Sonntag, 24. Juli 2016

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Nachrüstung der Diesel-Fahrzeuge Mit diesem 10-Euro-Bauteil will VW den Abgas-Skandal lösen

So einfach ist das: VW baut in seine vom Abgasskandal betroffenen Diesel-Modelle einen simplen Strömungstransformator ein. Das Luftleitgitter wurde vom Kraftfahrbundesamt als technische Lösung akzeptiert
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So einfach ist das: VW baut in seine vom Abgasskandal betroffenen Diesel-Modelle einen simplen Strömungstransformator ein. Das Luftleitgitter wurde vom Kraftfahrbundesamt als technische Lösung akzeptiert

Am Ende scheint die technische Lösung des Abgas-Skandals ganz einfach: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches Bauteil aus.

Dieses zusätzliche Bauteil sei neben einer Aktualisierung der Software nötig, damit die Motoren die vorgeschriebenen Abgaswerte einhielten, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Wolfsburg. Der Umbau dauere weniger als eine Stunde. Die Kosten für die Nachrüstung bezifferte VW nicht. Experten schätzen, dass für das Bauteil beim 1,6-Liter-Motor nicht mehr als zehn Euro anfallen.

Damit könnte VW bei dem Abgas-Skandal - zumindest was die Kosten betrifft - glimpflicher davonkommen als gedacht. Zunächst war befürchtet worden, dass zur Nachrüstung der Dieselmotoren zum Teil umfangreiche und teure Änderungen an den Katalysatoren notwendig seien.

Danach sehe es nun nicht mehr aus, meint auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg. Nach seinen Berechnungen dürfte Volkswagen der Rückruf in Europa rund 500 Millionen Euro kosten. In dieser Summe sind die Kosten für mögliche Ersatzwägen in den Werkstätten bereits berücksichtigt.

Aktionäre reagierten erfreut auf die Nachricht: Die Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen, die in den vergangenen Tagen bereits zweistellig zugelegt hatte, baute ihre Gewinne am Mittwoch auf mehr als 3 Prozent aus.

Dennoch will Volkswagen Börsen-Chart zeigen vorerst an den für die Rückrufe zur Seite gelegten 6,7 Milliarden Euro festhalten. Solange nicht absehbar sei, wie hoch die Kosten am Ende seien, werde man die Rückstellungen nicht verringern, sagte ein VW-Sprecher. Das Geld war ursprünglich für die elf Millionen betroffenen Fahrzeuge reserviert worden.

Manipulationen in den USA ausgeweitet

Inzwischen hat VW zugegeben, dass bei 800.000 Fahrzeugen falsche Kohlendioxid-Werte angesetzt und damit falsche Verbrauchsversprechen gemacht wurden. Dafür kalkuliert der Konzern weitere zwei Milliarden Euro. Außerdem hat sich die Abgasmanipulation in den USA inzwischen ausgeweitet. Dort sind auch V6-TDI-Motoren mit drei Litern Hubraum von Audi betroffen. Über die technischen Lösungen verhandelt Volkswagen gerade mit den US-Umweltbehörden.

Luftleitgitter vor dem Luftfilter als Lösung

Bei der Nachrüstung der 1,6-Liter Motoren soll nun vor dem Luftfilter ein so genanntes Luftleitgitter am Ende eines Kunststoffrohrs angebracht werden. Dieses Bauteil stabilisiere die Luftströmung, erläuterte VW. Dadurch kann die Motorsteuerung den Kraftstoff besser dosieren.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe diese technischen Maßnahmen akzeptiert. Ziel sei es, die jeweils gültigen Emissionswerte ohne Beeinträchtigung der Motorleistung, des Verbrauchs oder der Fahrleistung zu erreichen. Bevor man das sagen könnte, müssten zunächst alle Modellvarianten gemessen werden. Ab Januar will VW eine großangelegte Rückrufaktion starten und die Fahrzeuge mit den manipulierten Motoren sukzessive umrüsten.

Als Grund, warum dieses Bauteil nicht schon sehr viel früher entwickelt wurde, nannte VW den Fortschritt in der Motoren- und Softwareentwicklung in den vergangenen Jahren. So sei es heute sehr viel einfacher, Abläufe im Motor am Computer zu simulieren.

Die Manipulationen hatten 2005 in den USA ihren Anfang genommen, als VW versuchte, die schärferen Abgasvorgaben zu erfüllen. Konzernchef Matthias Müller hatte bereits zu Wochenanfang mitgeteilt, der Aufwand für die Nachrüstung sei "technisch, handwerklich und finanziell überschaubar". Für mehr als 90 Prozent der betroffenen Diesel-Fahrzeuge in Europa seien technische Lösungen inzwischen behördlich bestätigt.

Technische Lösungen für mehr als 90 Prozent der Fahrzeuge bestätigt

Volkswagen Börsen-Chart zeigen hatte im September 2015 auf Druck der US-Umweltbehörde EPA zugegeben, Stickstoffwerte mit einer Software geschönt zu haben. Die erkennt, wenn das Auto auf einem Prüfstand steht. Weltweit sind fast elf Millionen Fahrzeuge davon betroffen. In Europa ruft Volkswagen 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Drei Millionen Dieselautos sind mit dem 1,6 Liter-Motor ausgerüstet. Für die 5,2 Millionen Fahrzeuge mit 2,0-Liter-Motor reicht laut VW ein Software-Update aus. Die technischen Lösung für die 1,2-Liter-Motoren will der Konzern dem Kraftfahrt-Bundesamt bis Ende November präsentieren.

Auf die Frage, ob Volkswagen weitere Unregelmäßigkeiten ausschließen könne, antwortete Konzernsprecher Hans-Gerd Bode, er würde dies gerne tun. Er verwies aber auf die Kronzeugenregelung. Derzufolge haben Mitarbeiter bis Ende November Zeit, Informationen zur Aufarbeitung des CO2- und Dieselskandals zu geben, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Bislang hätten sich 50 Mitarbeiter gemeldet. Ob jemand darunter sei, der sich selbst eines Vergehens bezichtige, konnte VW nicht sagen. Der Konzern will Mitte Dezember eine Zwischenbilanz der Aufarbeitung des Skandals ziehen, der Europas größten Autobauer in die schwerste Krise seiner 78-jährigen Unternehmensgeschichte gestürzt hat.

la/reuters

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