Freitag, 19. Oktober 2018

Was Matthias Müller falsch macht Volkswagen verpatzt den Kulturwandel

Mit einem technisch-funktionalen Kulturverständnis, wie es der neue Vorstandschef Mathias Müller an den Tag legt, wird Volkswagen den nötigen Kulturwandel nicht schaffen

2. Teil: Mit einem "Wir sind Wir" kommt Volkswagen nicht weiter

Somit besteht ein gravierender (aber selten verstandener) Unterschied zwischen der verordneten sowie formalisierten Unternehmenskultur in einer Organisation und der gelebten wirklichen Unternehmenskultur. Und interessanterweise zeigt sich die wahre Unternehmenskultur besonders deutlich immer am Umgang mit Unternehmenskultur.

Also: Wenn Matthias Müller eine neue Führungskultur "verordnet", dann ist das weniger ein Impuls zur echten Veränderung. Es zeigt vielmehr die bestehende Kultur der autoritären Top-Down-Führung. Und wenn Matthias Müller - offenbar ohne es breit intern abzustimmen - einen ehemaligen FBI-Mitarbeiter als Berater hinzuzieht, dann ist auch das Ausdruck von Kulturmerkmalen. Gleiches gilt für das panikartige Einkaufen einer hochrangigen Compliance-Expertin: Hier signalisiert der Vorstandschef, dass es nicht um eine echte Änderung der Kultur und des Verhaltens geht, sondern ausschließlich um den Umgang mit Vorschriften. Es werden vielleicht die Vorgaben umgesetzt, aber die Kultur trägt sich nicht selber: Mitarbeiter verhalten sich nicht automatisch ökologischer, nur weil der Vorstand dies beschlossen hat.

Damit wären wir wieder beim Ausgangsproblem: Wichtig ist nicht die Umwelt, sondern die Umweltnorm.

Wenn eine Technik-Kultur pathologische Züge annimmt

Natürlich ist eine Technikkultur nicht negativ, sondern ein potenzieller Erfolgsfaktor. Sie reicht aber nicht aus und wird sogar zu einer pathologischen Kultur, wenn ein Unternehmen sie exzessiv lebt und unabhängig vom jeweiligen Anlass alle anderen Kulturwerte beiseite schiebt.

Wer nicht mit seiner eigenen Unternehmenskultur im Reinen ist und sie vor allem nicht in ihren Schattenseiten begreift, dem fallen auch die interne und externe Kommunikation schwer: grotesk die Videobotschaft von Martin Winterkorn beim Bekanntwerden des Skandals und grotesk sein Rücktritt, bei dem er zwar die Verantwortung übernimmt, aber ansonsten mit der ganzen Sache nichts zu tun hat. Und wenn kurz darauf das Präsidium des Aufsichtsrats Martin Winterkorns Unschuld bestätigt, dann ist klar: Wir brauchen uns letztlich nicht weiter mit der Materie auseinanderzusetzen, weil im oberen Management und im Aufsichtsrat nichts falsch gelaufen ist. Und genau das bekräftigt fatalerweise Matthias Müller bereits in seiner ersten großen Rede vor Führungskräften: Die Konzernspitze wusste von nichts, alles habe sich "im mittleren Management und darunter abgespielt".

Deshalb sprach aus Sicht von Volkswagen auch nichts dagegen, den bisherigen Finanzchef Hans Dieter Pötsch zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden zu machen. Schließlich ist der Corporate Governance Kodex kein Gesetz, an das man sich halten muss. Wieder ein Verhalten, das fatalerweise die VW-Unternehmenskultur offenlegt, die man mit "Wir sind Wir" (und alles andere ist egal!) bezeichnen kann. Also: Wieder ein Fehler, genauso wie die Tatsache, dass Martin Winterkorn weiterhin auf der Gehaltsliste steht.

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