Dienstag, 24. Oktober 2017

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VW-Chef will bleiben - Videobotschaft an Kunden und Mitarbeiter Winterkorn sieht "schlimme Fehler einiger weniger"

VW-Chef Winterkorn: "Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben. Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten"

19 Uhr: Das Versprechen von VW-Chef Martin Winterkorn, die Abgas-Affäre aufzuklären und aufzuarbeiten, hat den Kurssturz der VW-Aktie am Dienstag nicht bremsen können. Im Gegenteil: Nachdem der Konzern am Mittag eine Gewinnwarnung herausgegeben und eingeräumt hatte, dass bis zu 11 Millionen Fahrzeuge betroffen sein könnten, hatte die im Dax notierte VW-Vorzugsaktie ihre Verluste den zweiten Tag in Folge auf rund 20 Prozent ausgeweitet. Zum Handelsschluss auf Xetra notierten die Papiere des Wolfsburger Autobauers 19,8 Prozent tiefer bei 106,00 Euro - das ist der niedrigste Stand seit vier Jahren. Seit Montag hat die Volkswagen AG Börsen-Chart zeigen mehr als ein Drittel ihres Börsenwertes verloren. Seit Juli beträgt das Minus mehr als 50 Prozent.

16.15 Uhr: Volkswagen-Chef Martin Winterkorn will seinen Posten an der Konzernspitze trotz der massiven Kritik wegen der Abgas-Affäre nicht aufgeben. Es wäre falsch, "wenn wegen der schlimmen Fehler einiger weniger die harte und ehrliche Arbeit von 600.000 Menschen unter Generalverdacht gerät", sagte Winterkorn am Dienstag in einem von Volkswagen veröffentlichten Video-Statement. "Das hat unsere Mannschaft nicht verdient. Auch deshalb bitten wir, bitte ich, um Ihr Vertrauen auf unserem weiteren Weg", sagte er an die Adresse von Kunden, Behörden und Öffentlichkeit.

"Wir klären das auf", betonte der 68-Jährige. In dem Video-Auftritt versprach Winterkorn rasche Aufklärung und Wiedergutmachung. Er meinte: "Die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren unseres Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht. Auch ich habe zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Antworten auf alle Fragen." Der 68-Jährige betonte: "Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben. Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten."

14.45 Uhr: Je höher die Wogen in der VW-Abgasaffäre schlagen, desto prominenter werden die Kommentatoren, die sich in Sachen VW zu Wort melden. Nach Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat sich nun auch Kanzlerin Angela Merkel zu Wort gemeldet - ein Zeichen, dass dem Skandal um den Autobauer nun auch nationale Bedeutung zukommt und es in der Eskalations-Skala nur noch wenig Steigerungsmöglichkeiten gibt. Merkel hielt sich Bewertungen zurück und sprach sich angesichts der "schwierigen Lage" für "volle Transparenz" aus. "Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen." Es sei richtig, dass Bundesverkehrsminister Dobrindt zusammen mit dem Kraftfahrzeugbundesamt die notwendigen Gespräche führe und weitere Untersuchungen angeordnet habe.

14.05 Uhr: Das Dementi folgt prompt. Schroff und kurz. Volkswagen weist den "Tagesspiegel"-Bericht über die bevorstehende Ablösung Winterkorns als "Schwachsinn" zurück. Mehr sagt der Sprecher nicht. Offenbar liegen die Nerven in der Konzernkommunikation blank.

Martin Winterkorn (l.) mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (M.) und Wolfgang Porsche - beide Mitglieder des Aufsichtsrats
Getty Images
Martin Winterkorn (l.) mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (M.) und Wolfgang Porsche - beide Mitglieder des Aufsichtsrats
13.46 Uhr: VW-Chef Martin Winterkorn steht unter enormen Druck, und noch hat er gegenüber dem Aufsichtsrat nicht Rede und Antwort gestanden. Das soll eigentlich am Freitag geschehen. Jetzt will der Berliner "Tagesspiegel" aus Kreisen des Aufsichtsrats erfahren haben, Winterkorn solle angeblich diesen Freitag als Volkswagen-Chef abgelöst werden. Der Manager habe nach dem Diesel-Abgasbetrug in den USA nicht mehr das Vertrauen des Kontrollgremiums. Nachfolger des 68-Jährigen solle den Kreisen zufolge Porsche-Chef Matthias Müller (59) werden. Das mächtige Präsidium des VW-Aufsichtsrates trifft sich bereits am morgigen Mittwoch.

