Mittwoch, 12. Dezember 2018

Volkswagen und Daimler melden Engpässe Gefangen in der deutschen Elektroauto-Produktionshölle

Gläserne Manufaktur in Dresden: Hier entsteht der E-Golf - in kleinen Stückzahlen
Volkswagen AG
Gläserne Manufaktur in Dresden: Hier entsteht der E-Golf - in kleinen Stückzahlen

2. Teil: Woran es bei den Herstellern hakt

Manche Experten hingegen machten die Industrie verantwortlich: Die angebotenen Fahrzeuge seien zu teuer, die erzielbare Reichweite zu gering. Die Energiewirtschaft errichte zu wenige Ladesäulen. "Wer nicht an die Zukunft einer Technologie glaubt, wird auch nicht investieren", klagte Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer bereits im vergangenen Jahr.

Tatsächlich stecken Volkswagen, Daimler, BMW und Co. inzwischen Milliarden in die Entwicklung künftiger, großer Elektroauto-Flotten. Wagen wie der VW I.D. oder der Mercedes EQA sollen in einigen Jahren auf den Markt kommen.

Wenig Interesse haben die Hersteller aber offenbar daran, das Potenzial der aktuellen Fahrzeugpalette auszuschöpfen. "Immer noch erfolgt die Produktionsplanung für Elektroautos bei den meisten Herstellern extrem konservativ", sagt Autoindustrie-Experte Andreas Radics, geschäftsführender Partner bei der Unternehmensberatung Berylls.

Viele Elektroautos liefen über dieselben Bänder wie Fahrzeuge mit Verbrennungs- oder Hybridmotor. Dieses Verfahren pries Volkswagen einst als idealen Weg, die E-Auto-Produktion bei Bedarf unkompliziert hochzufahren. Dank dem modularen Querbaukasten könnten statt der Benzin- auch die Batterie- oder die Plugin-Technik verbaut werden.

Faktisch sind konventionelle Autos heute aber ebenfalls stark gefragt, und sie belegen Fertigungskapazitäten. Mit Benzinern lässt sich zudem gutes Geld verdienen. Der E-Golf dagegen gilt beispielsweise als eher als unprofitabel. Verantwortlich sind laut Branchenexperten unter anderem teure und unflexible Verträge mit Zulieferern, etwa zum Batteriezellen-Bezug.

Gemessen an den Standards der Branche seien heutige Elektroautos vielfach noch nicht wirklich Massenprodukte, so Berylls-Mann Radics. "Immer wieder ist ein hoher manueller Anteil in der Fertigung nötig, ebenso treten aber auch Verzögerungen durch Nacharbeiten an der Qualität auf."

Auch für potenzielle Großkunden sind Elektroautos wegen solcher Engpässe derzeit noch kein Thema. "Wir hätten gerne deutlich mehr elektrische Fahrzeuge in unserer Flotte", sagte Alexander Sixt, Vorstand von Deutschlands größtem Autovermieter Börsen-Chart zeigen, dem "Handelsblatt". "Leider ist das verfügbare Angebot in Bezug auf Mengen noch zu gering, um substanziell unsere Flotte zu elektrifizieren."

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