Dienstag, 28. Juni 2016

Treffen mit US-Umweltbehörde ohne Ergebnis Warum auch VW jetzt dringend Demut zeigen muss

Große Geste der Demut und Entschuldigung: Toyota-Chef Akio Toyoda im Februar 2010 nach einem Skandal um klemmende Gaspedale. So eine Geste wird in den USA auch von VW-Chef Müller erwartet

"Wir verstehen Europa, wir verstehen China. Aber die USA verstehen wir bislang nur in einem begrenzten Maß." Diese Worte sprach der damalige VW-Aufsichtratschef Ferdinand Piëch Ende 2013 aus. Die Aussage des "Alten" gilt bei Volkswagen weiterhin, wie der USA-Besuch von VW-Konzernchef Matthias Müller schmerzlich zeigt. Und dafür könnte Volkswagen hohes Lehrgeld zahlen - wenn der Konzern sich nicht endlich demütig den US-Gepflogenheiten beugt.

Denn nach seinen Auftritten auf der Detroiter Automesse stand für Müller einer der wichtigsten Termine seit Beginn der Diesel-Abgasaffäre an: Im Laufe des Mittwoch traf er in Washington Gina McCarthy, die Chefin der mächtigen Umweltbehörde EPA. Die EPA deckte gemeinsam mit der kalifornischen Umweltbehörde Carb die Manipulationen bei VW-Dieselmotoren auf.

Das Gipfeltreffen zwischen Müller und McCarthy endete ohne Ergebnis, teilte die EPA am Abend mit. "Wir werden weiter an einer Lösung arbeiten", sagte McCarthy. Sie sei dankbar für das Gespräch mit Volkswagen. Der Konzern versicherte, "Volkswagen wird weiterhin voll kooperieren."

Es war das erste Treffen auf höchster Ebene zwischen dem Autoriesen und US-Behörden. Eine Pressekonferenz nach dieser Elefantenrunde hätte Müller eigentlich eine ideale Bühne für einen großen US-Auftritt geboten: Die Amerikaner warten seit Monaten auf einen von den US-Behörden abgesegneten Rückrufplan. Das Treffen mit McCarthy wäre der perfekte Zeitpunkt gewesen, um endlich eine Einigung verkünden zu können.

Doch die Vorzeichen dafür standen schlecht. Zuletzt hatten die Amerikaner den Druck auf VW kräftig verstärkt und ihre Unzufriedenheit mit dem Vorgehen der Deutschen deutlich gemacht. Kurz nach Jahresanfang hatte die EPA gemeinsam mit dem Justizministerium Klage gegen VW eingereicht und erklärt, dass die Gespräche zu den Rückrufen noch "keinen akzeptablen Weg nach vorne ergeben" hätten. Wenige Stunden vor dem Treffen zwischen Müller und McCarthy wies die kalifornische Umweltbehörde Carb die VW-Rückrufpläne öffentlich zurück - und warf VW vor, bisher wenig dazugelernt zu haben.

Nun gehören deutliche Kritik samt der Androhung von Milliardenstrafen zum üblichen Repertoire von US-Beamten, wenn sie gegen Großkonzerne vorgehen. Für die betroffenen Firmen gab es in der Vergangenheit ein probates Mittel, um Zorn der Staatsvertreter zu zähmen: Unternehmenschefs mussten sich und ihren Konzern öffentlich als reumütige Sünder brandmarken, Besserung geloben - und genau erklären, wie sie künftig solche Fälle verhindern wollen.

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