwillig vor: Denn GM steht wegen eines jahrelang verschleppten Rückrufs fehlerhafter Zündschlösser seit Monaten in der Kritik - und hat für aktuelle Rückrufe und mögliche Gerichtsstreitigkeiten bereits Milliarden Dollar zurücklegen müssen.

IT-Sicherheit als neue Branchenhürde

Kein Wunder also, dass GM nun laut Reuss gerade die Art und Weise ändert, wie seine Fahrzeuge designt und von Ingenieuren entwickelt werden. "Wir müssen uns Autotechnologie auf der Ebene der sehr, sehr kritischen Systeme ansehen und das müssen wir defektfrei für unsere Kunden tun", meinte Reuss. "Das sehen wir als Wettbewerbsvorteil an."

Massimilla arbeitet bereits länger bei GM, zuletzt leitete er eine Ingenieursgruppe, die für die Infotainmentsysteme des Konzerns zuständig war. In seiner neuen Funktion berichtet er direkt an Ken Morris, der als GM-Vizepräsident für die weltweite Produktintegrität zuständig ist.

Der neue Posten des Cybersecurity-Chefs ist aber auch ein Anzeichen dafür, auf welche Schwierigkeiten die Autohersteller bei der Entwicklung von Innovationen stoßen. Ob Assistenzsysteme, Motorsteuerung oder Komfortfunktionen: Fast alle Neuerungen der vergangenen Jahre basieren auf Elektronikbauteilen und deren Software-Steuerung. Bis zu 80 elektronische Steuergeräte sind in Neuwagen bereits eingebaut.

Schon heute bieten die Autohersteller etwa Mobilfunkmodule für den schnellen Internetzugang im Auto an oder auch Radarsysteme, die für das automatische Einhalten des Abstands zum Vordermann sorgen. Und das technische Wettrüsten wird noch weitergehen - denn bald sollen Autos auch drahtlos mit anderen Fahrzeugen oder sogar Verkehrszeichen kommunizieren können.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH