Montag, 20. November 2017

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Experte attackiert VWs neues Boni-System - Konfliktstoff vor der Hauptversammlung "Es wird den Vorständen zu leicht gemacht"

Gegenantrag vom Vergütungs-Experten: Auf der Hauptversammlung am 10. Mai wird der Vorstand der Volkswagen AG (im Bild) weniger zu lachen haben

Vor der Hauptversammlung der Volkswagen AG heizt ein prominenter Aktionär der VW-Führung kräftig ein. Corporate-Governance-Experte Christian Strenger attackiert das neue Vorstands-Vergütungssystem. Die Vorwürfe dürften die VW-Spitze zu unangenehmen Antworten zwingen.

Auf der Volkswagen-Hauptversammlung am 10. Mai dürften Vorstand und Aufsichtsrat unter Druck geraten - in einem Bereich, für den der Konzern schon viel Kritik einstecken musste: Bei den Grundsätzen guter Unternehmensführung. Die Vorwürfe kommen von prominenter Seite. Der Ökonom Christian Strenger hat drei Gegenanträge gegen die VW-Vorstände, den Aufsichtsrat und das neue Vergütungssystem eingebracht.

Strenger war jahrelang Mitglied der Corporate Governance-Kommission der Bundesregierung, die über gute Unternehmensführung in Deutschland wacht. Der Universitätsprofessor sitzt im Aufsichtsrat von DWS, dem Investmentfonds der Deutschen Bank. Den Fonds leitete er auch einige Zeit lang als Vorstandschef. Heute berät er ausländische Pensionsfonds, die Anteile am Volkswagen-Konzern Börsen-Chart zeigen halten.

Besonders brisant für die VW-Führungsriege erscheint Strengers Kritik am neuen Vergütungssystem für Vorstände. Ende Februar hatte der VW-Aufsichtsrat ein neues Entlohnungssystem für Vorstände des Autoherstellers beschlossen. Es sieht etwa vor, dass VW-Vorstandschefs maximal zehn Millionen Euro pro Jahr verdienen dürfen. Auch die Boni sollen künftig niedriger ausfallen und sind weniger leicht erreichbar, da die Mindestrendite-Vorgaben zur Erreichung der Boni angehoben wurden.

"Die Systematik passt. Aber die Hürden für die Vorstände sind weiter zu niedrig", erklärt Strenger nun gegenüber manager-magazin.de. "Es wird ihnen zu leicht gemacht, Ihre Boni zu erreichen."

Schwellenwerte für Boni "unangemessen niedrig", Pensionen "markant" erhöht

Wie Strenger in seinem Gegenantrag erläutert, wird durch das neue System auch die Grundvergütung der Vorstände um knapp 30 Prozent angehoben. Das erhöhe auch die Pensionsvergütungen "markant", die ohnedies schon bisher hoch gewesen seien.

Weiter kritisiert er, dass die Schwellenwerte, um den variablen Bestandteil der Vergütung zu erreichen, "unangemessen niedrig" lägen. So werde der volle Bonus bereits ausbezahlt, wenn das operative Ergebnis des Konzerns nur knapp zwei Drittel des Durchschnittsergebnisses der vergangenen zwei Jahre erreiche.

"Wenn ein Konzern regelmäßig 15 Milliarden Euro verdient hat, dann dürfen nicht ab 9 Milliarden Euro Boni gezahlt werden," meint Strenger.

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Strenger stößt sich auch daran, dass der variable Teil der Entlohnung von Vorständen mit Aktien auf Basis der Jahre 2017 bis 2019 erfolgen soll. Die durch den Dieselskandal "erheblich belasteten" Ergebnisse der Jahre 2015 und 2016 fallen so weg. Zumindest jenen VW-Vorstandsmitglieder, die auch in den Jahren 2014 bis 2016 im höchsten Führungsgremium saßen, sollten "maximal die Hälfte der vorgeschlagenen Vergütungskomponente erhalten", fordert Strenger.

Er wird deshalb auf der Hauptversammlung die Aktionäre auffordern, das neue Vergütungssystem abzulehnen. Reelle Chancen, das neue Bonisystem per Aktionärsvotum zu kippen, hat er wegen der Stimmen-Macht der Familien Porsche und Piëch nicht. Doch die Vorstände müssen Strengers Fragen beantworten, und die dürften ebenso präzise wie unangenehm werden.

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