Sonntag, 19. November 2017

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Volkswagen-Vorstand Andreas Renschler über die Zukunft seiner Sparte Billig-Lkw für China? Was der VW-Truckchef vorhat

VW-Truckchef Andreas Renschler: Ein günstiges Nutzfahrzeug für China ist in Planung - und der Börsengang der Nutzfahrzeugsparte von VW ist weiterhin eine Option

Volkswagen-Vorstand Andreas Renschler sinniert im mm-online-Interview über die Perspektiven der von ihm geführten Truck-Division, erwägt ein günstiges VW-Nutzfahrzeug für den chinesischen Markt und wehrt sich gegen Vorwürfe eines neuen Kampfs der Kulturen.

manager magazin: Herr Renschler, Sie wollen Volkswagens Nutzfahrzeugsparte an die Börse bringen. Aber Autoaktien stehen schwer unter Druck. Fondsgesellschaften haben ausdrücklich vor dem Kauf von Anteilen deutscher Autokonzerne gewarnt. Nicht die besten Aussichten für einen Börsengang...

Andreas Renschler: Wir wollen Volkswagen Truck & Bus zu einem Global Champion machen. Und wir lassen uns alle Optionen offen, um dieses Ziel zu erreichen.

mm: Aber auch ein Börsengang gehört zu den Optionen.

Renschler: Ja sicher, auch ein Börsengang gehört zu den Optionen. Aber entschieden ist dazu noch nichts.

mm: Die Aussichten jedenfalls wären nicht gerade glänzend, wenn man sieht, dass aktuell der Elektro-Newcomer Tesla mit 47 Milliarden Euro bewertet wird - und die Volkswagen AG Börsen-Chart zeigen als größter Autokonzern der Welt mit 74 Milliarden Euro.

Renschler: Tesla ist für uns in diesem Bereich weder Maßstab noch Vorbild. Es kann nicht unser Unternehmenszweck sein, zehn Jahre oder länger Verlust zu schreiben und das Minus über die Börse zu finanzieren. Wir wirtschaften nachhaltig. Unsere Aussichten am Kapitalmarkt würde ich nicht so skeptisch sehen wie Sie.

mm: Vorausgesetzt also, Sie setzen die Option Börsengang um: Wie wollen Sie den Investoren die Aktien der Volkswagen Truck & Bus schmackhaft machen? Auch Ihre Industrie wird schließlich aufgemischt durch neue Antriebe wie die Elektromobilität, durch autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienstleistungen?

Renschler: Da das Thema IPO für uns derzeit nicht auf der Tagesordnung steht, stellt sich das Thema Schmackhaftigkeit für Investoren so nicht.

mm: Die geschäftliche Herausforderung bleibt, ...

Renschler: ... und wir sind gewappnet. Dabei gilt die Maxime, dass Nutzfahrzeuge für unsere Kunden Geld verdienen müssen. Das heißt für uns, wir müssen alle Technologievarianten anbieten und sie so kombinierbar machen, dass der einzelne Kunde die für ihn perfekte Variante aussuchen kann. Das kann - schon heute - ein autonom fahrender Lkw für den Einsatz in einer Mine sein. Das kann ein Lieferwagen mit Plugin-Hybrid-Antrieb sein, der innerhalb der Stadt elektrisch fährt. Und das kann in einigen Jahren vielleicht eine Variante des elektrischen Volkswagen I.D. Buzz sein; für eine neue, nachhaltige Art des öffentlichen Nahverkehrs.

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