Montag, 20. November 2017

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Pkw-Sparte VW droht Streit über Sparprogramm

VW-Chef Winterkorn: "Haben in der Produktivität erheblichen Nachholbedarf"

VW-Chef Winterkorn will Milliarden im Kerngeschäft einsparen, jetzt gehen die Arbeitnehmervertreter auf die Barrikaden: Betriebsratschef Osterloh droht mit seinem Vetorecht.

Wolfsburg - Im Ringen um einen Sparkurs für die renditeschwache Kernmarke Volkswagen-Pkw demonstriert der mächtige Konzernbetriebsrat seine Stärke. In Zukunft werde die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat nur noch Fahrzeugprojekten zustimmen, die mehr Rendite abwerfen als das Vorgängermodell. "Alles andere wird es nicht mehr geben, weil das Spielereien auf dem Rücken der Beschäftigten sind", schreibt der Chef des VW-Konzernbetriebsrats, Bernd Osterloh, in einem Beitrag für die interne VW-Mitarbeiterzeitung. Bei der Erweiterung neuer Werke - etwa für neue Modelle - oder beim Fabrikneubau hat die Arbeitnehmerseite Vetorechte.

Wie das manager magazin in seiner neuesten Ausgabe (Erscheinungstermin Freitag, 18. Juli) berichtet, hat VW-Chef Martin Winterkorn einen Milliarden-Sparkurs für die Kernmarke angekündigt. Zudem verlängert der Manager seinen Vertrag voraussichtlich um zwei Jahre bis 2018. Darauf habe er sich mit der Aufsichtsratsspitze verständigt.

Abstriche bei der Produktion in Deutschland lehnt Winterkorn ab. Ziel sei, das aktuelle Produktionsvolumen in Deutschland "mindestens zu halten", sagte der VW-Chef der "Braunschweiger Zeitung". "Wir dürfen unsere Industrie nicht leichtfertig aufgeben, sondern müssen dafür sorgen, dass sie weiterhin wirtschaftlich und wettbewerbsfähig ist und den Menschen Nutzen bringt", betonte er.

Der bisherige Kurs der Pkw-Sparte von Volkswagen Börsen-Chart zeigen gefährde die Renditevorgabe aus der Konzernstrategie, mit der die Wolfsburger bis 2018 Weltmarktführer werden wollen, hatte der Konzernchef am Montagabend vor VW-Führungskräften in Wolfsburg gesagt. "Seien wir ehrlich: Wir haben in der Produktivität gegenüber den Kernwettbewerbern unverändert erheblichen Nachholbedarf." Winterkorn taxierte das schrittweise zu erreichende Sparziel auf jährlich fünf Milliarden Euro von 2017 an. Ein VW-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht zu den Angaben äußern.

Es gehe um "Zukunftssicherung für unsere Marke und für die nächsten Generationen bei Volkswagen", sagte Winterkorn und beklagte: "Heute ist die Ertragskraft unserer Marke noch zu gering." Die Pkw-Sparte von Volkswagen soll 2018 - ohne das getrennt bilanzierte China-Geschäft - vor Zinsen und Steuern 6 Prozent vom Umsatz einfahren. 2013 kamen nur 2,9 Prozent zusammen. "Deshalb gilt es jetzt Maßnahmen zu ergreifen, die deutlich, wirksam und auch schmerzhaft sind", sagte er. So gelte es etwa, zu hinterfragen, welche Arbeiten künftig Zulieferer übernehmen könnten.

VW-Pkw ist federführend bei der Umsetzung des Baukastensystems MQB und muss einen Großteil der Kosten schultern - profitieren soll aber der Gesamtkonzern. "Die durchgängige Umsetzung dieses großen Projekts in Entwicklung, Beschaffung, Werken und allen anderen Bereichen ist ein echter Kraftakt", sagte Winterkorn. Ende 2016 will VW die MQB-Technologie laut älteren Angaben in mehr als 20 Werken eingeführt haben. Winterkorn sagte, die modulare Produktion in der Nutzfahrzeugsparte werde ebenfalls noch in diesem Jahrzehnt eingeführt.

ts/dpa-afx

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