13.34 Uhr: Der amtierende Wirtschaftsminister des VW-Großaktionärs Niedersachen, Olaf Lies, hält sich mit guten Ratschlägen für den Aufsichtsrat hinsichtlich der Person Winterkorn noch zurück (siehe 7.44 Uhr) . Verständlich: Sitzt Lies doch selbst in dem VW-Kontrollgremium. Sein Vorgänger Jörg Bode (FDP) fordert aber, Winterkorns Vertrag vorerst nicht verlängern. "Solange nicht lückenlos aufgeklärt ist, wer im Konzern von den Manipulationen wusste und vom wem sie angeordnet wurden, sollte hier keine Entscheidung gefällt werden", sagt Bode, der selbst von 2009 bis 2013 Mitglied des VW-Aufsichtsrates war.

13.23 Uhr: Analysten verlieren das Vertrauen in die VW-Aktie - trotz des dramatischen Kurssturzes in den vergangenen Tagen. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux setzt in einer aktuellen Analyse das Kursziel auf 89 Euro - das wären noch mal gut 10 Prozent weniger als nach derzeitigem Stand.

13.11 Uhr: Die Abgas-Affäre von VW ruft auch die EU-Kommission auf den Plan. Man sei mit dem Wolfsburger Autobauer ebenso in Kontakt wie mit Behörden in den USA, sagte eine Sprecherin. Es sei aber zu früh, um Schlüsse zu ziehen. Zunächst gehe es darum, die Fakten zu klären.

13.00 Uhr: Die Abgas-Affäre für Volkswagen zieht immer weitere Kreise. Italien werde eigene Ermittlungen gegen den Wolfsburger Autokonzern einleiten, teilte das Verkehrsministerium in Rom am Dienstag mit. Man wolle herausfinden, ob das Unternehmen wie in den USA auch in Europa bei Emissionsüberprüfungen die Dieselabgaswerte manipuliert habe. Es sei ein entsprechendes Schreiben mit Fragen an Volkswagen geschickt worden. In den USA laufen bereits strafrechtliche Ermittlungen gegen VW.

12.33 Uhr: Man muss sich die Zahlen mal einen Moment durch den Kopf gehen lassen: Die theoretische Höchststrafe für den Abgasskandal beziffern Experten auf 18 Milliarden Dollar in den USA. Seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals aber hat die VW-Aktie rund 27 Milliarden Euro an Börsenwert eingebüßt. Dies entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung der Münchener Rück, des weltgrößten Rückversicherers.

12.30 Uhr: Für die Volkswagen-Aktie Börsen-Chart zeigen gibt es kein Halten mehr. Die im Dax notierten Vorzüge bauen ihren Verlust auf aktuell 22 Prozent aus. VW unter 100 Euro? Vor ein paar Wochen hätte das jeder für einen schlechten Witz gehalten, zumal die Aktie im Juli noch bei 220 Euro notierte. Jetzt aber nähert sich das Papier bedenklich nahe dieser psychologisch wichtigen Marke von 100 Euro. Es sehr wahrscheinlich, dass jetzt auch viele Hedgefonds ihr Spiel mit der Aktie treiben.

