Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Matthias Müllers wolkige Zukunftsvision Volkswagen hat eine Strategie - aber der Plan fehlt noch

Auf dem Weg in die Zukunft - aber wie? Volkswagen-Chef Müller bleibt Details schuldig

Die Zukunft von Volkswagen ist nüchtern, pastellig grün und ein wenig abstrakt - wenn man den Hinweisschildern folgt, die Europas größter Autohersteller für seine Jahres-Pressekonferenz aufgestellt hat. "We are redefining mobility", verspricht der Konzern darauf vollmundig, umrahmt von einem blaugrünen und einem hellgrünen Dreieck.

Das sieht dynamisch aus, und so will VW-Chef Matthias Müller seinen Konzern auch präsentieren. Ein wenig erinnert das Dreiecksgebilde aber auch an abstrakte Gemälde - und dieser Kunstrichtung blieben Müller und seine Vorstandskollegen über weite Strecken treu.

Mit der Aufarbeitung des Dieselskandals wollte sich Müller heute nicht allzu lange aufhalten. Ein paar wohlgesetzte, von den Hausjuristen sicherlich mehrfach geprüfte Sentenzen über die Aufklärung der "Diesel-Krise" und die Zusammenarbeit mit den US-Behörden waren in seinen Reden natürlich enthalten - und auch der Hinweis, dass 2016 für den Konzern ein "sehr anspruchsvolles Jahr" war.

Doch seine Kernansagen an die Journalisten und Analysten waren ganz andere: Volkswagen Börsen-Chart zeigen habe die vergangenen Monate trotz der Krise gut gemeistert - und den "tiefen Einschnitt" genutzt, um sich neu aufzustellen.

Schade nur, dass Müller viele der laut ihm getroffenen Weichenstellungen nicht mit etwas härterer Währung unterlegen wollte: Mit konkreten Aussagen zu geplanten Investitionen in die künftigen Zukunftsfelder etwa, mit genauer Benennung künftiger Batteriepartner für die vielen schönen neuen VW-Elektroauto-Modelle oder Umsatzerwartungen für die neue Mobilitätssparte.

Handfestes gab es von Müller und seinen Vorstandskollegen nur zu den geplanten Billigauto-Modellen, die der Konzern nun gemeinsam mit zwei Partnern auf den Markt bringen will: Gemeinsam mit Tata Motors Börsen-Chart zeigen will VW eine ganze Budget-Car-Familie entwickeln, das erste Fahrzeug soll bereits 2019 in Indien auf den Markt kommen. In China planen die Wolfsburger eine Kooperation mit dem chinesischen Hersteller JAC im Bereich Elektromobilität. Schon 2018 könnte dort das erste, laut Müller "preisgünstige" gemeinsame Elektroauto auf den Markt kommen.

Doch bei den wichtigeren Details für die größte Wende des Konzerns weg vom Verbrennungsmotor und hin zu Elektroautos blieb Müller dann doch ziemlich pastellig. Für die Batterietechnologie habe man in den vergangenen Monaten "einen konkreten Stufenplan zur Erreichung der Technologieführerschaft bis 2025" beschlossen, erklärte Müller an einer Stelle. Der wird - genau - noch in diesem Jahr "ausgerollt". Ab 2020 will Volkswagen auf einer eigenen Pilotlinie Batteriezellen bauen, parallel dazu befinde man sich "in fortgeschrittenen Gesprächen über den Aufbau von Partnerschaften".

Was diese Vorstöße kosten sollen, lässt sich nur ahnen

So ähnlich klang das auch schon vor einigen Monaten, als Müller seine Strategie "Together 2025" präsentierte. Wie viel Geld Volkswagen dafür einplant, wie viele Batteriefabriken der Konzern benötigen wird, welche Reichweiten die bis 2025 angekündigten 30 Elektroauto-Modelle haben sollen - darüber schwieg sich Müller aus.

Ähnlich ausweichend fielen seine Aussagen zur neuen Mobilitätssparte Moia aus. Müller erklärte zwar, dass der Volkswagen-Konzern in Europa die Marktführerschaft anstrebe bei Ride-Hailing-Diensten, also per Smartphone buchbaren Fahrtdiensten. Doch in welchen Städten er starten will, wie viele Städte er damit in diesem und im kommenden Jahr überziehen will, und was die schönen neuen VW-Dienste kosten sollen - das verriet der Volkswagen-Vorstand nicht.

Was all diese Vorstöße kosten sollen, lässt sich weiter nur erahnen. Bis 2025 will der Konzern in die "Transformation des Kerngeschäfts und den Aufbau neuer Mobilitätsdienste" einen zweistelligen Milliardenbetrag investieren. Detaillierter wurde es leider auch hier nicht.


Der Überblick zum Nachlesen: Die Volkswagen-Präsentation im Minutenprotokoll


Mag sein, dass sich Müller und seine Vorstandskollegen all die spannenden Details für weitere große Präsentationen aufsparen. Doch wer sich die Redefinition der Mobilität auf die Fahnen schreibt, sollte bald mal ein paar Zahlen- und Kostendetails für den Weg Richtung grüner Zukunft abstecken. Insgesamt lieferten Müller und seine Vorstandskollegen ein an vielen Stellen noch sehr abstraktes, mit zarten grünen Pinselstrichen ausgemaltes Zukunftsgebilde ab - und blieben oft ähnlich vage wie die grünen Dreiecke auf der Einladungskarte.

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