Sonntag, 24. September 2017

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VW-Vorstand will "Portfoliobereinigung" starten VW-Betriebsrat bremst Verkauf von Ducati

Das waren Zeiten: Martin Schulz, damals EU-Parlamentspräsident, 2013 mit Martin Winterkorn, damals VW-Chef, auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. Eine Ducati mittendrin.

Der Betriebsrat des Autoherstellers Volkswagen hat im Zusammenhang mit einem möglichen Verkauf des Motorradherstellers Ducati vor einer "unverantwortlichen Verunsicherung von Belegschaften" gewarnt. Ein Sprecher des Betriebsrats sagte manager-magazin.de, der Verkauf sei keineswegs beschlossen. "Eine Verkaufsentscheidung für gleich welche Gesellschaft des Konzerns müsste den Aufsichtsrat passieren." Das sei bislang nicht passiert.

Die harsche Reaktion des VW-Betriebsrats ist eine Reaktion auf Verkaufspläne des Wolfsburger Autoherstellers für Ducati und mindestens einer weiteren Tochter, über die das manager magazin in seiner neuesten Ausgabe (Erscheinungstermin: 28. April) berichtet. Der Verkauf Ducatis werde aktuell vorbereitet, spätestens im Juni sollten die Unterlagen für potenzielle Käufer fertig sein, berichten Beteiligte. Die Volkswagen-Tochter Audi hatte Ducati 2012 für rund 750 Millionen Euro gekauft.

Nach Informationen aus Konzernkreisen sortiert Volkswagen bereits erste Anfragen für seine Motorradtochter Ducati. Ein fernöstlicher Interessent etwa habe gut eine Milliarde Euro für die italienische Kultmarke offeriert, heißt es. Die Bieter hätten allerdings noch keinen Einblick in die Ducati-Bücher gehabt. Im vergangenen Jahr setzte die italienische Motorradmarke 731 Millionen Euro um.

Der Sprecher des Betriebsrats sagte manager-magazin.de weiter, die Kollegen bei Ducati müssten sich keine Sorgen machen. Für den Fall eines geplanten Verkaufs erwarte er im Aufsichtsrat "eine spannende Diskussion. Da diese nicht geführt ist, handelt es sich tatsächlich um pure Spekulationen." Und diese führten zu einer unverantwortlichen Verunsicherung der Mitarbeiter.

Wenn der Aufsichtsrat jemals solche Themen anfassen werde, werde der Betriebsrat die betroffenen Marken immer von sich aus informieren. Volkswagen Börsen-Chart zeigen und die Ducati-Mutter Audi Börsen-Chart zeigen hatten die Berichte von manager magazin und auch der Nachrichtenagentur Reuters nicht kommentiert.

Veranlasst worden war der Kauf Ducatis einst von VWs damaligem Aufsichtsratschef und Großaktionär Ferdinand Piëch. Piëch hat sich inzwischen fast komplett aus dem Unternehmen zurückgezogen.

Einem Verkauf von Ducati könnte die Trennung von weiteren Teilen des Unternehmens folgen, heißt es im Konzern. Im Umfeld von Volkswagens Finanzvorstand Frank Witter ist von einer "Portfoliobereinigung" die Rede. Auf der Verkaufsliste steht Informationen des manager magazins zufolge auch Renk, eine auf Antriebstechnik spezialisierte Tochter des Lkw-Herstellers MAN.

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