Sonntag, 9. Dezember 2018

US-Importzölle auf Autos VW und BMW wollen Trump mit neuen Werken besänftigen

VW-Werk in Chattanooga, Tennessee, USA: Volkswagen will Elektroautos in den USA produzieren

Erst gestern wütete US-Präsident Donald Trump wieder gegen die Autoindustrie. Nach der Ankündigung von General Motors, bis zu 15.000 Stellen in den USA zu streichen und mehrere Werke auf dem Heimatmarkt zu schließen, brachte Trump wieder die Idee von Autozöllen ins Gespräch, die insbesondere die deutschen Hersteller hart treffen würden.

Dies veranlasste deutsche Autobauer, ein größeres Engagement in den USA zu signalisieren. So kündigte Volkswagens neuer Nordamerika-Chef Scott Keogh am Mittwochabend am Rande einer Automesse in Los Angeles an, in Nordamerika ein neues Werk zu bauen, um dort Elektrofahrzeuge für den US-Markt herzustellen. Die Gespräche und Überlegungen zur Auswahl des Standortes liefen bereits, sagte er.

Das neue Fahrzeug solle unter der Marke Volkswagen zu einem Kaufpreis von 30.000 bis 40.000 Dollar 2020 vorgestellt werden. Um diesen Zeitrahmen zu halten, werde das neue E-Auto allerdings zunächst außerhalb der USA gefertigt, dann aber an dem neu ausgewählten Standort produziert. Eine Option könnte das bestehende Volkswagen-Werk in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee sein, wo der Passat und der SUV Atlas gebaut werden.

Volkswagen Börsen-Chart zeigen hatte kürzlich verkündet, seine Investitionen in Elektromobilität deutlich ausbauen zu wollen. Die Wolfsburger wollen bis 2023 knapp 44 Milliarden Euro in die Elektromobilität, das autonome Fahren, Mobilitätsdienste und die Digitalisierung zu stecken - zehn Milliarden Euro mehr als VW für den letzten Planungszeitraum bis 2022 angesetzt hatte. Vorstandschef Herbert Diess will Volkswagen damit zu einem führenden Anbieter von Elektroautos umbauen und auch dem US-Elektroautopionier Tesla die Stirn bieten.

BMW kündigt ebenfalls ein zweites Werk in den USA an

Neben Volkswagen setzt auch BMW Börsen-Chart zeigen alles daran, die US-Zölle noch abzuwenden. So erklärte BMW-Chef Harald Krüger ebenfalls auf der Autoshow in Las Vegas, dass der Konzern derzeit den Bau einer zweiten Produktionsanlage in den USA prüfe, in der Motoren und Getriebe hergestellt werden könnten. "Wir sind in einer Lage, in der man über einen zweiten Standort nachdenken kann." Das sei auch eine Absicherung gegen Währungsturbulenzen. BMW hat in South Carolina bereits ein Montagewerk und will im nächsten Jahr ein Werk in Mexiko eröffnen.

Fraglich ist, ob inmitten der Diskussion um GM-Werksschließungen ein offenbar vom US-Botschafter in Deutschland initiiertes Treffen von Vertretern der US-Regierung mit deutschen Autobossen vor dem G20-Gipfel überhaupt noch stattfindet. Bei den Autokonzernen und in deutschen Regierungskreisen hieß es, es gebe nach wie vor keine offizielle Einladung. Einem Insider zufolge sollten an dem Treffen der Chefs von BMW, VW und Daimler US-Handelsminister Wilbur Ross und Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow teilnehmen. Es war für Mitte dieser Woche geplant. Formal liegt die Verhandlungshoheit über Handelsbedingungen allerdings bei der EU-Kommission.

mg/rtr

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH