Samstag, 23. März 2019

VW-Abgasaffäre VW-Chef Winterkorn tritt zurück +++ "Bin mir keines Fehlverhaltens bewusst" +++ Flut von Sammelklagen

VW-Chef Winterkorn: "Bin mir keines Fehlverhaltens bewusst"

3. Teil: Nissan-Chef sieht durch VW Vertrauensprobleme für die ganze Branche

8.42 Uhr: Immer mehr nationale Regierungen schalten sich in den VW-Abgasskandal ein: So hat auch die britische Regierung die EU-Kommission zu Untersuchungen aufgefordert. Es sei unerlässlich, dass die Öffentlichkeit Vertrauen in Abgastests für Fahrzeuge habe, sagte Verkehrsminister Patrick McLoughlin. Die Kommission in Brüssel solle sich "dringend" darum kümmern. Zuvor hatte auch Frankreich die EU zu Untersuchungen aufgefordert; andere Länder kündigten eigene Prüfungen an.

8.30 Uhr: "VW - Vertrauen weg". Wäre die Lage nicht so bitterernst, man müsste über diesen neuesten Witz lachen. Doch auch heute dokumentieren die Investoren, dass sie dem Unternehmen derzeit nicht mehr über den Weg trauen. Zwar mag sich VW-Chef Winterkorn entschuldigen und versprechen aufzuräumen. Den Aktionären aber reicht das nicht, die Unsicherheit bleibt. Nach rund 40 Prozent Minus in zwei Handelstagen geht es mit den VW-Vorzügen weiter abwärts. Kurz vor Handelsbeginn notieren die Papiere von Volkswagen mit 3,3 Prozent im Minus.

7.30 Uhr: Geht heute die Talfahrt der VW-Aktie Börsen-Chart zeigen weiter? Der Dax Börsen-Chart zeigen jedenfalls taucht schon einmal ab: Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex rund 1 Prozent tiefer auf 9480 Punkte. Das Jahrestief bei 9338 Punkten vom August-Crash rückt damit wieder näher.

7.25 Uhr: Nissan-Chef Carlos Ghosn sieht die Autoindustrie vor einer erheblichen Herausforderung. Der Vorfall bei VW bringe neue Vertrauensprobleme für die Hersteller, sagte Ghosn in New York. Zu den Vorgängen bei VW wollte er sich nicht äußern. Seiner Ansicht nach dürfte es allerdings schwierig sein, die Manipulation von Abgaswerten firmenintern geheim zu halten. "Ich glaube nicht, dass man so etwas verbergen kann", sagte Ghosn, der auch den Nissan-Partner Renault leitet. Er sei überrascht, dass die Offenlegung der Vorgänge bei VW nicht auf einen Informanten aus dem Unternehmen zurückgehe - sondern auf diesen Mann.

7.10 Uhr: Schon gestern hatte der "Tagesspiegel" unter Berufung auf Kreise des Aufsichtsrats von der bevorstehenden Ablösung Winterkorns berichtet. Heute stößt die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" in das gleiche Horn. Die Konzernkommunikation bezeichnete derlei Gerüchte bereits gestern etwas schmallippig als "Schwachsinn". Heute soll das Treffen des VW-Präsidiums fortgesetzt werden, das gestern vorzeitig begann. Über Beschlüsse wurde zunächst nichts bekannt.

7 Uhr: Der Kollege Nils-Viktor Sorge hat den Mann interviewt, der VW - ungewollt - ins Wanken gebracht hat.

6.50 Uhr: Mehrere US-Bundesstaaten sind dabei, ein Bündnis zu formen, um Ermittlungen gegen den deutschen Autobauer einzuleiten. Das bestätigte ein Sprecher des New Yorker Staatsanwalts Eric Schneiderman am Dienstag. Für VW bahnt sich damit noch größerer Ärger an: Sowohl wegen möglicher Straftaten wie Betrug als auch wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Umweltgesetze könnten auf bundesstaatlicher Ebene weitere empfindliche Strafen und Bußgelder verhängt werden. Die Umweltbehörde der US-Regierung, EPA, hatte VW am Freitag mit einer Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar gedroht.

6.45 Uhr: Sven Clausen, Chefredakteur von manager-magazin.de, schlägt den Bogen von VW zur Bankenwelt und fragt: Wieviel Libor-Skandal steckt im Diesel-Debakel?

6.35 Uhr: Volkswagen hat die US-Anwaltskanzlei Kirkland & Ellis LLP angeheuert. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf eine VW-Sprecherin. Die Kanzlei hatte den britischen Ölkonzern BP nach der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Jahre 2010 mit elf Toten und Schadens- sowie Strafzahlungen in Milliardenhöhe vertreten. Eine Sprecherin der Kanzlei lehnte eine Stellungnahme ab. Durch mögliche Klagen und Strafgelder drohen dem deutschen Autobauer Milliardenschäden.

VW-Chef Martin Winterkorn hatte am späten Dienstagnachmittag öffentlich um Entschuldigung für Manipulationen von Abgastests bei VW-Dieselautos gebeten und rasche Aufklärung versprochen. Der Volkswagen-Konzern hatte zuvor bekanntgegeben, dass weltweit elf Millionen Wagen betroffen sind. VW bildet daher eine Milliarden-Rückstellung und hat eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Winterkorn will dennoch im Amt bleiben.

6.15 Uhr: Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser. Auch heute halten wir Sie zur VW-Abgasaffäre auf dem Laufenden.

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