Freitag, 16. November 2018

VW-Allianz mit Lkw-Bauer Navistar VW kauft zu - und greift Daimler in USA an

Allianz mit Navistar: VW greift Daimler in USA an
Navistar

Volkswagen hat sich für 230 Millionen Euro beim US-Lastwagenbauer Navistar eingekauft. Die Allianz mit dem Truckhersteller ist auch eine Kampfansage an Daimler und dessen Tochter Freightliner.

Volkswagen will durch eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Truck-Hersteller Navistar das Tor zum wichtigen US-Markt aufstoßen und so an die Lkw-Weltspitze vordringen. "Das ist ein maßgeblicher Meilenstein auf unserem Weg, einen globalen Champion zu schaffen", sagte VW-Truck-Chef Andreas Renschler am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

Zuvor hatten Volkswagen und der US-Lkw-Bauer eine weitreichende strategische Allianz bekannt gegeben. Um die Partnerschaft zu untermauern, übernimmt die VW-Tochter Truck & Bus für 256 Millionen Dollar 16,6 Prozent an Navistar. Renschler schloss eine Aufstockung und auch eine künftige Fusion nicht aus: "Alle Optionen sind offen."

An der Börse kam die Partnerschaft gut an: Der Kurs der Navistar-Aktie schoss zeitweise um mehr als 50 Prozent nach oben. Ein Branchenkenner bezeichnete Volkswagens Allianz mit dem US-Hersteller als Verlobung. Die Wolfsburger bekämen so auf dem wichtigen US-Markt einen Fuß in die Tür.

Anders als Daimler Börsen-Chart zeigen und Volvo ist Volkswagen mit seinen beiden Lkw-Marken MAN und Scania in den USA nicht vertreten. Bislang konzentrierte sich VW bei Schwerlastern auf Europa, Südamerika und Asien. Um zu den größten und profitabelsten Lkw-Herstellern aufzuschließen, müssen sie in allen großen Weltmärkten vertreten sein. "Jetzt gehen wir den nächsten Schritt", sagte Renschler. Ob am Horizont die Verselbstständigung von Volkswagens Truck-Sparte steht, ließ er unbeantwortet: Auch hier seien "alle Optionen offen".

VW liefert Komponenten an Navistar - gemeinsame Produkte ab 2019

Teil der vereinbarten Kooperation mit Navistar ist die gemeinsame Entwicklung einer Motorenplattform sowie ein gemeinsamer Einkauf. "Durch die Zusammenarbeit, vor allem beim Antriebsstrang, vergrößert sich unser Synergiepotenzial in der Gruppe noch einmal erheblich", sagte Matthias Gründler, Finanzvorstand von VW Truck & Bus.

Navistar werde von den Antriebstechnologien von VW profitieren, und Volkswagen im Gegenzug von größeren Stückzahlen. Der Antriebsstrang, zu dem Motor, Abgasnachbehandlung, Getriebe und Achsen zählen, steht für 60 Prozent des Wertes eines Lastwagens. VW soll zunächst Komponenten an Navistar liefern, für 2019 sind gemeinsame Produkte geplant. Zu Details äußerten sich die Konzerne nicht und kündigten sie für einen späteren Zeitpunkt an.

Navistar sieht Kostenvorteile von 500 Millionen Dollar bis 2021

Navistar-Chef Troy Clarke bezifferte die Sparmöglichkeiten für sein Haus auf mindestens 500 Millionen Dollar in den nächsten fünf Jahren. Durch die Zusammenarbeit ergäben sich weitere Synergieeffekte. Der Großteil komme aus dem Einkauf, sagte Clarke. Zudem werde Navistar "mehr Lastwagen verkaufen".

Im vergangenen Jahr gelang es dem für seine bulligen Zugmaschinen bekannten Traditionsunternehmen mit Hauptsitz in Lisle bei Chicago dank Einsparungen, den Verlust einzudämmen. Für 2016 plant der kleinste US-Lastwagenhersteller mit einem Umsatz von zuletzt rund zehn Milliarden Dollar die Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

Angriff auf Daimler und Freightliner in den USA

Schwere Lastwagen gehören erst vergleichsweise kurze Zeit zum Volkswagen -Reich. Im Jahr 2000 hatte sich der Wolfsburger Autobauer beim schwedischen Lastwagenhersteller Scania eingekauft, sechs Jahre später erwarb der Konzern erste Anteile an MAN . Während MAN und Scania in Europa stark sind und gegen die Rivalen Daimler, Volvo oder DAF antreten, kämpft MAN Latin America in Brasilien mit der schweren Wirtschaftskrise.

In den USA hatte VW auf dem Nutzfahrzeugmarkt bislang nichts zu melden und musste das Geschäft lokalen Herstellern sowie dem Rivalen und Weltmarktführer Daimler Börsen-Chart zeigen überlassen, dem unter anderem die Marken Freightliner und Western Star gehören. Daimler Trucks verkaufte im ersten Halbjahr 2016 weltweit knapp 214.000 Lastwagen und fast 11 800 Busse. Die Volkswagen Truck & Bus GmbH kam mit ihren Marken im gleichen Zeitraum auf 90.000 verkaufte Lkw und Busse.

la/reuters

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