Dienstag, 30. August 2016

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VW-Chef will US-Aufseher gnädig stimmen Müller entschuldigt sich und verdoppelt US-Investitionen

Volkswagen-Chef Matthias Müller: "Die USA sind und bleiben ein Kernmarkt für VW"

Mit einem Schuldeingeständnis auf ganzer Linie hat Volkswagen-Chef Matthias Müller seinen ersten USA-Besuch begonnen. "Wir wissen, dass wir unsere Kunden, die zuständigen staatlichen Stellen und die allgemeine Öffentlichkeit hier in den USA sehr enttäuscht haben. Ich bitte daher um Entschuldigung", sagte er in der Nacht zum Montag in Detroit vor dem Start der US-Automesse. Zudem kündigte der VW-Chef an, trotz drohender Milliardenklagen und eines massiven Imageschadens durch den Abgasskandal an den geplanten Investitionen festzuhalten.

Zusätzlich zu den bisherigen Ausgaben von mehr als einer Milliarde Dollar für das Werk Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee plane VW weitere Investitionen in Höhe von 900 Millionen Dollar, bekräftigte Müller. "Die USA sind und bleiben ein Kernmarkt für den Volkswagen-Konzern", sagte er.

Die Investitionen sind für die Produktion eines neuen sportlichen Geländewagens mit sieben Sitzen geplant - Arbeitstitel: Cross Blue -, der Ende des Jahres erstmals vom Band laufen soll. Dadurch schafft VW nach früheren Angaben rund 2000 neue Arbeitsplätze in den USA.

Müllers erneute Entschuldigung kommt nicht von ungefähr: An diesem Donnerstag (14. Januar) steht eine wichtige Entscheidung der US-Aufseher zu Vorschlägen für eine Beseitigung der Betrugsprogramme an. Dem Konzern drohen teure Nachbesserungen oder sogar Auto-Rückkäufe. "Es sind nicht nur unsere Autos, die wir reparieren müssen - es ist auch unsere Glaubwürdigkeit", sagte Müller. Diesen Mittwoch trifft er sich zu Gesprächen mit der US-Umweltbehörde EPA und deren Leiterin Gina McCarthy.

VW steht in den USA seit Monaten in der Kritik, auf den Skandal nicht angemessen zu reagieren. In der vergangenen Woche erreichte das einen neuen Höhepunkt, als das US-Justizministerium VW in der Klageschrift vorwarf, auch bei der Aufarbeitung der Affäre zu tricksen und zu täuschen. Ende vergangener Woche sagte der New Yorker Bundesanwalt Eric Schneiderman der "New York Times": "Unsere Geduld geht zu Ende." So weigere sich Volkswagen unter Berufung auf deutsche Datenschutzgesetze, US-Staatsanwälten E-Mails und anderes Material zur Kommunikation von Führungskräften offenzulegen.

US-Branchenexperten sehen die VW-Manager vor einer Herkulesaufgabe. "Wir haben doch nur abgewartet bisher. Die müssen jetzt endlich mal sagen, was sie tun wollen. Und wenn sie das getan haben, dann sehen wir mal weiter. Fest steht schon: Es wird ein langer, langer Weg", sagte die renommierte Branchenkennerin Michelle Krebs am Rande der Messe. Ihr Kollege Karl Brauer meinte zur Frage der Rückrufe oder Rückkäufe: "VW hat ein großes Problem, das überhaupt logistisch zu lösen." Er halte es zwar für verfrüht, über ein Verschwinden der Kernmarke aus den USA zu spekulieren. "Aber es wird ein langer, langer Weg zurück", sagte er zu den Perspektiven für Europas Branchenprimus.

Während die VW-Töchter Audi und Porsche in den USA erfolgsverwöhnt sind, fährt die Kernmarke hinterher. 2015 verkaufte VW-Pkw in den USA nur 349.000 Wagen, vor allem Jetta und Passat. Das sind fünf Prozent unter dem Vorjahreswert und meilenweit vom Ziel entfernt, bis 2018 rund 800.000 Wagen abzusetzen. Die Marke stammt noch vom Müller-Vorgänger Martin Winterkorn - und wurde bisher nicht kassiert.

Bis zum Diesel-Skandal hatten die USA eine Schlüsselrolle gespielt beim Volkswagen-Ziel, bis 2018 auch vor Toyota weltgrößter Autobauer zu werden. Als Hauptgründe für die US-Schwäche gelten neben Lücken im Angebot auch mangelndes Verständnis für die Kundenwünsche. So geriet der Zyklus für eine kosmetische Überarbeitung der Modelle (Facelifts) zu lang. Schicke, neue Wagen begeisterten die US-Kunden nicht mehr so lange wie früher, als die Zyklen beim Design noch länger reichten, sagte Analystin Krebs. "Das verschwindet rascher als jemals zuvor." Müller bekräftigte in Detroit, dass VW zu den Investitionsplänen für die USA stehe. Und er gab zu: "Volkswagen muss die USA noch besser verstehen lernen."

Die USA haben Volkswagen wegen der Abgasmanipulationen verklagt. Wegen Betrugs und Verstößen gegen Umweltgesetze drohen VW Milliardenstrafen. In den USA sind fast 600.000 Dieselfahrzeuge des VW-Konzerns mit verbotener Software unterwegs.


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