Mittwoch, 22. November 2017

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Markenchef Diess entschuldigt sich für Abgasskandal Abgasskandal brockt VW Milliardenverlust ein

Verspricht vollständige Aufklärung und entschuldigt sich: VW-Markenchef Herbert Diess. Seine Sparte trägt im abgelaufenen Quartal die volle Last der 6,7 Milliarden Euro hohen Rückstellungen für den Diesel-Skandal

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte hat dem Volkswagen-Konzern den ersten Quartalsverlust seit mehr als 20 Jahren eingebrockt. Die tiefroten Zahlen beenden eine rasante Rekordfahrt jäh und zwingen die Wolfsburger wie erwartet auch zum Kappen ihrer Jahresziele.

Vor Zinsen und Steuern (Ebit) steht ein Quartalsverlust von rund 3,5 Milliarden Euro. Vor einem Jahr hatte noch ein operativer Gewinn von mehr als drei Milliarden Euro zu Buche gestanden. Nach neun Monaten sackte der Betriebsgewinn wegen der hohen Rückstellungen um zwei Drittel auf 3,3 Milliarden Euro ab, sonst hätte er bei 10,2 Milliarden Euro gelegen. Der Umsatz kletterte nach neun Monaten auf 160 Milliarden Euro.

Auch unter dem Strich ist das Quartalsergebnis Ergebnis mit minus 1,7 Milliarden Euro tiefrot. "Wir werden alles daran setzen, verlorengegangenes Vertrauen wiederzugewinnen", sagte VW -Konzernchef Matthias Müller.

An der Börse legte die Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen trotzdem in der Spitze um mehr als 4 Prozent zu und setzte sich damit an die Dax-Spitze. "Der Anstieg ist eigentlich nicht berechtigt, noch immer ist das Ausmaß der Affäre nicht abzuschätzen und auch die erhöhten Rückstellungen dürften nicht ausreichen", sagte ICF-Anlagestratege Heino Ruland.

VW-Aktie an der Dax-Spitze - Händler: "Das dicke Ende kommt noch"

Andreas Paciorek von CMC Markets sagte, es hätten alle damit gerechnet, dass der Abgasskandal den Niedersachsen das Quartal verhagele. Der Blick auf das laufende Geschäft mache aber Hoffnung, dass der Konzern die Krise langfristig in den Griff bekommen könne. Dass sich an den Umsatzerwartungen von Volkswagen nichts geändert habe, wertete Paciorek als positives Signal.

Händler Oliver Roth von der Investmentbank Oddo Seydler sieht bei Volkswagen das dicke Ende aber erst noch kommen, und zwar zum Jahresausklang - "wenn die eigentlichen Rückstellungen vorgenommen werden". Auch für Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB sind die roten Zahlen des dritten Quartals erst die Spitze des Eisberges: "Die 6,7 Milliarden Euro an Rückstellungen für Rückrufe werden erst der Anfang gewesen sein."

Er geht davon aus, dass der Schaden am Ende bei mehr als 30 Milliarden Euro liegen wird. "Ich glaube, in Amerika wird es für Volkswagen noch richtig teuer." Denn für Rechtsstreitigkeiten, die in den USA üblicherweise sehr teuer werden können, hat VW noch kein Geld auf die Seite gelegt.

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