Dienstag, 31. Mai 2016

Osterloh gegen Beförderungsstopp bei Volkswagen VW-Betriebsrat attackiert Top-Management

Bislang eigentlich immer in bestem Einvernehmen mit dem Management: VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh geht auf Konfrontationskurs zum Top-Management. Auslöser sind Passagen in der aktuellen Titelgeschichte des manager magazins, nach denen der VW-Markenvorstand auf den Dieselskandal mit einem verschärften Sparkurs reagiert. Ein wesentlicher Teil soll ein Beförderungsstopp für 2016 sein.

Konzernbetriebsratschef Osterloh teilte daraufhin dem manager magazin mit: "Hier handelt es sich um einseitige Vorstellungen des Vorstands, die wir so nicht akzeptieren werden. Das haben wir Freitag mit dem Personalwesen besprochen. Wir finden es spannend, dass hier neuerdings vom Unternehmen anscheinend Dinge permanent als Wahrheiten nach außen getragen werden, bevor sie überhaupt vernünftig besprochen sind. Vieles, wie einen pauschalen Beförderungsstopp (...) halten wir als Betriebsrat für bloße Symbolpolitik auf dem Rücken von Beschäftigten. Wir erwarten andere Symbole zuerst: zum Beispiel eine klare Aussage, wie sich der Konzernvorstand zu seinen Boni-Zahlungen stellt. Hier muss die Devise lauten; mit gutem Beispiel voran."

Osterloh auf einer Betriebsratsversammlung Anfang Oktober. Im Vordergrund, leicht nach vorne gebeugt: der neue Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.
DPA / Volkswagen
Osterloh auf einer Betriebsratsversammlung Anfang Oktober. Im Vordergrund, leicht nach vorne gebeugt: der neue Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.
Die scharfe Replik Osterlohs deutet auf einen möglichen Bruch einer jahrzehntealten Konstante im VW-Management hin: der harmonischen, äußerst rücksichtsvollen Zusammenarbeit zwischen Management und Arbeitnehmervertretern.

Neben dem Beförderungsstopp ist nach Informationen aus dem Umfeld des Konzerns zusätzlich zum Beispiel geplant, für die nächste Generation des Konzernbestsellers Golf möglichst viele aktuelle Bauteile erneut zu verwenden, heißt es. Die Golf-Plattform sei technisch gut genug, und man werde so Hunderte Millionen Euro sparen.

Die Kosten des Dieselskandals werden in VW-internen Analysen auf mehr als 30 Milliarden Euro taxiert. Der neue Konzernchef Matthias Müller plant, diese Ausgaben möglichst weitgehend bei der für die betroffenen Dieselmotoren verantwortlichen Marke VW zu verbuchen. Töchter wie Audi und Porsche sollen stabil gehalten werden.

VW-Markenchef Herbert Diess hatte bereits angekündigt, die Marke werde in den kommenden Jahren jeweils eine Milliarde Euro weniger investieren als ursprünglich budgetiert. Außerdem werde man das laufende Effizienzprogramm forcieren. Diess wolle diesen Sparkurs allerdings in den kommenden Monaten noch einmal verschärfen, berichtet das manager magazin weiter. Der Markenchef wolle auch die Produktivität und Effizienz der VW-Werke verbessern - und dort gegebenenfalls Stellen abbauen.

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