Freitag, 22. September 2017

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Flucht nach vorn VW will trotz "Dieselgate" weiter in USA investieren

Passat-Produktion in Chattanooga: Volkswagen will auch künftig in den USA investieren

Volkswagen hält trotz des Abgasskandals an seinen Investitionsplänen in den USA fest. "Die Vereinigten Staaten von Amerika gehören weiterhin zu einem der wichtigsten Märkte für Volkswagen", sagte VW-USA-Chef Michael Horn am Donnerstag in Chattanooga. Er bekräftigte, der Konzern werde 900 Millionen Dollar in die Produktion eines neuen Geländewagens stecken.

Davon sollen allein 600 Millionen Dollar in den Bundesstaat Tennessee fließen, wo die Niedersachsen eine Fabrik mit derzeit rund 2400 Beschäftigten unterhalten. Dort soll der neue SUV Ende nächsten Jahres vom Band rollen. Dadurch entstehen 2000 zusätzliche Arbeitsplätze.

Volkswagen hat mit massiven Imageverlusten in den USA zu kämpfen, seit dort bekannt wurde, dass der Autohersteller Abgaswerte durch eine Software manipuliert hat. Der Betrug war im September durch die US-Umweltbehörde EPA öffentlich gemacht worden. Weltweit sind davon elf Millionen Fahrzeuge betroffen. In den USA drohen VW Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar.

Hinzu kommt eine Flut an Schadensersatzklagen, die in Amerika leicht Größenordnungen von mehreren Milliarden Dollar erreichen können. Mehrere Anwaltskanzleien haben bereits Sammelklagen eingereicht oder angekündigt.

Horn: "Klares Bekenntnis zu Chattanooga"

Die Bekräftigung der Investitionen steht auch im Zusammenhang mit Spekulationen, Volkswagen könne sein Geschäft in den USA wegen des Skandals zurückfahren. Dem hielt Horn entgegen. "Mit diesem klaren Bekenntnis zum Standort Chattanooga bestätigen wir unser Engagement in Nordamerika und das Vertrauen in die hiesige Mannschaft."

Neben den Investitionen in den Bau des neuen Geländewagens entsteht auf dem Gelände in Chattanooga ein Entwicklungs- und Planungszentrum für die USA. Von dort sollen Projekte für den nordamerikanischen Markt gesteuert werden. Volkswagen fährt in den USA wegen einer verfehlten Modellpolitik bisher hinter der Konkurrenz hinterher. Das soll sich dadurch ändern, dass der Konzern stärker auf die Wünsche der amerikanischen Kundschaft eingeht.

Unklar blieb, ob die Wolfsburger ihre Nordamerika-Aktivitäten wie geplant neu ordnen. Reuters hatte vor wenigen Tagen berichtet, Volkswagen lege diese Pläne wegen des Skandals auf Eis. Geplant war, die Märkte in den USA, Mexiko und Kanada zu einer Region zusammenzufassen.

Der Autobauer wolle zunächst versuchen, mit Behörden und Klägern eine Einigung über drohende Straf- und Schadensersatzzahlungen zu erreichen, hatten zwei mit den Beratungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur gesagt. Erst danach wolle sich der Konzern Gedanken über die strategische Ausrichtung in den USA machen. Dazu äußerte sich Volkswagen nicht.

Damit ist Konzernkennern zufolge klar, dass der vakante Posten des Amerika-Chefs nach dem Rückzug von Winfried Vahland vorerst nicht besetzt wird. Der Aufsichtsrat hatte den bisherigen Skoda-Chef als Konzernverantwortlichen für die Region USA, Mexiko und Kanada ernannt. Kurz vor dem geplanten Amtsantritt erklärte Vahland jedoch seinen Rücktritt und verließ überraschend den Konzern, für den er 25 Jahre gearbeitet hat. Als Grund wurden unterschiedliche Auffassungen über die Strategie in den USA genannt.

cr/rtr

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