Sonntag, 18. Februar 2018

VW-Chef Müller entschuldigt sich VW will schauen, wie es den Affen geht

VW-Chef Müller: "Es gibt Dinge, die man schlicht nicht tut"

Volkswagen hat sich für fragwürdige Abgastests an Affen entschuldigt. Konzernchef Matthias Müller nannte die von der Lobbyvereinigung EUGT in den USA praktizierten Methoden "unethisch und abstoßend". "Mit Interessenvertretung oder wissenschaftlicher Aufklärung hatte das nichts, gar nichts zu tun", sagte er laut Redemanuskript am Montagabend in Brüssel. "Mir tut es leid, dass Volkswagen als einer der Träger der EUGT an diesen Vorgängen beteiligt war."

Der Vorfall habe ihm auch vor Augen geführt, dass sich Volkswagen und die Industrie insgesamt noch ernsthafter mit ethischen Fragen auseinandersetzen müssten. "Es gibt Dinge, die tut man schlicht nicht. Punkt!", sagte Müller, der den Konzern seit Bekanntwerden des Dieselskandals vor fast zweieinhalb Jahren führt.

"Es liegt noch ein langer Weg vor uns, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen", fügte Müller hinzu. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hatte am Montag bereits eine umfassende Aufklärung der Vorfälle angekündigt und dabei auch personelle Konsequenzen nicht ausgeschlossen.

Die durch Affenversuche in den USA in die Kritik geratene "Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor" (EUGT) soll auch ein Experiment gefördert haben, bei dem sich Probanden an einem Institut des Aachener Uniklinikums dem Reizgas Stickstoffoxid ausgesetzt haben. Die Versuche haben in der Politik massive Kritik an der Automobilindustrie ausgelöst.

VW will Tierversuche für die Zukunft ausschließen

Nach Bekanntwerden der Abgasversuche an Affen hat Volkswagen Börsen-Chart zeigen angekündigt, künftig keine Tierversuche mehr durchführen zu wollen. "Wir wollen Tierversuche für die Zukunft absolut ausschließen", sagte der VW-Generalbevollmächtigte Thomas Steg der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. "Damit so etwas nicht noch einmal passiert." VW lasse prüfen, was nach den Versuchen mit den Affen geschehen sei, in welchem Zustand sie übergeben wurden und wie es ihnen heute gehe.

"Mir geht es vor allem darum, dass die Studie weder mit Menschen noch mit Affen hätte stattfinden dürfen", sagte Steg der Zeitung weiter. "Was geschehen ist, hätte nicht passieren dürfen", sagte der Generalbevollmächtigte des Wolfsburger Autobauers. Er bedauere dies sehr. "Das hatte mit wissenschaftlicher Aufklärung nichts zu tun".

Bereits am Wochenende hatte der Konzern auf Medienberichte reagiert, wonach 2014 bei einem Experiment in den USA zehn Affen Dieselabgase eines VW einatmen mussten und sich "klar von allen Formen der Tierquälerei" distanziert. Veranlasst hatte die Studie, die in breiten Teilen der Öffentlichkeit einen Sturm der Entrüstung auslöste, von der Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT), die 2007 von Unternehmen der deutschen Automobilindustrie gegründet worden war und Mitte 2017 aufgelöst wurde.

la/dpa

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