Dienstag, 23. Oktober 2018

Neue Struktur - 6 Geschäftsfelder plus China, Nutzfahrzeuge bereit für die Börse VW macht Diess zum Konzernchef und bündelt Marken

Neuer VW-Chef: Herbert Diess

Volkswagen leitet den größten Umbau seiner Geschichte ein. Der Aufsichtsrat berief VW-Markenchef Herbert Diess am Donnerstag an die Spitze des weltgrößten Autokonzerns. Sein Vorgänger Matthias Müller scheide im gegenseitigen Einvernehmen mit sofortiger Wirkung als Vorstandsvorsitzender aus, teilte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch nach einer Sitzung des Kontrollgremiums mit.

Müller hatte das Steuer vor zweieinhalb Jahren von Martin Winterkorn übernommen, der wegen der Dieselaffäre zurückgetreten musste. Die zwölf Fahrzeugmarken werden in drei Markengruppen gebündelt.

Insgesamt wird der Konzern in sechs Geschäftsfelder und die Region China gegliedert. Dadurch soll Volkswagen Börsen-Chart zeigen übersichtlicher und besser steuerbar werden.

Mit dem größten Umbau in der 80-jährigen Firmengeschichte geht ein Stühlerücken im Vorstand einher. Neben Einkaufschef Francisco Garcia Sanz, der auf eigenen Wunsch aus dem Konzern ausscheidet, nimmt Personalvorstand Karlheinz Blessing seinen Hut.

Kilian ersetzt Blessing als Personalvorstand, auch Sanz geht

Für ihn rückt der bisherige Generalsekretär und Vertraute von Betriebsratschef Bernd Osterloh, Gunnar Kilian, in den Vorstand ein. Aufsichtsratschef Pötsch danke Müller. Dieser habe das Steuer im Herbst 2015 übernommen, als der Konzern durch den Abgasbetrug vor der größten Herausforderung seiner Geschichte stand.

Die zwölf Fahrzeugmarken werden in eine Volumengruppe mit VW an der Spitze, eine "Premium"-Gruppe mit Audi sowie eine "Superpremium"-Gruppe mit Porsche gegliedert. Zudem existiert bereits die Gruppe "Truck&Bus", in der Volkswagen sein Nutzfahrzeuggeschäft gebündelt hat, das zu einem späteren Zeitpunkt an die Börse gebracht werden soll.

Weitere Details nannte Volkswagen Börsen-Chart zeigen nicht und verwies auf eine für Freitag in Wolfsburg geplante Pressekonferenz. Dort wolle Diess seinen Pläne näher erläutern.

Viel Macht für Diess

Der neue VW-Boss bekommt mit der Leitung der Volumengruppe mehr direkten Einfluss auf das operative Geschäft als Müller hatte. Die Machtfülle des früheren BMW -Managers bei Volkswagen ist vergleichbar mit der von Winterkorn, der neben seiner Aufgabe als Konzernchef auch die umsatzstärkste Marke VW leitete. Winterkorns Vorgänger Bernd Pischetsrieder, der einst ebenfalls von BMW kam, hatte bei Volkswagen bereits so genannte Markenwelten entwickelt, die aber nie umgesetzt wurden.

Stadler leitet künftige Premium-Gruppe, Blume rückt in Vorstand auf

Oliver Blume

Der schon mehrmals als Abschusskandidat im Dieselskandal gehandelte Audi-Chef Rupert Stadler ist vom großen Stühlerücken nicht betroffen. Er leitet die künftige Premium-Gruppe, wie VW mitteilte. Porsche-Chef Oliver Blume wird ordentliches Mitglied im Konzernvorstand und Chef der "Super Premium"-Gruppe. Sie umfasst Insidern zufolge neben dem Sportwagenbauer Porsche auch die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini.

Die beiden größten Gewinnbringer - Audi und Porsche - in einer Gruppe zusammenzufassen wäre schwierig geworden, weil keine der beiden selbstbewussten Marken der anderen die Führung überlassen hätte. sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Die für die Markengruppen verantwortlichen Vorstandsvorsitzenden übernehmen zusätzliche Führungsaufgaben im Konzern. Dadurch soll Konzernchef Diess entlastet werden.

Der Vorteil kleinerer Einheiten: Sie sind übersichtlicher und auch leichter an die Börse zu bringen. In der Debatte ist seit längerem eine separate Ausgliederung des Lkw-Geschäfts mitsamt eigenem Börsengang oder eine Holding-Struktur.


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Den letzten tiefgreifenden Umbau hatte Volkswagen 2012 vollzogen. Damals hatte der Konzern unter anderem die Allianz seiner Nutzfahrzeug-Geschäfte vertieft, die Aktivitäten in China ausgebaut und Dutzende Management-Positionen neu besetzt - bei VW selbst, Audi, den leichten Nutzfahrzeugen, Bentley und in anderen Bereichen.


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Auch "Dieselgate" erhöhte dann den Druck, Kosten einzusparen. 2015 wurde eine Trennung von Konzern- und Markenfunktionen angeschoben. Die Verantwortung der Vertriebsregionen wurde ebenfalls gestärkt. So schuf VW eine eigene Marktregion Nordamerika, wo die Kernmarke lange der Konkurrenz hinterherfuhr. Später rief Müller die "Strategie 2025" aus - ein Ziel war der Abbau des Zentralismus im VW-Reich. "Es ist jetzt auch möglich, die Dinge zu delegieren", sagte er 2016.

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