Samstag, 10. Dezember 2016

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Volkswagen-Abgasskandal VW will US-Autofahrer großzügig entschädigen

VW will US-Kunden entschädigen, etwa mit Geldzahlungen oder Rückkäufen - allerdings ist der Konzern in Verzug

Volkswagen will die vom Abgasskandal betroffenen US-Autofahrer umfassend entschädigen. "Ich kann versprechen, dass es eine großzügige Lösung geben wird", sagte der amerikanische Anwalt Kenneth Feinberg, der für den Konzern in den USA einen Entschädigungsfonds einrichten soll, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS"). Allerdings sei noch nicht entschieden, wie die Leistungen genau aussehen. "Im Moment stehen noch alle Optionen zur Debatte: Geldzahlungen, Rückkäufe von Autos, Reparaturen, Bereitstellung von Ersatzfahrzeugen", sagte Feinberg. Ziel sei, mit mehr als 90 Prozent der Betroffenen eine Einigung zu erzielen. "VW hat mir volle Autorität gegeben, über Entschädigungen zu entscheiden", sagte der Anwalt.

Allerdings kommt Feinberg, der bereits Schadenersatzfonds im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001, der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko sowie dem Zündschloss-Skandal von General Motors geleitet hat, bei VW nicht so zügig voran wie ursprünglich geplant. "Mir sind die Hände gebunden, solange VW und die Behörden ihre Differenzen nicht überwinden. Der ursprüngliche Zeitrahmen könnte sich daher verzögern", sagte er. Feinberg hatte bei seiner Berufung im Dezember in Aussicht gestellt, innerhalb von 60 bis 90 Tagen ein Entschädigungsprogramm zu entwickeln.

VW-Chef Matthias Müller hat jedoch bislang noch keine Einigung mit den US-Umweltbehörden über die Rückrufaktion der betroffenen Fahrzeuge erzielt. Der Wolfsburger Autokonzern hatte eingeräumt, Stickstoffwerte bei Diesel-Autos mit einer Software geschönt zu haben. Allein in den USA sind knapp 600.000 Wagen betroffen - weltweit sind es bis zu elf Millionen. Volkswagen drohen in den USA milliardenschwere Zahlungen.

Nach Texas, West Virginia und New Mexico wurde der Autobauer nun von einem vierten Bundesstaat verklagt worden. Der Staatsanwalt von New Jersey warf dem Konzern sowie den Töchtern Porsche und Audi vor, Kunden betrogen und gegen Umweltgesetze verstoßen zu haben. Die Behörde beantragte deswegen vor einem Gericht, gegen Volkswagen eine Geldstrafe zu verhängen und eine Entschädigung von Kunden anzuordnen.

Erst am Freitag hat Volkswagen wegen der Unwägbarkeiten des Abgasskandals die für den 10. März geplante Präsentation der Geschäftszahlen sowie die für den 21. April terminierte Hauptversammlung verschoben. Laut "Bild am Sonntag" werden die Wolfsburger das Aktionärstreffen frühestens Mitte Juni nachholen. Erste Zahlen des Unternehmens sollten Ende April bei einer Bilanzpressekonferenz vorgestellt werden.

Für 2016 rechnet der Konzern für seine Hauptmarke VW mit einer Geschäftserholung auf dem Heimatmarkt. "Wir trauen uns zu, mit Volkswagen in Deutschland im Geschäftsjahr 2016 die Marktanteile von 2014 und 2015 wieder zu erreichen", sagte der zuständige Vertriebschef Thomas-Werner Zahn dem Branchenmagazin "Automobilwoche". "Wir werden schon im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Aufwärtstrend sehen." Im Januar war der VW-Markenabsatz in Deutschland um fast neun Prozent eingebrochen.

Unterdessen hält Norwegens Staatsfonds - einer der größten Investoren der Welt - an seinem Engagement bei Volkswagen fest. "VW ist ein wichtiger Konzern für Deutschland, für Europa, für die Welt. Deshalb werden wir unseren Anteil halten, solange es den Fonds und das Unternehmen gibt", sagte Fondschef Yngve Slyngstad der "FAS".


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ts/Reuters

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