12.09 Uhr: Die Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen baut nach der Gewinnwarnung ihre Verluste auf 20 Prozent aus. Der Dax fällt zugleich unter sein Sechs-Monats-Tief von Ende August. Ein Grund wird sein, dass die Originalmitteilung, aktuell mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt. So heißt es: "Die aktuell in der Europäischen Union angebotenen Neuwagen mit Dieselantrieb EU 6 aus dem Volkswagen Konzern erfüllen die gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen." Zugleich aber schreibt der Konzern, dass die betreffende Steuerungssoftware auch in anderen Dieselfahrzeugen vorhanden sei. "Bei der Mehrheit dieser Motoren hat die Software keinerlei Auswirkungen", heißt es sogleich beschwichtigend. Dann aber führt Volkswagen an, dass weltweit bei rund 11 Millionen Fahrzeugen "eine auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb festgestellt" worden sei.

Supergau für Volkswagen-Chef Martin Winterkorn: Sein Unternehmen hat jahrelang falsche Angaben zum Abgasausstoß seiner Fahrzeuge in den USA gemacht. Etwa 500.000 Autos müssen zurückgerufen werden, es droht eine Strafzahlung von bis zu 18 Milliarden Dollar. Doch damit ist es nicht getan. manager-magazin.de nennt acht Gründe, warum für VW noch viel mehr auf dem Spiel steht.

Grund Nr. 1: Volkswagen hat seine Kunden und die US-Behörden vorsätzlich hinters Licht geführt.

Das hat der Konzern inzwischen eingestanden. Wer intern verantwortlich ist und welche Schuld Konzernchef Martin Winterkorn trifft, wird nun geklärt. Doch es scheint ausgeschlossen, dass die US-Kunden einen derartigen Vertrauensbruch schnell verzeihen. Vielmehr werden sie die Frage stellen: Welchen Angaben von Volkswagen kann ich künftig überhaupt noch glauben?

Grund Nr. 2: In den USA läuft es ohnehin miserabel für Volkswagen.

Anstatt eines Skandals brauchen die Wolfsburger in den Vereinigten Staaten dringend steigenden Absatz. Im Gesamtjahr liegt VW dort mit 238.000 verkauften Autos bisher 2,8 Prozent unter dem Vorjahreswert, obwohl der Markt wächst.

Grund Nr. 3: Volkswagens wichtigstes Verkaufsargument in den USA ist zerstört.

Als Gegenstück zu Toyotas erfolgreichen Hybridautos hatte Volkswagen den "Clean Diesel" erfunden. Saubere und sparsame Dieselautos waren das große Alleinstellungsmerkmal von Volkswagen in den USA. Doch nun muss man wohl von "Dirty Diesel" reden.

Grund Nr. 4: Volkswagen liegt nicht nur mit der Washingtoner Bundesbehörde im Clinch, sondern auch mit der extrem strengen kalifornischen Luftreinhalte-Behörde (im Bild: Chefin Mary Nichols).

Im von Smog geplanten Los Angeles und anderen Teilen des Bundesstaats hat der Kampf gegen tödliche Luftverschmutzung eine lange Tradition. Wer gegen Auflagen verstößt, hat dort das Image eines Brunnenvergifters.

Grund Nr. 5: Die gerade erzeugte Aufbruchstimmung bei Volkswagen ist dahin.

Der Konzern wollte gerade mit neuen Autos und neuen Topmanagern durchstarten. Auf der IAA präsentierte das Unternehmen seine Idee von umweltfreundlichen Autos der Zukunft (im Bild der Audi E-Tron Quattro Concept mit Audi-Chef Rupert Stadler). Zudem hat das Unternehmen gerade wichtige Personalien geregelt. So führt Hans Dieter Pötsch den Aufsichtsrat und Herbert Diess die Marke Volkswagen. Sie müssen sich jetzt als Krisenmanager bewähren.

Grund Nr. 6: Der Skandal wird sich nicht auf die USA beschränken.

Volkswagen hat nun ein generelles Glaubwürdigkeitsproblem. Schon wollen Experten wissen, ob der Konzern auch in Europa oder China getrickst hat, wo Luftverschmutzung tausende Tote im Jahr fordert. Die deutsche Umwelthilfe fordert bereits ein Fahrverbot für Diesel-Autos in Deutschland.

