Freitag, 9. Dezember 2016

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VW investiert Millionen für Neustart in USA - und bindet deutschen Betriebsrat ein

Seit an Seit: Der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh, hier mit VW-Chef Martin Winterkorn auf einer VW-Betriebsversammlung 2013, wird ins Management der US-Tochter berufen.

In den USA geht der VW-Absatz seit Monaten zurück. Der Ausbau des US-Werks soll den Trend jetzt drehen. Der deutsche Betriebsrat bekommt dabei eine Sonderrolle.

Hamburg - Volkswagen versucht mit dem Ausbau seines US-Werks seine langjährige Schwäche in Nordamerika zu überwinden. Konzernchef Martin Winterkorn kündigte am Montag an, in die Fabrik bis Ende 2016 rund 640 Millionen Euro zu investieren und damit rund 2000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Für das Geld wird in Chattanooga (Tennessee) auch ein Planungszentrum mit rund 200 Ingenieuren aufgebaut.

Mit dem Schritt will Winterkorn die Schwäche von Volkswagen Stammaktien Börsen-Chart zeigen auf dem US-Markt und seine zugleich große Abhängigkeit von China verringern. Bis 2018 will VW den Absatz seiner Kernmarke in den USA auf 800 000 jährlich hieven - im vergangenen Jahr waren es lediglich 408 000 Stück, seit 15 Monaten sinkt der Absatz. Um den Trend umzukehren, will VW in Chattanooge beispielsweise einen auf den US-Markt zugeschnittenen großen sportlichen Geländewagen (SUV) bauen. Arbeitstitel: Crossblue.

Um über den Aufbau von Arbeitsplätzen in den USA nicht die Harmonie mit den im VW-Konzern starken deutschen Arbeitnehmervertretern zu gefährden, bindet Winterkorn den Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh eng ein. Er wird als Direktor der VW-Gruppe in den USA Mitglied der dortigen Unternehmensführung. In den vergangenen Monaten war die US-Autogewerkschaft UAW mit der Bildung eines Betriebsrats gescheitert. Osterloh werde "auch die Sicht der Arbeitnehmer einbringen", sagte Winterkorn. "Das entspricht der Mitbestimmungskultur bei Volkswagen." IG-Metall-Chef Detlef Wetzel begrüßte den Schritt: "Beteiligung und Mitbestimmung müssen auch im Süden der USA Fuß fassen. Die IG Metall wird sich weiter gegen gewerkschaftsfreie Zonen engangieren."

Osterloh hatte die Misserfolg von VW in den USA noch Anfang des Jahres als "Katastrophenveranstaltung" bezeichnet. Am Montag formulierte er diplomatischer: "Der nordamerikanische Markt bietet große Chancen, die wir aus meiner Sicht in der Vergangenheit nicht konsequent genug genutzt haben."

dpa/soc

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