Dienstag, 24. Oktober 2017

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Exzesse bei Volkswagen Volkswagen: Ex-Chef Pischetsrieder soll 50 Millionen Euro bekommen haben

Bernd Pischetsrieder (Archiv)

Der langjährige VW-Patriarch Ferdinand Piëch ist dafür bekannt, unliebsame Personalien in Europas größtem Autokonzern notfalls schnell und großzügig gelöst zu haben. Weil die gutsherrliche Form der Konzernführung für den Ausbruch des bedrohlichen Diesel-Skandals verantwortlich gemacht wird, geraten nun auch zunehmend einige der skurrilen Altfälle an die Öffentlichkeit: So soll Bernd Pischetsrieder soll nach seiner Ablösung als Volkswagen-Konzernchef 2006 für weitere fünf Jahre insgesamt 50 Millionen Euro von dem Autohersteller bekommen haben. Das berichtet "Bild am Sonntag" ("BamS") ohne Angabe von Quellen. Für das Geld soll Pischetsrieder ein bis zwei Tage im Monat für VW tätig gewesen sein.

Dem Bericht zufolge soll der langjährige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch für die Versorgungsregelung verantwortlich sein. Piëch, gemeinsam mit seiner Familie VW-Großaktionär, habe demnach die Regel durchgesetzt, nachdem er im November 2006 die Ablösung von Pischetsrieder betrieben habe. Zuvor war dessen Vertrag bis April 2012 verlängert worden.

Pischetsrieder, inzwischen 68 Jahre alt, hatte nach seinem Ausstieg bei VW seine Karriere als operativer Manager beendet und war Berater und Berufsaufsichtsrat geworden. Als Kontrolleur sind die Bezüge aber deutlich niedriger.

Per Firmenjet zur Arbeit

Pischetsrieder sei etwa einmal monatlich für jeweils einen Tag per Firmenjet aus seiner bayerischen Heimat nach Wolfsburg geflogen. In den Geschäftsberichten sei das Gehalt dem Bericht zufolge nicht aufgetaucht.

Pischetsrieder selbst wollte sich der Zeitung zufolge nicht dazu äußern. Der Präsident der "Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz", Ulrich Hocker, sagte der "BamS": "Das ist ein unmoralischer Gehaltsexzess, auch zulasten der Aktionäre."

Erst vor zwei Wochen machte der Fall des VW-Managers Andreas Renschler Schlagzeilen. Das Vorstandsmitglied erhielt der "BamS" zufolge nach dem Wechsel von Daimler zu VW Millionen als eine Art Wechselprämie. Zudem habe er sich eine monatliche Rente von rund 60 000 Euro für fünf Jahre Arbeit bei dem Wolfsburger Konzern gesichert.

SPON, soc

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