Donnerstag, 28. Juli 2016

500-Millionen-Investment in Kamenz Warum Daimler jetzt doch eine große Batteriefabrik braucht

Elektro-Smart in Kamenz: Die neue Generation des E-Wagens soll mit Batteriepaketen aus Sachsen angetrieben werden

Mit dem sächsischen Städtchen Kamenz verbindet der Autohersteller Daimler eine wechselvolle Geschichte. Hier wollten die Stuttgarter ein Zeichen setzen, dass das Ingenieursland Deutschland die besten Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos bauen kann. Das Projekt scheiterte - mit Pauken und Trompeten.

Doch nun erklärt Daimler-Forschungschef Thomas Weber auf dem Genfer Autosalon, dass der Konzern 500 Millionen Euro in den Bau einer zweiten Batteriefabrik in Kamenz stecken will. Bereits im Sommer 2017 sollen die neuen Produktionshallen in Betrieb gehen - und die Fläche der bisherigen Anlage verdreifachen.

"Damit unterstreichen wir unser Engagement für den konsequenten Ausbau der Elektromobilität", lässt sich Daimler-Boss Dieter Zetsche dazu zitieren. Der plötzliche Ausbau in Sachsen sieht zunächst nach einer kuriosen Kehrtwendung aus - ist aber die konsequente Fortsetzung der vor einem Jahr eingeschlagenen Strategie.

Denn Kamenz steht bei Daimler nicht gerade für eine Erfolgsstory. Jahrelang versuchten die Schwaben gemeinsam mit Evonik, in Sachsen eine wettbewerbsfähige Produktion von Lithium-Ionen-Zellen für Elektroauto-Akkus hochzuziehen. Zuerst kämpfte die Fabrik mit hohen Ausschuss-Raten, dann fehlten Abnehmer aus der Autoindustrie. Denn die Zellen waren im Vergleich zur asiatischen Konkurrenz zu teuer. Nach wie vor gibt es in Asien hohe Überkapazitäten bei der Lithium-Ionen-Zellproduktion, was die Preise seit langem purzeln lässt.

Daimler beendete das Abenteuer Zellproduktion Ende 2015, verkaufte die Maschinen und Roboter - und lässt sich seither Batteriezellen aus Asien liefern. Die kompletten Batterien für Elektroautos wollte Daimler aber nicht aus der Hand geben. Deshalb behielten die Schwaben eine wichtige Tochter am Standort Kamenz: Die Deutsche Accumotive, die Lithium-Ionen-Zellen zu Batteriepaketen bündelt - inklusive Steuerungselektronik, Kühlsystem und crashfester Verpackung.

Daimler-Nachfrage nach Lithium-Ionen-Akkus steigt

Die Batteriemodule kommen nun also aus Schwaben - mit zugelieferten Zellen an Bord. Und diese Mischung scheint für Daimler zu funktionieren. Bereits Ende 2014 haben die Schwaben 100 Millionen Euro in den Ausbau bei Accumotive investiert. Nun erhalten die Zusammenschrauber einen weiteren Schub. Zwar verkauft Mercedes wie auch die Konkurrenten noch homöopathische Zahlen an reinen Elektroautos. Doch deren Absatzzahlen könnten, falls es tatsächlich eine Kaufprämie für Elektroautos gibt, deutlich ansteigen.

Zudem erhöhen die Schwaben ihr Angebot an Plugin-Hybridfahrzeugen kräftig, um die CO2-Vorgaben der EU zu schaffen. Vier solcher an der Steckdose aufladbarer Modelle bietet Mercedes derzeit an, bis Ende 2017 sollen es zehn werden.

Solche Autos benötigen leistungsstarke Lithium-Ionen-Akkus. Zudem drängt Mercedes drängt auch in den Markt für stationäre Energiespeicher, die den in Solar- und Windanlagen erzeugten Strom bunkern können. Dieses Geschäft wollen die Schwaben nicht dem kalifornischen Elektroauto-Anbieter Tesla überlassen, der sich ebenfalls an Hausbatterien versucht.

29 offene Stellen in Kamenz

Man rechne mit einer steigenden Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batteriepaketen, heißt es dazu bei Daimler. Die Fabrik in Kamenz soll die Batterien für die nächste Generation des Elektro-Smart fertigen, die Akkupakete für die künftigen Hybridmodelle - und für die stationären Speicher. Die Zellen lässt sich dabei von den asiatischen Herstellern LG Chem und SK Innovation liefern.

Seit dem Start im Jahr 2012 hat die Accumotive 70.000 Lithium-Inonen-Batteriepacks ausliefert. Doch exakte Zahlen zum künftigen Bedarf an Zellen oder zur bisherigen Jahresproduktion nannte Daimler auf Nachfrage von manager-magazin.de nicht.

Auch über die Zahl an Vorbestellungen für die stationären Speicher schweigen sich die Stuttgarter noch aus, das Geschäft laufe aber gut an. In den kommenden Wochen sollen die ersten Mercedes-Speicher ausgeliefert werden, mit der Menge der Anfragen aus aller Welt sind die Stuttgarter "mehr als zufrieden".

Und es gibt noch einen weiteren Hinweis darauf, dass Daimler es tatsächlich ernst ist mit dem schnellen Aufbau in Kamenz. Rund 380 Mitarbeiter arbeiten derzeit für die Accumotive. Aktuell sind 29 offene Stellen ausgeschrieben - vom Reklamationskoordinator bis hin zum Betriebsingenieur für Industriebatterien.

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