Samstag, 15. Dezember 2018

Ertragskraft gesteigert "Man mag es kaum glauben" - VW-Rendite schließt zu Toyota auf

Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg

Toyota knüpft in Sachen Ertragskraft an frühere Glanzzeiten an. Der japanische Konzern steigerte den Betriebsgewinn in seinem ersten Geschäftsquartal um knapp ein Fünftel auf umgerechnet rund 5,3 Milliarden Euro und stellt bei der Rendite so machen Premiumhersteller in den Schatten.

Was hierzulande von dem Dilemma um das neue Abgasmessverfahren WLTP bisher aber überdeckt wurde und selbst Branchenkenner überrascht: Der Volkswagen-Konzern, lange Schlusslicht in der Branche, hat bei der Profitabilität inzwischen zu den Japanern aufgeschlossen. Bereinigt um die Lasten der Dieselkrise lagen die Wolfsburger im Zeitraum April bis Juni mit 9,1 Prozent Marge in Schlagdistanz zu Toyota, der im gleichen Zeitraum auf 9,3 Prozent kam.

"Man mag es kaum glauben, aber es ist wirklich so", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Er sieht Volkswagen bei der Ertragskraft inzwischen sogar gleichauf mit Toyota. Denn im Autogeschäft kam Toyota auf 9,1 Prozent Ebit-Marge. Die Leistung von VW gehe wegen der Diskussion über Verzögerungen durch den neuen Abgasmesszyklus jedoch unter. "Die Probleme hängen Volkswagen immer noch wie ein Mühlstein am Hals."

Pieper verweist darauf, dass WLTP eine Folge der von Volkswagen angezettelten Abgasmanipulation ist, an der die Wolfsburger immer noch zu knapsen haben. Das zugrunde liegende Ergebnis des Dax-Konzerns sei jedoch überzeugend. Im zweiten Quartal hatten die Niedersachsen - bereinigt um Sondereffekte - ein operatives Gewinnplus von fast einem Viertel auf rund 5,6 Milliarden Euro eingefahren. An der Börse spielte jedoch vor allem die Warnung des Managements vor Margendruck eine Rolle und sorgte für einen Kursrückgang.

Größe hilft nun doch

Das passt so gar nicht zum Bild, das manche Analysten von Volkswagen haben. Denn einige von ihnen halten für möglich, dass der Konzern bei der Rendite demnächst an Toyota vorbeizieht.

Unter seinem neuen Vorstandschef Herbert Diess ziehe der Konzern mit seinen zwölf Marken immer größere Vorteile aus seiner Größe und profitiere besser von der vor einigen Jahren perfektionierten Baukastenstrategie, sagte Marc-Rene Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg. Nach seinen Berechnungen hat Volkswagen den japanischen Rivalen im zurückliegenden Quartal im reinen Pkw-Geschäft mit einer bereinigten Rendite von 10,1 Prozent bereits geschlagen. Angetrieben sei dies durch die hohe Ertragskraft von Porsche, aber auch von Skoda, Audi und Verbesserungen bei der Hauptmarke VW.

Für den nach Volkswagen und der Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi weltweit drittgrößten Autobauer Toyota spricht laut Pieper die größere Stabilität. Die Japaner müssten auch keine zusätzlichen Belastungen schultern wie ihr deutscher Rivale. Beide Konzerne trieben gleichermaßen die weltweite Präsenz voran und engagierten sich stark bei neuen Technologien für den Umstieg in eine klimaschonendere Mobilität. "Beide werden mit konsequenter Hand gemanagt."

Toyota punktet im Heimatmarkt

Toyota fuhr der Konkurrenz bei der Ertragskraft wegen seiner schlanken Produktion, der Konzentration auf eine überschaubare Zahl von Modellen und fortwährenden Einsparungen lange voraus. In den vergangenen Jahren war Toyota etwas zurückgefallen, auch weil die Konkurrenz besser wurde und die Japaner selbst mit einigen Problemen zu kämpfen hatten. Nun kommt Toyota aber zu alter Stärke zurück. Der Betriebsgewinn von 682,6 Milliarden Yen im ersten Geschäftsquartal übertraf die Erwartungen von Analysten.

Frank Schwope von der NordLB führt das auf Einsparungen zurück. "Allein in Japan sind die Autoverkäufe um sechs Prozent gesunken, aber das operative Ergebnis hat um fast ein Viertel zugelegt." Für das bis März 2019 laufende Geschäftsjahr rechnet das für seine Vorsicht bekannte Management wegen des stärkeren Yen-Kurses weiterhin mit einem Gewinnrückgang von rund vier Prozent.

Zu Beginn seines Geschäftsjahres war Toyota besonders in Asien erfolgreich, wo die Erträge um 40 Prozent kletterten. Stark war der Konzern vor allem in China und Thailand. Auf dem Heimatmarkt Japan lief es dank Einsparungen ebenfalls rund. In Nordamerika, dem größten Markt der Japaner, gingen die Erträge dagegen zurück, weil sich Toyota mit Preisabschlägen gegen einen schrumpfenden Markt stemmt.

Sorgen bereiten dem die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Importzölle. Toyota verkauft mehr Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten als jeder andere japanische Autohersteller und wäre deshalb von solchen Abgaben besonders betroffen. Der Konzern stellt etwa die Hälfte seiner dort verkauften Autos in den USA her und importiert die übrigen Fahrzeuge aus Japan, Kanada und Mexiko.

luk, reuters

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