Montag, 10. Dezember 2018

VW zieht US-Anmeldungen zurück VW stoppt Verkauf aller US-Dieselmodelle - mit einer Ausnahme

Mitte September stellte VW-USA-Chef Michael Horn den überarbeiteten US-Passat vor - jetzt muss er vor US-Abgeordneten zu Kreuz kriechen

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Michael Horn muss den großen Entschuldiger geben: Der US-Chef von Volkswagen leistet nun in einer Anhörung vor dem US-Kongress Abbitte für den Skandal um manipulierte Abgaswerte. Sein Redemanuskript hat der US-Kongress bereits am Mittwoch veröffentlicht. Neben einer Reihe von Entschuldigungen macht Horn darin auch ein bitteres Eingeständnis: VW wird in nächster Zeit keine Diesel-Pkw in den USA verkaufen - in den kommenden Wochen, aber möglicherweise auch in den nächsten Monaten.

Denn aus Horns Redemanuskript geht hervor, dass VW seine Anmeldung für die Zertifizierung seiner Diesel-Modelle für das Modelljahr 2016 zurückgezogen hat. Volkswagen stoppt damit bis auf weiteres in den USA die Auslieferung neuer Jettas, Golfs und VW Beetles mit Dieselmotoren. Auch der erst gerade überarbeitete VW Passat wird 2016 erstmal nicht mit Dieselmotorisierung verkauft. Den Verkauf seiner aktuellen Diesel-Modelle hatte VW bereits Mitte September vorläufig gestoppt.

Damit müssen VWs verkaufsstärkste Modelle in den USA ohne Selbstzünder auskommen. Horn erklärt in seiner Rede auch, weshalb sich Volkswagen zum diesem Schritt entschlossen hat. Die 2016er-Neuwagen enthalten einen Software-Bestandteil, der als Hilfsmittel zur Kontrolle von Emissionen zu werten ist. Diesen Bestandteil wolle Volkswagen der US-Umweltbehörde EPA und der dem Luftreinhaltungs-Regulator CARB erstmal offenlegen, damit diese ihn im Zusammenhang mit dem Zulassungsprozess werten können. Deshalb habe man die Anmeldung zurückgezogen, so Horn in seiner Erklärung. VW arbeite aber mit den Behörden daran, die Fahrzeuge doch noch zulassen zu können.

Es ist eine etwas gewundene Erklärung, die einen wichtige Frage offenlässt: Aus Horns Statement lässt sich nicht ablesen, ob die in den neuen Modellen eingesetzte Software Emissionstests erkennen und manipulieren kann - wie es bei älteren VW-Dieselfahrzeugen der Fall ist.

Klar ist hingegen, dass dies für amerikanische VW-Händler ein Problem ist. Tausende VW-Neuwagen mit Dieselmotoren stehen in Häfen in den USA zur Abholung bereit - und müssen dort vorerst bleiben. Dabei hatten US-Händler laut Agenturberichten gehofft, die Neufahrzeuge schnell in Empfang nehmen und mit Rabatten weiterverkaufen zu können.

Einzig den "Touareg" gibt es noch als Diesel

Auch das VW-Werk in Chattanooga, Tennessee, ist von dem vorläufigen Zulassungs-Rückzug betroffen, berichtet das "Wall Street Journal". Denn rund ein Drittel der in dem Werk produzierten Neuwagen haben Diesel-Motoren an Bord. Noch lässt sich nicht abschätzen, wann die US-Umweltbehörden den 2016-er Modellen bescheinigen, die US-Emissionsstandards einzuhalten - und ob sie das überhaupt tun werden. Möglich ist auch, dass VW die US-Dieselmodelle nachbessern muss, bevor sie eine Zulassung erhalten.

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Fraglich bleibt, ob VW in den USA die Waffen streckt - und Diesel-Motoren komplett aus seinem US-Angebot streicht. Aktuell wird in den USA nur mehr der SUV Touareg mit Diesel-Motor angeboten.

In der Anhörung wird Horn erstmal einen tiefen Kniefall vor den US-Abgeordneten und seinen Kunden hinlegen. VW werde die "volle Verantwortung" übernehmen und Mittel finden, um seine Kunden zu entschädigen, heißt es in Horns Eingangsstatement. Er wolle eine "aufrichtige Entschuldigung" anbieten, VW werde mit allen zuständigen Behörden voll kooperieren. Die Ereignisse seien "zutiefst verstörend", und er habe es "nicht für möglich gehalten, dass so etwas beim Volkswagen-Konzern möglich ist".

US-Parlament klärt öfters Unternehmensfehler auf

Nach seinem Eingangsstatement kommt der für Horn wohl schwierigere Teil: Er muss den Abgeordneten im Repräsentantenhaus Rede und Antwort stehen. Auch Vertreter der US-Umweltschutzbehörde EPA nehmen an der Anhörung teil.

Das Parlament in den USA spielt eine wichtige Rolle beim Verbraucherschutz und bei der Aufklärung von unternehmerischem Fehlverhalten. Auch mehrere Topmanager anderer Autokonzerne wurden in den vergangenen Jahren vor den Kongress zitiert, um sich in Skandalen zu erklären. Toyota-Chef Akio Toyoda etwa entschuldigte sich im Februar 2010 für Sicherheitsmängel durch klemmende Gaspedale, die zu mehreren tödliche Unfällen geführt haben sollen.

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General-Motors-Chefin Mary Barra zeigte sich im April vergangenen Jahres vor Abgeordneten "zutiefst betrübt" wegen des verspäteten Rückrufs von Millionen von GM-Modellen mit defekten Zündschlössern.

Bei Zerknirschtheit und formvollendeter Entschuldigung kann sich Horn also ein Beispiel nehmen - und man darf sicher sein, dass Horns Berater die Auftritte der anderen Automanager genauestens analysiert haben. Jetzt kommt es drauf an, was er vor den Abgeordneten daraus macht.

mit Material von afp

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