Dienstag, 23. Oktober 2018

Matthias Müller eröffnet Diskussion Volkswagen-Chef würde Diesel-Subvention in E-Autos umleiten

Nicht ganz uneigennütziger Vorstoß: VW-Konzernchef Matthias Müller

Seit vielen Jahren profitiert auch Volkswagen von den Steuersubventionen für Dieselfahrzeuge. Denn lange Zeit galten die niedrigeren Spritpreise bei oft zugleich niedrigerem Verbrauch gegenüber Benzinern als schlagendes Kaufargument für Autofahrer. Doch mit dem Dieselskandal haben sich die Zeiten geändert. Das Image des "clean Diesel" ist arg lädiert, in den Städten drohen dem Selbstzünder nach wie vor Fahrverbote und die Wiederverkaufswerte von Dieselautos sinken.

Dass jetzt Volkswagen-Chef Matthias Müller vor diesem Hintergrund die bestehenden Steuervorteile für Dieselsprit in Zweifel zieht, ist einerseits nicht überraschend - andererseits aber angesichts des Steuerprivilegs von immer noch 8 Milliarden Euro unter dem Strich dann doch bemerkenswert. Ein Privileg, dass immer noch Wirkung zeigt: 2016 war noch etwas mehr als jeder zweite in Deutschland zugelassene VW ein Diesel, bei der Oberklasse-Tochter Audi waren es sogar zwei Drittel der Autos.

"Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass wir Sinn und Zweck der Dieselsubventionen hinterfragen sollten", sagte der Manager gleichwohl dem "Handelsblatt" im Interview (kostenpflichtig) "Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden."

Müller will im Kern eine Umleitung der Subventionen

Fachleute und Umweltexperten fordern schon länger die Streichung der steuerlichen Subvention. Wer Diesel tankt, zahlt auf den Liter rund 18 Cent weniger Steuern als bei einem Liter Benzin. Würde dieser fragwürdige Vorteil wegfallen, der Staat sparte viel Geld - und die Autobauer hätten ein Problem.

Denn noch produzieren, bewerben und verkaufen sie Dieselfahrzeuge, die in der nächsten Generation nicht nur deutlich sauberer sein, sondern auch viel in die Kassen von VW und Co spülen sollen - Geld, das sie für die milliardenschweren Investitionen zur Mobilitätswende zwingend brauchen.

Insofern überrascht es dann auch nicht, dass Konzernchef Müller nicht die Streichung der Subventionen, sondern lediglich ihre aus betriebswirtschaftlicher Sicht schonende und langsame Umleitung fordert: "Abstriche bei den Diesel-Subventionen, dafür Anreize für Elektroautos, wären das richtige Signal. Das würden wir aushalten, ohne gleich Existenzängste haben zu müssen."

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