Mittwoch, 29. Juni 2016

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Dieselgate-Reparaturen VWs werden nach dem Rückruf kaum sauberer werden

VW-Pickup Amarok: In Deutschland sind 4300 der insgesamt 8000 vom Abgasskandal betroffenen Fahrzeuge repariert

Der Amarok macht den Anfang: Vor knapp drei Wochen hat der Volkswagen-Konzern in Deutschland seinen Riesen-Rückruf infolge des Abgasskandals gestartet - und als erstes die betroffenen Modelle seines hierzulande eher seltenen Pick-Ups in die Werkstätten beordert. Über 4300 Amarok-Dieselmodelle, das ist mehr als die Hälfte aller von dem Rückruf betroffenen Pritschenwagen, haben eine neue Motorsteuerungssoftware an Bord. Sie sollten also sauberer sein. Doch das sind sie offenbar nicht.

Die Zeitschrift "Auto Motor und Sport" wollte es genau wissen und hat zwei Amarok-Pickups vor und nach dem Update auf eine Testrunde geschickt. Die Fahrer fuhren dabei eine rund 100 Kilometer lange Runde im Stuttgarter Umland bei üblichen winterlichen Temperaturen und hatten ein mobiles Abgas-Messgerät an Bord.

Das Ergebnis: Nach dem Update gab es keine Einbußen bei der Beschleunigung, allerdings verbrauchtem die massigen Pickups rund einen halben Liter mehr Diesel. Der Stickoxid-Ausstoß blieb allerdings gleich und lag bei 1,5 Gramm je Kilometer. Das ist das 8,5-fache des für den Motor gültigen Euro 5-Grenzwerts von 0,18 Gramm.

Die Erklärung für dieses wundersame Ergebnis liegt in den Vorgaben für den Rückruf: Der Zweck der teuren Aktion ist es nicht, die Motoren zu Umweltengeln umzubauen - sondern sie gesetzeskonform zu machen.

Besser dosierte Einspritzung ersetzt Abschalt-Vorrichtung

Das Ziel des Rückrufs formuliert ein Sprecher des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) gegenüber manager-magazin.de so: "Die Fahrzeuge müssen nach Beseitigung der unzulässigen Abschaltvorrichtung legal allen Vorschriften entsprechen." Im Klartext heißt das: Die nachgebesserten Autos müssen auf dem Prüfstand die offiziellen Grenzwerte einhalten - nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Das schaffte Volkswagen bisher nur mit einem illegalen Trick. Die von dem Rückruf betroffenen Dieselmotoren hatten einen illegalen Schalter eingebaut: Die Software erkannte, wenn ein Auto auf dem Prüfstand getestet wurde - und stellte dann die Abgasreinigung so ein, dass der Stickoxid-Ausstoß bei diesen Prüfungen besonders gering war.

Die neue Version der Software unterscheidet nicht mehr zwischen Prüfsituationen und normalen Fahrten auf der Straße. Sie sorgt jedoch laut einem VW-Sprecher für bessere Verbrennungsprozesse im Motor, unter anderem durch eine genauer dosierte Kraftstoffeinspritzung.

Damit schafft es VW, die vorgeschriebenen Stickoxid-Grenzwerte nun auch ohne Schummelei einzuhalten - aber eben nur auf dem Prüfstand. Und dort wird weiterhin nach dem wenig realitätsnahen NEFZ-Fahrzyklus getestet, bei dem Fahrzeuge unter Optimalbedingungen geprüft und nur sehr moderat beschleunigt werden. Für Tests bei Alltagsfahrten, deren Ergebnisse dann auch ins Typgenehmigungsverfahren einfließen, gebe es noch keine rechtliche Grundlage, erklärt das KBA.

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