Montag, 23. Juli 2018

Diess wird neuer Chef, Konzern führt Markengruppen ein Volkswagen beschließt größten Umbau der Geschichte

Volkswagen-Zentrale Wolfsburg

Der Volkswagen-Konzern steht vor dem größten Umbau seiner Geschichte. Der Aufsichtsrat hat auf seiner Sitzung am Donnerstag Herbert Diess zum Nachfolger von Matthias Müller als Vorstandschef gewählt und den Umbau des Konzerns in Markengruppen beschlossen.

Auf einmal ging alles sehr schnell: Die Aufseher des Volkswagen-Konzerns haben am Donnerstag auf ihrer Sitzung umwälzende Beschlüsse gefasst. Künftig werden die Marken des größten Auto-Herstellers der Welt in drei Gruppen geführt: "Volumen" mit den Marken Volkswagen, Skoda und Seat; Premium mit Audi sowie "Super-Premium" mit Porsche, Bugatti, Lamborghini, Bentley.

Herbert Diess (links) löst Matthias Müller an der Spitze des Volkswagen-Konzerns ab. Müller verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung.
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Herbert Diess (links) löst Matthias Müller an der Spitze des Volkswagen-Konzerns ab. Müller verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung.

Geführt wird der Konzern künftig von Herbert Diess, der bisherige Vorstandschef Matthias Müller verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Diess bleibt auch weiterhin Chef der wichtigsten Konzernmarke Volkswagen und ist außerdem verantwortlich für Entwicklung und Fahrzeug-IT.

Gunnar Kilian könnten neuer Personalvorstand werden

Neuer Personalchef und damit Nachfolger von Karlheinz Blessing wird Gunnar Kilian, bisher Generalsekretär des Konzernbetriebsrats und enger Vertrauter von Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Auch das milliardenschwere Lkw-Geschäft bekommt eine neue Aufstellung: Die Einheit "Truck & Bus" soll nach Beschluss des Aufsichtsrats börsenreif gemacht werden.

Der Grund für den Großumbau ist die Unzufriedenheit der Aufsichtsräte und Großaktionäre mit der Geschwindigkeit der Reformen unter Müller. Dem seit Herbst 2015 amtierenden und am Donnerstag ausgeschiedenen Vorstandschef wurde nach Informationen von manager-magazin.de Entscheidungsschwäche vorgeworfen.

Nicht nur ein neuer Vorstandschef und ein neuer Personalchef werden ernannt. Der Umbau trifft auch Einkaufschef Francisco Javier Garcia Sanz.

Francisco Javier Garcia Sanz

Sanz konnte zwar Erfolge in den Verhandlungen mit den US-Behörden im Zusammenhang mit dem Abgasskandal vorweisen. Aber er ist auch für die massiven Probleme mit dem Zulieferer Prevent verantwortlich. 2016 war die Produktion in einigen VW-Werken beinahe zum Erliegen gekommen, weil Sanz keine Einigung mit Prevent erzielen konnte - oder eine zu starke Abhängigkeit von dem einen Lieferanten zugelassen hatte.

Negativ dürfte den Verantwortlichen auch seine vergleichsweise großzügige Inanspruchnahme der firmeneigenen Flugbereitschaft in Erinnerung sein. Ende vergangenen Jahres hatte Sanz knapp 950.000 Euro an den Konzern zurückgezahlt, nachdem Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch die Reiseabrechnungen für unstatthaft erklärt hatte.

Sanz verlässt das Unternehmen und wird interimistisch durch Ralf Brandstätter ersetzt, derzeit Einkaufsvorstand der Marke VW.

Oliver Blume

Porsche-Chef Oliver Blume rückt in den Vorstand auf und ist zudem künftig für die Konzernproduktion verantwortlich. Audi-Chef Rupert Stadler wird außer für seine Marke auch für den Vertrieb verantwortlich sein.

Der weltgrößte Autokonzern hatte am Dienstag überraschend angekündigt, die Führungsstruktur neu zu ordnen.

Der Vorteil kleinerer Einheiten: Sie sind übersichtlicher und gegebenenfalls auch leichter an die Börse zu bringen. In der Debatte ist seit längerem eine separate Ausgliederung des Lkw-Geschäfts mitsamt eigenem Börsengang oder eine Holding-Struktur.


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Den letzten tiefgreifenden Umbau hatte Volkswagen 2012 vollzogen. Damals hatte der Konzern unter anderem die Allianz seiner Nutzfahrzeug-Geschäfte vertieft, die Aktivitäten in China ausgebaut und Dutzende Management-Positionen neu besetzt - bei VW selbst, Audi, den leichten Nutzfahrzeugen, Bentley und in anderen Bereichen.


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Auch "Dieselgate" erhöhte dann den Druck, Kosten einzusparen. 2015 wurde eine Trennung von Konzern- und Markenfunktionen angeschoben. Die Verantwortung der Vertriebsregionen wurde ebenfalls gestärkt. So schuf VW eine eigene Marktregion Nordamerika, wo die Kernmarke lange der Konkurrenz hinterherfuhr. Später rief Müller die "Strategie 2025" aus - ein Ziel war der Abbau des Zentralismus im VW-Reich. "Es ist jetzt auch möglich, die Dinge zu delegieren", sagte er 2016.

rei mit Nachrichtenagenturen

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