Grund Nr. 7: Außer Strafzahlungen drohen Volkswagen in den USA Klagen in milliardenhohem Streitwert.

Autokäufer, Händler, Aktionäre - bereits einen Tag, nachdem Volkswagen die Manipulationen eingeräumt hat, melden sich vermeintlich Geschädigte zu Wort.

Grund Nr. 8: Volkswagen droht eine Vertrauens-Abwärtsspirale.

Investoren wissen nicht mehr, wie sie die VW-Aktie bewerten sollen. Sie wird faktisch zum Zockerpapier. Das belastet auch die Bonität des Unternehmens.

Die Unsicherheit liegt wie ein dunkler Schatten über Aktie und Unternehmen: Da derzeit niemand beziffern kann, auf welche Summe sich mögliche Strafzahlungen und Folgeschäden - nicht nur in den USA - beziffern, werden viele institutionelle Anleger sehr vorsichtig mit der VW-Aktie sein. Offen ist derzeit auch, welche personellen Konsequenzen der Skandal haben wird und wie er sich auf die Führungsstruktur von Europas größtem Autobauer auswirken wird - zumal das US-Recht auch Gefängnisstrafen für Verstöße gegen die Umweltgesetze vorsehen.

11.40 Uhr: Jetzt kommt es dicke für die VW-Aktionäre: Volkswagen Börsen-Chart zeigen gibt in diesem Moment eine Gewinnwarnung heraus. In der Originalmitteilung heißt es wörtlich: "Zur Abdeckung notwendiger Service-Maßnahmen und weiterer Anstrengungen, um das Vertrauen unserer Kunden zurück zu gewinnen, beabsichtigt Volkswagen, im 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres rund 6,5 Milliarden Euro ergebniswirksam zurückzustellen. Aufgrund der laufenden Untersuchungen unterliegt der angenommene Betrag Einschätzungsrisiken. Die Ergebnisziele des Konzerns für das Jahr 2015 werden dementsprechend angepasst." Die Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen baut ihre Verluste auf mehr als 7 Prozent aus.

11.04 Uhr: Nach Südkorea gestern fordert heute auch Australien Klarheit von Volkswagen. VW müsse klären, ob betroffene Modelle auch in Australien verkauft worden seien, hieß es nach Regierungsangaben vom Dienstag.

10.50 Uhr: Bosch hat die Technik zur Abgasnachbehandlung der vom Abgasskandal betroffenen VW-Modelle geliefert. "Wir fertigen die Komponenten nach Spezifikation von Volkswagen", sagt ein Sprecher und weist eine mögliche Mitschuld an dem Skandal gleich weit von sich: "Die Verantwortung für Applikation und Integration der Komponenten liegt bei VW." Aus den Unterlagen der US-Umweltbehörde EPA geht hervor, dass der Wolfsburger Konzern selbst die Software zur Manipulation der Abgasnachbehandlung programmiert hat.

Volkswagen wird Thema im US-Kongress
10.15 Uhr: Die Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen setzt ihren Kursrutsch fort und verliert am Dienstag weitere 5 Prozent an Wert. Bereits am Vortag hatte die Aktie um 18 Prozent nachgegeben. Der Abgasskandal wird auch für die anderen deutschen Autohersteller BMW und Daimler an der Börse immer mehr zu Belastung : Beobachter sprechen von einem "Libor Moment" für die deutsche Autoindustrie. Die Papiere verlieren zwischen 3 und 4 Prozent an Wert.

9.00 Uhr: Der VW-Abgas-Skandal erreicht jetzt auch den US-Kongress: Ein Ausschuss des Kongresses werde das Thema aufgreifen, kündigten die US-Politiker Fred Upton (Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses) und Tim Murphy (Unterausschuss) an. In den kommenden Wochen wird danach eine Anhörung zu den Vorwürfen der US-Umweltbehörde EPA angesetzt. "Das amerikanische Volk verdient Antworten und Zusicherungen, dass dies nicht wieder passiert", heißt es in der Erklärung der beiden US-Kongressmitglieder.

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