Dienstag, 26. März 2019

Zu viel Gejammer um CO2-Grenzwerte "Wir schaffen das!"

Natürlich werde Volkswagen die neuen, schärferen CO2-Grenzwerte einhalten, sagt Konzern-Chef Herbert Diess

"Niemand weiß heute, wie die beschlossenen Grenzwerte in der vorgegebenen Zeit erreicht werden können." In keinem anderen Teil der Welt gebe es vergleichbar harte CO2-Ziele. Insbesondere deutsche Autobauer würden im internationalen Wettbewerb stark belastet, hatte Deutschlands oberster Vertreter der Autoindustrie, VDA-Chef Bernhard Mattes, gerade erklärt.

Nun gehört das Klappern zum geübten Handwerkszeug von Lobbyisten. Ja, es ist auch ihre Aufgabe, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Mit Blick auf die neuen und leicht verschärften CO2-Ziele für Neuwagen ab 2030 hätte Mattes aber besser zuvor den Chef des weltweit größten Autobauers kontaktiert.

Der sitzt gar nicht so weit weg in Wolfsburg und sagte jetzt Folgendes: "Natürlich werden wir das Ziel, bis 2030 die CO2-Emissionen nochmals um 37,5 Prozent zu reduzieren, erreichen können."

Mit anderen Worten: "Wir schaffen das!" Mit der eigenen Plattform für Elektroautos und der starken Präsenz in China ist Herbert Diess optimistisch, die lediglich um 2,5 Prozentpunkte höher als erwartet ausgefallenen Grenzwerte für Neuwagen einhalten zu können.

Mag man den Trend zur Elektromobilität auch anfangs falsch eingeschätzt oder gar verschlafen haben - die Aufholjagd hat längst begonnen. Daher zählen VW, Mercedes und BMW zu Recht noch mit zur Weltspitze im internationalen Automobilbau. Diess' klares und Mut machendes Statement hebt sich da wohltuend vom effektheischend offiziellen Verbandsgejammer ab.

Selbst dem Bundesverkehrsminister - zumeist als Schutzengel der Autoindustrie unterwegs - dämmert mittlerweile, dass man der nach wie vor wichtigsten Industrie in Deutschland mehr Change-Management-Kompetenz zutrauen darf.

Der Umbruch ist nicht umsonst zu haben

Der Volkswagen-Boss machte aber in dem "Bild"-Interview ebenso klar: Der auch politisch gewollte Umbruch einer ganzen Branche ist nicht "umsonst" zu haben. Auf lange Sicht werden unter dem Strich weniger Arbeitsplätze benötigt, weil eben viele Jobs bei der Produktion eines Elektroautos entfallen, die die Produktion herkömmlicher Fahrzeuge jetzt noch erfordert.

Über diese Auswirkungen sollte sich die Politik tatsächlich "im Klaren" sein, wie es der Volkswagen-Chef warnend formuliert. Neuausrichtung und Paradigmenwechsel in der Autoindustrie sind aus beschäftigungspolitischer Sicht nicht zum Nulltarif zu haben. Darauf verweisen bereits zahlreiche Studien. Mit der elektromobilen Wende entstehen aber neue, zukunftsweisende Jobs für qualifizierte Menschen - und hoffentlich vor allem in Deutschland.

So mancher Konsumgüterhersteller, der vor Jahren noch ob der billigeren Produktion ins asiatische Ausland geflüchtet war, hat sie wieder nach Deutschland zurückgeholt: hoch automatisiert, aber eben auch mit neuen anspruchsvollen Jobs. Rowenta ist da nur ein Beispiel von vielen.

Dass jedoch wegen der "teuren" Batterien dann in Deutschland die "Einstiegsmobilität sehr viel teurer" werden wird oder gar für viele Kunden "unerschwinglich", wie Diess es versteckt androht, muss sich indes noch erweisen. Hier haben die Wettbewerber sicher noch ein Wort mitzureden. Und warum sollte man daran zweifeln, dass Volkswagen dann nicht in der Lage ist, auch ein vergleichsweise bezahlbares Massen-Elektroauto anzubieten?

Herr Diess, wir schaffen das!

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