Montag, 11. Dezember 2017

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VW und Daimler sehen US-Präsidenten kritisch VW fordert Superministerium zur Trump-Abwehr

"Es gärt immer noch": Volkswagen-Chef Matthias Müller

In den USA machen Volkswagen und Daimler zusammen mit der US-Autoindustrie mobil gegen Donald Trump. Hierzulande fordert VW ein mächtiges Superministerium als Konterpart gegen drohende Auswüchse einer protektionistischen US-Wirtschaftspolitik. Mit Blick auf den Kartellverdacht im eigenen Land sehen sich die Konzerne zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Autobauer weltweit interpretieren die Handels- und Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump zusehends als Belastung für ihr Geschäft. So machen in den USA Herstellerverbände, denen auch deutsche Autokonzerne angehören, im Verbund mit Händlern und Zulieferern mobil gegen Trumps Pläne zum Freihandelspakt Nafta - in dieser Deutlichkeit und Verbundenheit ist das ein bislang einmaliger Akt.

Obwohl sie in den USA produzieren und Jobs sichern, fürchten deutsche Autobauer gleichwohl Importbeschränkungen, wie Volkswagen-Chef Matthias Müller auf einem Treffen der Autoindustrie im Daimler-Werk Sindelfingen verdeutlichte. Um sich besser gegen protektionistische Bestrebungen der USA unter Trump wehren zu können, sprach sich Müller für ein Superministerium nach dem Vorbild des japanischen Ministeriums für Handel und Industrie aus.

Sieht Trumps Wirtschaftspolitik als "Risiko": Daimler-Chef Dieter Zetsche

"Es gärt immer noch", sagte Müller mit Blick auf mögliche Einfuhrbeschränkungen in den USA. "Wir leiden unter einer gewissen Planungslosigkeit." Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte Trumps Wirtschaftspolitik als "Risiko" bezeichnet.

Auch auf dem heimischen Kontinent gehen die Autobauer in Verteidigungsstellung. So sehen sich Daimler und Volkswagen im Zusammenhang mit dem Kartellverdacht gegen die deutsche Autoindustrie zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Beide Konzerne hatten sich bei den Kartellwächtern zwar vorsorglich selbst angezeigt, betonen aber unisono, dass es bei den nun untersuchten Absprachen unter den großen deutschen Herstellern vor allem um technische Standardisierungen gegangen sei.

VW-Chef Müller: "Von Preisabsprachen ist mir nichts bekannt"

"Das Kartellrecht wird von uns sehr respektiert", sagte VW-Chef Matthias Müller am Mittwoch auf dem Treffen der Autoindustrie des "Handelsblatts". "Von Preisabsprachen ist mir nichts bekannt." Daimler-Chef Dieter Zetsche betonte, die Kooperation habe den Kunden genützt - und kritisierte die aus seiner Sicht überzogen kritische Berichterstattung in den Medien.

Der Kartellverdacht war im Sommer durch einen Bericht im "Spiegel" bekannt geworden. Nach Volkswagen gab auch Daimler kürzlich zu, selbst die Kartellbehörden über die Absprachepraxis informiert zu haben. "Die Tatsache, dass wir uns gemeldet haben, hat überhaupt nichts damit zu tun, wie wir den Fall einschätzen", sagte Zetsche, der die Selbstanzeige nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen will.

BMW-Chef Krüger fehlte auf dem Gipfel

Einer fehlte auf dem Gipfel: BMW-Chef Harald Krüger hatte seinen Auftritt kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Der Daimler-Vorstoß war den Münchener ziemlich gegen den Strich gegangen. Es sei rückblickend ein komisches Gefühl gewesen, dass man mit Wettbewerbern über Zusammenarbeit rede, während deren Juristen die Zusammenkünfte schon angezeigt hätten, hieß es. BMW wird nicht von der Kronzeugenregelung profitieren, sollten die EU-Ermittler rechtswidrige Absprachen erkennen.

VW selbst sehe dem Ergebnis der Ermittlungen "gelassen" entgegen, so Konzernchef Müller. Derzeit wühlten sich die Ermittler in der Wolfsburger Konzernzentrale durch riesige Mengen Daten. Sie sichteten Protokolle, wahrscheinlich hundert Millionen Dokumente. "Dann werden wir ja sehen, ob da noch irgendwas anderes gesprochen wurde."

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rei/Reuters

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