Dienstag, 26. März 2019

VW-Kontrolleure übernehmen das Ruder VW-Aufsichtsrat: brutal - aber richtig (mit einer Ausnahme)

Hat das Zeug zur Aufhellung: VW-Emblem am Haupteingang zum VW-Werk in Wolfsburg
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Hat das Zeug zur Aufhellung: VW-Emblem am Haupteingang zum VW-Werk in Wolfsburg

Es zeigten sich seit dem Wochenende - wenn man mal den diplomatischen Verbalschmuck entfernt - über den VW-Abgasskandal maximal empört: Die Kanzlerin, die US-Regierung, die UNO. Es fehlte eigentlich wirklich nur noch der Papst.

Dieser Phalanx an Kritikern konnte VW nur mit einem brutalen Eingeständnis begegnen. Das Präsidium des Aufsichtsrats hat genau das mit seinen neun Feststellungen vom Mittwoch getan. Dass der Konzern nicht nur einen Sonderausschuss einrichten wird, sondern via Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig die Verfolgungsjagd auf die Täter im eigenen Haus eröffnet, zeigt maximale Härte gegen die Organisation.

Martin Winterkorn hatte sich mit seinem Video-Statement vom Dienstag noch an einem Kompromiss versucht - indem er den Eindruck erweckte, das Problem mit ein paar internen Umbesetzungen lösen zu können. Es ist richtig und lobenswert, dass das Präsidium des Aufsichtsrats diese Taktik rasch beendet und Winterkorn den Rücktritt empfohlen hat. Einzig der Freispruch für Winterkorn unter Punkt 3 ("Die Mitglieder des Präsidiums stellen fest, dass Herr Professor Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten") wirkt in diesem Zusammenhang gefährlich voreilig. Woher soll der Aufsichtsrat das wissen, wenn doch die Untersuchungen noch nicht einmal richtig angelaufen sind?

An der Spitze der Kontrolleure steht seit den Turbulenzen des Frühjahrs der Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber. Der war maßgeblicher Aufsichtsrat bei Siemens, als der Münchener Traditionskonzern durch die Korruptionsaffäre durchgeschüttelt wurde. Dass ein Gewerkschafter dem Aufsichtsrat des wohl wichtigsten deutschen Konzerns vorsteht, ist ein historischer Zufall. Nach der Entscheidung heute muss man sagen: Es ist auch ein Glücksfall.

Wenn Volkswagen bei den Entscheidungen über die Vorstandsbesetzung am Freitag und der weiteren Aufklärung so konsequent bleibt, steigen die Chancen, dass es nur bei einem Milliardenschaden für VW bleibt und nicht die gesamte deutsche Autoindustrie, "Made in Germany" gar, ins Wanken geraten.

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