Mittwoch, 29. Juni 2016

VW-Konzernchef springt als Personaler ein Warum Matthias Müller jetzt noch ein Amt übernehmen muss

VW-Chef und Personalvorstand in einem: Matthias Müller

Eigentlich hat Volkswagen-Chef Matthias Müller genug zu tun mit den Aufräumarbeiten für den Abgasskandal. Dennoch übernimmt er übergangsweise das Personalressort von Horst Neumann. Der Konzern hat mit der Nachfolger-Suche einige Mühen - wohl auch, weil die künftigen Aufgaben des Ober-Personalers hart sind.

Ein überraschender Abgang sieht anders aus: Seit Monaten ist klar, dass sich VW-Personalvorstand Horst Neumann Ende November in den Ruhestand verabschieden wird. Seit Monaten hieß es auch, dass der VW-Aufsichtsrat noch im November einen Nachfolger für den 66-jährigen Neumann präsentieren wolle. Inzwischen gehen die Aufsichtsräte bei VW davon aus, dass Neumann "kurzfristig" einen Nachfolger benennen werde. Warum er das nicht schon in den Monaten zuvor tun konnte, erklären die Wolfsburger nicht.

Dass Müller nun als Neumann-Ersatzmann übernimmt, weist zum einen darauf hin, dass die Personaldecke bei VW derzeit ziemlich dünn ist. Kein Wunder, der Abgasskandal hat zum großen Stühlerücken im Volkswagen-Konzern geführt. Müller noch nicht mal zwei Monate im Amt, auch die VW-Marken Porsche, Skoda, Seat und sogar VWs Finanzsparte fahren nun unter neuen Chefs.

Osterloh hat abgewinkt - aus zwei Gründen

Zum anderen ist der oberste Personalerposten im Volkswagen-Konzern in nächster Zeit ein Knochenjob. Noch vor einigen Monaten wurde Bernd Osterloh, der Chef des mächtigen VW-Konzernbetriebsrats, als heißer Kandidat für die Neumann-Nachfolge gehandelt. Osterloh schien einem Wechsel auf die operative Seite der Macht nicht abgeneigt. Für das VW-Personalressort hätte Osterlohs Profil durchaus gepasst: Denn die Wolfsburger suchen für diesen Job jemanden, der IG-Metall-Mitglied ist. Auch Neumann war jahrelang für die Gewerkschaft tätig, bevor er in den Personalbereich wechselte.

Doch Osterloh hat für den Posten im VW-Management vor zwei Wochen öffentlich abgewinkt. Dabei spielte wohl auch eine Rolle, dass er lange Jahre dem VW-Chef Martin Winterkorn nahestand. Und das ist in der aktuellen Situation eher ein Nachteil.

Osterloh weiß aber auch, dass dem obersten Personaler bei Volkswagen in den kommenden Monaten eine Feuertaufe bevorsteht. Einen kleinen Vorgeschmack auf künftige Scharmützel gab er vor zwei Wochen gleich selbst - indem er das Topmanagement massiv kritisierte. Der Vorstand verkünde Sparmaßnahmen "einseitig und ohne Grundlage", zog der Betriebsratschef Mitte November vom Leder. Wer die demokratischen Mitbestimmungsrechte der Volkswagen-Beschäftigten antaste, gefährde den sozialen Frieden des Unternehmens, schob Osterloh noch nach.

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