Freitag, 17. August 2018

Kontrolleure entscheiden über Investitionsplan Bei VW geht es um 100 Milliarden und tausende Jobs

Stammwerk Wolfsburg: Mit dem Investitionsplan für die nächsten fünf Jahre stellt der Aufsichtsrat die Weichen bei Volkswagen für die Zukunft. Allein in Niedersachsen ist gut ein Fünftel der 600.000 VW-Jobs weltweit angesiedelt. Experten schätzen, dass in den nächsten 10 Jahren bis zu 20 Prozent der deutschen Jobs zur Disposition stehen könnten
DPA / Volkswagen
Stammwerk Wolfsburg: Mit dem Investitionsplan für die nächsten fünf Jahre stellt der Aufsichtsrat die Weichen bei Volkswagen für die Zukunft. Allein in Niedersachsen ist gut ein Fünftel der 600.000 VW-Jobs weltweit angesiedelt. Experten schätzen, dass in den nächsten 10 Jahren bis zu 20 Prozent der deutschen Jobs zur Disposition stehen könnten

Mitte November entscheidet der VW-Konzern über die Investitionen der nächsten fünf Jahre. Dabei geht es nicht nur um Milliarden Euro. In Zeiten der Abgaskrise geht es auch um die Neuausrichtung des Konzerns - und die Zukunft sehr vieler Jobs.

Rund 110 Milliarden Euro - so viel hat Volkswagen zuletzt über fünf Jahre investiert. Dafür müsste ein Lottospieler 75 Jahre ununterbrochen jede Woche fast 30 Millionen Euro gewinnen. Wenn der VW-Konzern sein Investitions-Füllhorn auspackt, geht es um Superlative. Europas größter Autobauer veranschlagte zuletzt pro Jahr gut 20 Milliarden Euro in seinem Budgetplan. Die Geldströme flossen etwa in neue Produkte und Zukunftstechnologien. Es ging um neue Fabriken, neue Motoren und intelligente Helfer im Auto.

Mit den gigantischen Summen führte Volkswagen regelmäßig die Listen der globalen Investitionskönige an. Der Abgas-Skandal zwingt den Autobauer jetzt aber zu einer Kostendiät, die ihn bei zentralen, teuren Trends der Branche schwächt: Digitalisierung und Vernetzung sowie alternative Antriebe. Zu allem Überfluss siecht die Pkw-Kernmarke mit dem VW-Logo nicht nur wegen "Dieselgate" bedrohlich dahin. Der Hausmarke um Golf und Passat blieben zuletzt von 100 umgesetzten Euro nur rund 1,60 Euro als Gewinn, wovon dann noch Zinsen und Steuern abgingen. Für das VW-Herz scheint die Schwelle zum Sanierungsfall nicht mehr weit.

Marke VW vom Sanierungsfall nicht mehr weit entfernt

Bei den Konzernkontrolleuren herrscht also doppelte Alarmstimmung. Am 18. November soll der Aufsichtsrat das Budget bis 2021 absegnen. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Schon vor Wochen bekamen die Kontrolleure daher eine zusätzliche Terminanfrage für Freitag, den 4. November. Außerplanmäßige Aufsichtsratssitzungen lassen immer aufhorchen. Diesmal aber, so versichern Insider, diene das Treffen lediglich der Vorbereitung. "Weil wir sonst am 18. wohl nicht durchkämen", sagt ein Teilnehmer.

Wie hart tritt VW nun auf die Kostenbremse? Die wahrscheinlichen Lasten für die Diesel-Krise allein in den USA gehen schon in Richtung 20 Milliarden Euro. Verluste im Tagesgeschäft sind darin nicht eingerechnet. Branchenexperten wie Frank Schwope von der NordLB rechnen bereits heute mit bis zu 35 Milliarden Euro Gesamtkosten. Selbst für VW wird die Luft also dünn, denn parallel muss der Konzern Geld in seine Zukunft stecken.

"Fokussieren statt weniger von allem machen"

"Ich glaube schon, dass es eine deutliche Fokusverschiebung geben dürfte", sagt Branchenforscher Stefan Bratzel zur Planungsrunde. Wie klar sich das in den Zahlen ablesen lasse, bleibe abzuwarten. Schließlich sei viel auf Jahre budgetiert. Dennoch müsse es mittelfristig auch Opfer geben, etwa gestrichene Modelle.

"Man darf nicht weniger von allem machen, sondern man muss fokussieren", sagt Bratzel. Bisher liefen Themen wie E-Antriebe, vernetzte Mobilität und autonomes Fahren eher nebenher. "Jetzt muss das ein Kern werden." Wenn VW es ernst meine mit der Wandlung vom reinen Autobauer zum führenden Anbieter für Mobilitätsdienste, müsse das auch am Budget ablesbar sein.

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