Dienstag, 21. November 2017

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Wie Markenchef Diess VW aus der Krise führen will Der Diess-Weg für VW ist ambitioniert - aber machbar

VW-Strategie-Pressekonferenz 2016: Ein Hauch von Zukunft in historischen Gemäuern
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Monatelang hat sich Herbert Diess auffallend zurückgehalten. Der frühere BMW-Mann, der in München einst den Einkauf verantwortete und dann Entwicklungschef wurde, kam im Juli 2015 mit einem klaren Auftrag zu Volkswagen. Er sollte kräftig aufräumen bei der Kernmarke, die schon damals unter einer mageren Rendite und zu hohen Fixkosten litt. Um fünf Milliarden Euro, so lautete die Direktive des damaligen VW-Chefs Martin Winterkorn, sollte er die Kosten bei VW senken - pro Jahr.

Anfangs, so hieß es in Berichten, solle Diess geradezu entsetzt gewesen sein von der Ineffizienz mancher VW-Werke. Doch dann kam die Diesel-Krise über den Volkswagen-Konzern. Und da war Diess klug genug, sich erstmal nicht mit der Belegschaft anzulegen - sondern ruhig im Hintergrund an der Neuausrichtung der Marke zu werkeln.

Schon nach der Vorstellung der neuen Konzernstrategie durch Volkswagen-Konzernchef Müller im Juni zeichnete sich ab, wohin sich die Kernmarke VW entwickeln sollte: Weg vom Verbrennungsmotor hin zu einer Marke, die leistbare Elektroautos für die Massen anbietet und bei der Vernetzung vorneweg fährt.

Nun hat der VW-Markenchef laut hörbar ein paar Pflöcke eingeschlagen und Ziele genannt, die den VW-Pfad in eine emissionsarme Zukunft weisen. Der Diess-Weg ist durchaus selbstbewusst, bricht aber in manchem entscheidenden Punkten mit seinen Vorgängern.

Diess traut sich, die VW-Defizite öffentlich klar zu benennen

Auch unter Diess, soviel ist nun klar, soll VW an den Massenmarkt-Rivalen Toyota, Hyundai und den General-Motors-Marke Chevrolet vorbeiziehen. Diess will mit VW in mehreren Märkten angreifen - unter anderem in den USA, wo er eine SUV-Offensive ins Rollen bringen will. Aber auch für Südamerika, wo VW laut Diess zuletzt merklich zurückgefallen ist, will Diess wieder angreifen.

Doch eines ist war dem in Bayern aufgewachsenen Manager dabei wichtig: "Führend heißt bei uns nicht nur Größe", beschwor der VW-Markenchef im Einzelgespräch mit manager-magazin.de, "wir wollen auch führend sein bei der Kundenansprache, bei der Qualität und bei den Innovationen".

Anders als bei früheren VW-Strategiepräsentationen benannte Diess auch die Defizite der Marke so klar, wie es noch wenige VW-Topmanager öffentlich wagten: Er konstatierte seiner Marke eine zu niedrige Produktivität im Vergleich zum Wettbewerb, Im US-Geschäft sei man weiter hintennach, in Schwellenländern wie Brasilien und Indien falle man zurück. Teils habe man Marktentwicklungen verschlafen - und der Konzern sei nach wie vor zu hierarchisch und bürokratisch.

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