Sonntag, 22. April 2018

Volkswagen will 12 Prozent mehr Lohn bei Skoda zahlen Skoda-Mitarbeiter wollen jetzt ihren Anteil

Skoda-Fabrik im tschechischen Mlada Boleslav

Die 32.000 Beschäftigten der Volkswagen-Tochter Skoda in Tschechien sollen mindestens 12 Prozent Lohn bekommen. Das klingt viel, doch noch verdienen sie deutlich weniger als die Kollegen in Wolfsburg. Volkswagen weiß genau, warum sich der Konzern hier auf keinen Arbeitskampf einlässt: Dafür ist Skoda einfach zu erfolgreich und viel zu profitabel.

Ob nun in der Slowakei oder Tschechien - Beschäftigte des Volkswagen-Konzerns in Osteuropa fühlen sich schon länger unterbezahlt im Vergleich zu ihren Kollegen in Deutschland. Ausgehend von einem harten Arbeitskampf im Werk Bratislava konnten die Mitarbeiter in der Slowakei im Sommer vergangenen Jahres ein Lohnplus von 14 Prozent durchsetzen.

Der Streik wuchs sich fast zu einem Politikum aus. Stellte doch der slowakische Premier offen die Frage, warum ein Hersteller qualitativ hochwertiger Autos seinen slowakischen Arbeitern trotz hoher Arbeitsproduktivität gerade mal die Hälfte oder ein Drittel der Löhne zahlt, die in Westeuropa üblich sind.

Im benachbarten Tschechien schauten die Beschäftigten nicht ohne Neid auf den Streikerfolg der Konzern-Kollegen. Das slowakische Beispiel solle tschechischen Gewerkschaften als "Inspiration" dienen. Die Zeit der "billigen Arbeit" müsse bald vorbei sein, mahnten die Skoda-Kollegen.

Auch wenn sich der Ton zwischen den Tarifparteien in Tschechien zuletzt verschärft hatte, Volkswagen scheint den Konflikt bei einer seiner profitabelsten Töchter nicht auf die Spitze treiben zu wollen. Denn schließlich ist die Nachfrage nach Skoda-Modellen ungebrochen, will Volkswagen durch eine Ausweitung der Arbeitszeit die Produktion in den tschechischen Stammwerken wie Mlada Boleslav erhöhen.

Die Chancen auf eine Lösung des Konflikts stehen gut: Dem letzten Angebot von 12 Prozent mehr Lohn für die 32.000 Skoda-Beschäftigten in Tschechien und einer Einmalzahlung von umgerechnet 2600 Euro steht die Metallgewerkschaft Kovo offenbar positiv gegenüber. Die finale Entscheidung soll diesen Mittwoch fallen. Rückwirkend vom 1. April würde der neue Tarifvertrag ein Jahr gelten.

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