Dienstag, 24. Mai 2016

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Rabatte verdecken Absatzprobleme Volkswagen verliert Marktanteile in wichtigen Autoländern

Exportmaschine: Autos von Audi and Volkswagen in Emden. Zuletzt hat der Wolfsburger Hersteller allerdings Marktanteile verloren
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Exportmaschine: Autos von Audi and Volkswagen in Emden. Zuletzt hat der Wolfsburger Hersteller allerdings Marktanteile verloren

Bei allem Ärger, den Volkswagen Börsen-Chart zeigen derzeit mit dem Abgasskandal hat: Die Folgen im operativen Geschäft seien äußerst überschaubar, heißt es immer wieder aus Wolfsburg. Anders ausgedrückt: Die Leute kaufen trotz der Schummeleien einfach weiter Autos von Volkswagen.

Die Zulassungszahlen für den Oktober lassen jedoch erahnen, dass durchaus noch ein Tal der Tränen für den VW-Vertrieb bevorstehen könnte. Auf den fünf wichtigsten europäischen Automärkten hat die Marke Volkswagen im ersten vollen Monat nach Beginn des Skandals Marktanteile verloren, wie die Fachzeitschrift "Automobilwoche" berichtet.

So ließen die Behörden in Italien 7 Prozent weniger VW-Fahrzeuge zu als ein Jahr zuvor, dabei wuchs der Markt um 8,6 Prozent. In Großbritannien wurden gar 9,8 Prozent weniger VW registriert. Der Gesamtmarkt schrumpfte dort nur um 1,1 Prozent. Auch in Frankreich und Deutschland schnitt Volkswagen schlechter ab als im Vorjahr. In Spanien legte VW zwar leicht zu, aber deutlich weniger als der Gesamtmarkt.

"Dies könnte der Beginn einer Schwächeperiode sein"

Auch gegenüber den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres verlor Volkswagen im Oktober auf den wichtigsten Märkten Anteile in Höhe von bis zu einem Prozentpunkt. Die Ausnahme bei diesem Vergleich war Deutschland. Dort lag der VW-Marktanteil im Oktober laut Kraftfahrt-Bundesamt um 0,6 Prozentpunkte höher als im Gesamtjahr.

Volkswagen wollte die Daten gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren. Ein Unternehmenssprecher verwies darauf, dass VW die Auslieferungszahlen für Oktober Ende der Woche kommunizieren werde.

Die offensichtliche Absatzschwäche könnte bereits im Zusammenhang mit dem Abgasskandal stehen, findet "Automobilwoche"-Experte Ulrich Winzen. "Bei den Entwicklungen im Oktober handelt es sich bisher um Schwankungen, die ohne die aktuelle Situation noch als normal zu bezeichnen wären", schreibt der Autoanalyst. "Dies könnte aber auch der Beginn einer Schwächeperiode der Marke VW, insbesondere auf den Auslandsmärkten, sein."

Vorsicht ist bei der Betrachtung der Oktober-Zahlen insofern geboten, als dass der Skandal erst Mitte September an die Öffentlichkeit gelangte. Wer ein Auto bestellt, muss jedoch in vielen Fällen monatelang auf den Wagen warten. Ein Großteil der im Oktober zugelassenen Wagen haben Kunden vermutlich schon im Sommer bestellt - als von Dieselgate noch keine Rede war.

"Volkswagen hat zuletzt unterdurchschnittlich abgeschnitten"

Doch das gelte bei weitem nicht für alle Fahrzeuge, sagte Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach gegenüber manager-magazin.de. Gerade im Flottengeschäft würden Autos durchaus recht zügig ausgeliefert. Deutliche Verzögerungen gebe es eher bei Privatkunden. Diese seien auf vielen Märkten aber in der Minderheit.

"Volkswagen hat zuletzt unterdurchschnittlich abgeschnitten" schlussfolgert Bratzel jedenfalls angesichts der jüngsten Zulassungszahlen. Und verweist auf die USA, wo die Marke im Oktober nur hauchdünn im Plus lag, während der Markt um 14 Prozent zulegte.

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