Sonntag, 25. September 2016

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VW im Sog der Abgasaffäre VW drohen Steuernachzahlungen +++ Deutsche verlieren Vertrauen

Designierter VW-Finanzchef: Frank Witter

18.15 Uhr: VW könnten wegen der Manipulation von Abgaswerten Steuernachzahlungen in Deutschland drohen. "Hier wurden nicht nur die Kunden vorsätzlich über den Schadstoffausstoß getäuscht, sondern auch der Staat bei der Festsetzung der Kraftfahrzeugsteuer", erklärte der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) gegenüber dem SPIEGEL. Fahrzeuge, die zwischen Ende 2008 und Mitte 2009 neu zugelassen wurden und der Abgasnorm Euro 5 entsprachen, waren teilweise bis zu zwei Jahre von der Steuer befreit. Wenn diese Einstufung falsch war, wären die Steuern zu niedrig festgesetzt worden, heißt es im "Spiegel" weiter. Dann gehe es um Steuerschäden in Millionenhöhe.

Auch Rumänien wolle von Volkswagen Nachzahlungen wegen möglicherweise zu Unrecht erlassener Steuern fordern, sagte Umweltministerin Gratiela Gavrilescu in Bukarest.

17.55 Uhr: In Italien sind fast 650.000 Autos vom Diesel-Skandal betroffen. Insgesamt 648.458 Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda und VW-Nutzfahrzeuge müssten gewartet werden, teilte die Volkswagen Group Italia mit. Kunden würden nun über die notwendigen Maßnahmen informiert, hieß es weiter. Wie wir bereits berichteten, sorgt sich das Land wegen der VW-Affäre um die Zukunft seiner Autozulieferer.

17.45 Uhr: Die Talfahrt im Dax frisst auch die Tagesgewinne der VW-Aktie. Das Papier notiert kurz vor Xetra-Schluss 1,2 Prozent im Minus bei 96,60 Euro. Am Morgen hatte die Aktie mehr als 100 Euro gekostet.

17.40 Uhr: Volkswagen hat trotz der Diesel-Affäre ein hauchdünnes Verkaufsplus in den USA erzielt. Im September setzte der VW-Konzern 26.141 Autos seiner Pkw-Kernmarke ab, wie das Unternehmen mitteilte. Das waren 0,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei VW-Marken hatte allerdings erst Mitte September Fahrt aufgenommen. Außerdem hatte der Monat einen Verkaufstag mehr als der September im vergangenen Jahr. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres verkaufte VW 2,5 Prozent weniger Autos in den USA als ein Jahr zuvor. Ganz anders sieht die Lage bei Audi aus (siehe Eintrag um 16.30 Uhr).

17.30 Uhr: Die Mehrheit der Deutschen hat einer Umfrage zufolge nach wie vor Vertrauen in die deutsche Autoindustrie. Aus dem just veröffentlichten ARD-"Deutschlandtrend" geht hervor, dass

  • 65 Prozent der Befragten durch die VW-Abgasaffäre "persönlich kein Vertrauen in die deutsche Automobilindustrie verloren haben",
  • 31 Prozent hingegen schon;
  • 81 Prozent der Befragten glauben, dass die Manipulationen nicht nur Volkswagen betreffen, sondern ein weltweites Problem der Branche sind;
  • 38 Prozent befürchten, dass der Skandal der deutschen Wirtschaft langfristig schaden kann.

Für den "Deutschlandtrend" ließ die ARD nach eigenen Angaben 1001 Wahlberechtigte ab 18 Jahren am Montag und Dienstag befragen.

16.30 Uhr: US-Kunden greifen bei Audi weiter kräftig zu. Trotz des Diesel-Skandals hat die VW-Tochter den US-Absatz im September weiter hochgeschraubt. Dank einer hohen Nachfrage nach Geländewagen sei die Zahl der verkauften Autos um 16,2 Prozent auf 17.340 Stück gestiegen, teilte Audi mit. In den ersten neun Monaten des Jahres stieg der Absatz um 12,5 Prozent auf 147.403 Fahrzeuge.

15.35 Uhr: Volkswagen hat einen Nachfolger für Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch gefunden: Frank Witter, bisher Chef der Leasing- und Banktochter VW Financial Services, solle den Posten übernehmen, teilte Volkswagen mit und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters. Pötsch soll Aufsichtsratschef werden.

15.10 Uhr: Hat VW die Kapitalmärkte zu spät über die Messwert-Manipulationen bei Diesel-Fahrzeugen informiert? Eine Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei kommt in ihrem Gutachten zu dem Schluss: nein. Wie die dpa unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, sei es im Vorstand um die Abwägung gegangen, zunächst den Sachverhalt aufzuklären oder direkt die Märkte zu informieren. Dabei sei es "vertretbar, wenn nicht sogar geboten" gewesen, dass der Vorstand zunächst den Sachverhalt intern habe klären wollen. Ein VW-Sprecher bestätigte die Existenz des Gutachtens, wollte zum Inhalt aber keine Stellung nehmen. Verschiedene Investoren erwägen nach Angaben von Kanzleien Klagen gegen VW, weil der Autobauer die Finanzmärkte zu spät informiert habe.

14.40 Uhr: BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich weist Betrugsvorwürfe erneut zurück - und teilt gegen VW aus. "Ein 'Defeat-Device' ist ein no-go. Das bringt dich persönlich in den Knast", sagte Fröhlich heute in Berlin. "Jeder weiß, dass das eine Schwelle ist, die man auf keinen Fall überschreiten darf." BMW hatte bereits vorige Woche Vorwürfe dementiert, ähnlich wie VW Manipulations-Software eingesetzt zu haben.

14.30 Uhr: Die Umrüstkosten für die rund elf Millionen betroffenen VW-Diesel hält der VW-Vorstand für überschaubar, wie der "SPIEGEL" in seiner kommenden Ausgabe (Erscheinungsdatum: 2. Oktober) berichtet. Danach habe der Vorstand in seiner Sitzung am vergangenen Dienstag von den Konzernentwicklern erfahren, dass für die Hälfte der Autos ein Software-Update ausreiche mit Kosten von je rund 60 Euro. Die andere Hälfte brauche dagegen eine aufwändigere Nachrüstung, die wiederum pro Auto mehrere Hundert Euro kosten würde. Das würde rund 330 Millionen Euro ausmachen plus, bei unterstellten 500 Euro je schwierigem Fall, 2,75 Milliarden Euro - in Summe also rund 3 Milliarden Euro. Die Schäden aus den vielen Klagen kämen dann aber natürlich noch dazu.

14.15 Uhr: Mit dem Dax dreht auch die Vorzugsaktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen ins Minus. Das Papier gibt sämtliche Gewinne ab und notiert bei 97,74 Euro. Am Morgen hatte die Aktie noch 3 Prozent zugelegt auf 101,20 Euro.

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