Sonntag, 21. Oktober 2018

E-Mobilität: "Am Angebot mangelt es nicht" VW-Chef Müller wirft den Deutschen Bigotterie vor

Müller im VW-Werk in Wolfsburg

Matthias Müller versteht das vermeintliche Paradox nicht: "Auf der einen Seite denken und handeln viele Deutsche im Alltag grün, wenn es aber um E-Mobilität geht, haben wir als Verbraucher spitze Finger", sagte der Volkswagen-Chef in einemInterview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS"). Vorwürfe gegen die Branche wies er zurück. "Die Autoindustrie hat da nichts verschlafen. Am Angebot mangelt es nicht, sondern an der Nachfrage."

E-Mobilität spielt im VW-"Zukunftspakt", den Vorstand und Betriebsrat am Freitag vorgestellt hatten, eine zentrale Rolle. Der vom Dieselskandal erschütterte Autobauer solle "auch im Bereich Elektromobilität zum weltweit führenden Volumenhersteller" werden, hieß es in einem internen Informationsschreiben an die Mitarbeiter.

Zudem hatten sich Vorstand und Betriebsrat im Rahmen des "Zukunftspaktes" auf einen sozialverträglichen Abbau ohne betriebsbedingte Kündigungen geeinigt. Weltweit sollen 30.000 Stellen gestrichen werden, davon bis zu 23.000 in Deutschland. Da auch 9000 neue Jobs entstehen sollen, fallen tatsächlich etwa 14.000 Arbeitsplätze weg. Die Kosten sollten durch die Umstrukturierung um bis zu vier Milliarden Euro pro Jahr sinken.

Im Interview mit der "FAS" zeigte sich Müller zuversichtlich, dass schon in wenigen Jahren deutlich mehr Elektroautos gekauft werden. "Die Preise werden sinken, die Reichweite steigt, die Ladezeit wird kürzer - all die Punkte, die den Erfolg der E-Mobilität bisher behindert haben." Zuvor hatte sein Strategievorstand Thomas Sedran im Interview mit manager-magazin.de das VW-Szenario bereits mit konkreten Zahlen unterlegt.

Müller verteidigte zudem, dass der Konzern Autobesitzer in Europa im Zuge des Dieselskandals nicht entschädigt - anders als in den USA. Die Situation könne man "nicht über einen Kamm scheren", sagte Müller. "Den Kunden in Europa entsteht ja kein Nachteil, weder beim Verbrauch noch bei den Fahreigenschaften." Sowohl "die rechtlichen als auch die regulatorischen Umstände" seien in den USA komplett anders. "Emotional" könne er den Ärger von Kunden und Verbraucherschützern aber nachvollziehen.

soc, Spiegel Online

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