Montag, 24. September 2018

Probleme mit Abgastests VW will Pannenflughafen BER mit Diesel-Autos fluten

Geparkte Diesel von Volkswagen - diese hier stehen in einem Wüstenrandgebiet nahe Victorville (Kalifornien). Doch massig Abstellplatz sucht VW jetzt auch in Deutschland und will dazu den Pannenflughafen BER in Anspruch nehmen

Die fehlenden Zulassungen für Fahrzeuge nach dem neuen WLTP-Abgastest führen zu Parkplatznot bei Volkswagen. Deshalb weicht der Konzern jetzt mit zahlreichen Neuwagen auf den Berliner Pannenflughafen BER aus. Auf dem Gelände habe der Konzern Flächen angemietet, um Autos mit Lieferverzögerungen darauf abzustellen, sagte ein VW-Sprecher.

Hintergrund der Probleme sind neue Abgastests nach dem Prüfzyklus WLTP. Ab dem 1. September dürfen nur noch Autos zugelassen werden, die dieses neue Testverfahren durchlaufen haben. VW produziert deshalb bereits zahlreiche Autos vor, die so gebaut sind, dass sie das Prüfverfahren schaffen. Allerdings fehlen derzeit noch die Freigaben für viele dieser Modelle durch das Kraftfahrtbundesamt.

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Konzernweit könne es durch die Umstellung auf das WLTP-Verfahren zu Lieferverzögerungen bei 200.000 bis 250.000 Fahrzeuge kommen, sagte der Sprecher. Ein Teil davon werde auf den angemieteten Parkplätzen abgestellt. "Nach unseren Betriebsferien Ende Juli werden wir schon mehr Freigaben haben", sagte der Sprecher. Neben dem BER nutzt VW derzeit auch ein konzerneigenes Testgelände in Ehra-Lessin bei Wolfsburg. "Wir prüfen die Anmietung weiterer Flächen."


WLTP-Probleme - Diese Modelle können Autobauer nicht mehr liefern


VW führt wegen Abgastests kurzfristig Vier-Tage-Woche ein

Die neuen Abgastests beeinflussen mittlerweile auch die Produktion bei Volkswagen. Der Konzern lässt wegen der neuen Abgasmesszyklen nach den Werksferien die Produktion im Stammwerk in Wolfsburg an ein bis zwei Tagen in der Woche ruhen. Diese Maßnahme werde unmittelbar nach den Werksferien (7.-27.Juli) eingeführt und sei bis Ende September geplant, hieß es am Dienstag in einer im Intranet von VW verbreiteten Mitteilung an die Mitarbeiter, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag.

Volkswagen hatte bereits Anfang Juni angekündigt, dass die Bänder nach den Werksferien zeitweise stillstehen werden, weil die neue Testprozedur (WLTP) komplexer sei und länger dauere. Die Details sollten mit dem Betriebsrat ausgehandelt werden. Verschärfend kommt hinzu, dass die Abgasprüfstände in Deutschland wegen der Dieselrückrufe auch anderer Autobauer bereits ausgelastet sind."

Auch Zwickau betroffen

"Die Umstellung auf den neuen Prüfzyklus WLTP ist ein Kraftakt und hat, wie bereits angekündigt, von August an vorübergehende Auslastungslücken in der Produktion zur Folge", teilte VW mit. Auch andere VW-Werke sind davon betroffen. So sind am Standort in Zwickau für das dritte Quartal ebenfalls vereinzelte Schließtage angesetzt, teils entfallen auch nur einzelne Schichten. Die Fahrweise der VW-eigenen Komponentenwerke solle an die Anforderungen der betroffenen Fahrzeugwerke angepasst werden, hieß es.

Passat-Werk Emden läuft weiter nicht rund

Unabhängig vom neuen Abgasmesszyklus werde es im Passat-Werk Emden im dritten und auch im vierten Quartal ebenfalls Schließtage geben, teilte VW weiter mit. Grund dort sei eine schwierige Marktsituation im Mittelklasse-Segment, von der Volkswagen als Marktführer besonders betroffen sei.

Nach den EU-Regeln dürfen Neuwagen ab dem 1. September nur noch verkauft werden, wenn sie den Abgasprüfzyklus nach WLTP durchlaufen haben. Damit soll sichergestellt werden, dass Abgastests realitätsnäher sind. Dies ist auch eine Lehre aus den Diesel-Manipulationen von Volkswagen. Inzwischen stehen auch andere Hersteller im Verdacht, geschummelt zu haben. Daimler muss Hunderttausende Diesel-Pkw zurückrufen. Der Stuttgarter Autokonzern führt die WLTP-Umstellung zudem als einen von mehreren gewinndämpfenden Faktoren an. Ein Grund für die Engpässe ist die begrenzte Zahl an Testständen. Diese sind wegen der Software-Updates weitgehend ausgebucht, die die Hersteller auf Diesel-Fahrzeuge aufspielen müssen, um die Stickoxidwerte zu senken.

rei/dpa/Reuters

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