Mittwoch, 19. September 2018

Daimler und VW gegen Prevent Die falsche Strategie der deutschen Autoindustrie

Volkswagen und Daimler mit Prevent im Clinch: Der immer offener ausgetragene Konflikt zwischen Zulieferern und Autobauern trifft auch die Hersteller

Der Streit zwischen VW und Daimler und dem Zulieferer Prevent zeigt in aller Härte, wie abhängig Autokonzerne inzwischen von ihren Lieferanten geworden sind. Die zukünftigen Herausforderungen wie E-Mobilität und autonomes Fahren können beide aber nur gemeinsam meistern - Zeit zum Umdenken.

Prevent ist mit seinen etwa zwei Milliarden Euro Umsatz nicht gerade der Größte unter den Automobilzulieferern, aber mittlerweile bekannt für seine Haltung, Vertragsrecht gegebenenfalls auch juristisch durchzusetzen - wenn auch mit zweifelhaften Erfolgsaussichten. Der Schadenersatzklage gegen Daimler Börsen-Chart zeigen in Höhe von 40 Millionen Euro, die gerade vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt wird, räumen Experten nur geringe Chancen ein. Und erst vor wenigen Tagen kündigte Volkswagen Börsen-Chart zeigen dem Zulieferer entscheidende Lieferverträge. Ein Signal, welches von vielen als Revanche für den Lieferstopp von Prevent aus dem Jahr 2016 gewertet wird.

Sind solche Aktionen von beiden Seiten zielführend, geschweige denn wirtschaftlich? Wohl kaum.

Der Prevent-Gruppe droht der Niedergang ihrer Autozulieferer-Töchterunternehmen ES Automobilguss, Car Trim und Prevent Foamtech. Kurzarbeit und Entlassungen für rund 700 Beschäftigte wurden aufgrund der VW-Kündigung bereits verlautbart. Auch das jüngste Tochterunternehmen von Prevent, die Firma Halberg Guss mit rund 3000 Mitarbeitern, wird sich wohl auf Liefervertragskündigungen von Seiten Volkswagen einstellen dürfen und ein ähnliches Schicksal erleiden. Kurzum: Der Verlust von Arbeitsplätzen droht unmittelbar.

Gewinnsucht, Kostendruck, Missachtung von Tatsachen

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    Stefan Randak ist Direktor und Leiter der Praxisgruppe Automotive beim Interim-Management-Anbieter Atreus in München.

Doch der immer offener ausgetragene Konflikt zwischen Zulieferern und Autobauern trifft auch die Hersteller. Daimler hat die Auseinandersetzung mit Prevent bereits einige Millionen gekostet, Volkswagen muss für das abrupte Ende der Zusammenarbeit wohl circa 200 Millionen Euro einkalkulieren - wovon 159 Millionen Euro nur dafür draufgehen, andere Zulieferer für die Auftragsübernahme fit zu machen. Prevent dürfte darüber hinaus noch Schadenersatz in Millionenhöhe einfordern. Zudem hallen aus dem Streit von vor zwei Jahren noch der Produktionsstillstand von 160 Tagen, 140.000 nicht gebaute Fahrzeuge und Zwangsurlaub für 18.000 Beschäftigte nach.

Gewinnsucht, Kostendruck und Missachtung von Tatsachen sind die wahren Wurzeln dieser Auswüchse auf beiden Seiten. Während die Autobauer versuchten, durch eine Ein-Lieferanten-Strategie ihre Produktkosten niedrig zu halten, glaubte sich Prevent dadurch in eine einmalige Verhandlungsposition gebracht zu haben, um in der Zukunft Druck auszuüben. Doch wer die Automobilindustrie von morgen im Auge haben möchte, muss zwingend anders agieren. Dies gilt für Hersteller wie Zulieferer im gleichen Maße.

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