Donnerstag, 24. August 2017

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Kartellverdacht gegen VW, Daimler und Co "Mindestens 50 Vorstände austauschen"

Deutschlands Automanager stehen unter Beschuss: Dieter Zetsche (Daimler), Harald Krüger (BMW) und Matthias Müller (Volkswagen, von links)

Die Abgasaffäre lastet schwer auf Volkswagen, Daimler und Co. Sollten sich jetzt noch Kartellrechtsverstöße bewahrheiten, drohen Deutschlands wichtigster Industrie Tausende Klagen und Milliardenstrafen, heißt es. Ein ehemaliger BMW-Manager fordert für diesen Fall den Kahlschlag auf höchster Ebene.

Die Autokonzerne in Deutschland müssen sich nach Einschätzung von Deutschlands oberstem Verbraucherschützer wegen möglicher Kartellrechtsverstöße auf eine Welle von Klagen gefasst machen. Der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV), Klaus Müller, rechnet mit Zehntausenden Verfahren, in denen Autokäufer Schadenersatz verlangen könnten, weil sie einen "möglicherweise viel zu hohen Preis" für ihr Fahrzeug bezahlt haben, sagte Müller der "Süddeutschen Zeitung".

Müller fordert dem Bericht zufolge den Gesetzgeber auf, den Verbrauchern eine Musterklage zu ermöglichen, damit mutmaßlich betrogene Kunden nicht einzeln vor Gericht ziehen müssen. Sollte sich der Verdacht der Kartellabsprachen bestätigen, "handelt es sich um vorsätzlich organisierte Verbrauchertäuschung", zitierte zugleich der Verband den VZBV-Chef.

Daimler und Volksagen hatten sich bei den Wettbewerbsbehörden wegen möglicher Kartellrechtsverstöße selbst angezeigt. Demnach sollen sich Vertreter von VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler jahrelang in geheimen Zirkeln über ihre Fahrzeuge, Kosten, Zulieferer und auch den Umgang mit dem Thema Diesel-Abgase abgesprochen haben. Ob Kunden wirklich geschädigt wurden, ist noch nicht bewiesen. Zumal es auch für den Kunden nützliche Absprachen zu gemeinsamen Standards geben kann. BMW hat den Verdacht wettbewerbswidriger Absprachen jedenfalls bereits zurückgewiesen.

Nach Aussagen der Bundesregierung werden nun die europäischen Wettbewerbshüter federführend aufklären. Auch das Bundeskartellamt verfüge über Informationen, geprüft werde aber nur von einer Institution, erklärte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.

Aktionärsschützer prüfen Klagen gegen Autokonzerne

Neben Autokäufern dürften aber auch zahlreiche Autozulieferer betroffen sein. Denn sollten sich die fünf deutschen Autohersteller in der Vergangenheit darauf verständigt haben, nur bei einem oder ausgewählten Unternehmen einzukaufen, hätten andere Zulieferbetriebe keine Chancen auf Aufträge gehabt.

Auch Aktionäre der Autokonzerne sind betroffen. Seit vergangenen Freitag, als mit dem "Spiegel"-Bericht die mutmaßlichen Kartellrechtsverstöße bekannt wurden, haben die Papiere der deutschen drei Autobauer im Dax zusammen mehr als 10 Milliarden Euro an Wert verloren. Aktionärsschützer wollen das nicht so ohne weiteres hinnehmen und prüfen Klagen gegen die Autokonzerne.

"Sollten die Vorwürfe sich bewahrheiten, werden wir alle juristischen Register ziehen, um die Anteilseigner zu unterstützen", kündigte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mögliche Klagen an. Die Last zu erwartender Straf- und Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe gegen die Konzerne würden am Ende dann doch wieder bei den Aktionären hängenbleiben, statt bei den Managern, kritisierte der DSW-Mann laut Mitteilung seiner Organisation.

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